Mäzenin Ursula Streit will Asyl-Container finanzieren

Mit einem sechsstelligen Beitrag will die Rudolf-und-Ursula-Streit-Stiftung in Wohlen den Bau von Asyl-Containern ermöglichen.

Wie hier in Zürich sollen auch in Wohlen Asylcontainer gebaut werden. (Archiv)

Wie hier in Zürich sollen auch in Wohlen Asylcontainer gebaut werden. (Archiv) Bild: Sabina Bobst/Archiv Tagesanzeiger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ursula Streit will etwas tun. «Länder wie der Libanon und Jordanien nehmen Millionen von Flüchtlingen aus Syrien auf. Was tun wir hier?», fragt sich die Mäzenin. Dieselbe Frage hatte sie bereits letzten Herbst mit dem Wohlener Gemeindepräsidenten Bänz Müller (SP plus) besprochen.

Schon damals sei klar gewesen, dass die Zivilschutzanlage der Schule am Kappelenring als Unterkunft für Asylsuchende nicht in Frage komme. Die Gemeinde hatte die Anfrage des Kantons vor einem Monat denn auch abschlägig beantwortet. Die unterirdische Unterkunft sei für kriegstraumatisierte Flüchtlinge keine gute Lösung, sagte Müller damals gegenüber dem «Bund». Zudem könnte der Schulbetrieb durch die Notunterkunft erschwert werden.

Streit will Kanton motivieren

Müller schlug dem Kanton stattdessen die Installation von Wohncontainern für 30 Personen auf einem Industriegebiet in der Lätti nahe des Dorfzentrums von Hinterkappelen vor. Die Container-Idee stammte von Ursula Streit. «Wir sind guten Mutes, die Idee umsetzen zu können», sagt Müller.

Das Vorhaben benötige ein Baugesuch, das mittels einer Ausnahmebewilligung vom Statthalteramt genehmigt werden müsse. Laut Müller sind die nötigen Gespräche mit allen Beteiligten bereits geführt worden. «Es geht um eine längerfristige Sache.» Der Gemeindepräsident will die Bevölkerung an einer Informationsversammlung am 11. August im Detail über das Vorhaben informieren.

Auch Streit betont, dass die Container nach Abebben der aktuellen Flüchtlingswelle stehen bleiben sollen. Sie will damit dem Kanton einen Anstoss geben. «Wir sehen uns als Vorreiter und wollen sehen, wie die Behörden reagieren», sagt Streit. Asyl-Container sind zurzeit etwa im Kanton Zürich erfolgreich im Einsatz.

Die Bestrebungen der Stadt Bern, das Platzproblem im Asylwesen durch Modulbauten zu lösen, sind vom Kanton bisher aber aus Kostengründen stets abgelehnt worden. «Vielleicht ist das Nein des Kantons ja ein vorläufiges», sagt Streit. Was in Zürich mit Erfolg betrieben werde, sollte eigentlich auch im Kanton Bern möglich sein. «Wir wollen dazu beitragen, dass sich der Kanton hier stärker engagiert», sagt Streit.

Appell an humanitäre Tradition

Laut Streit wird die Rudolf-und-Ursula-Streit-Stiftung einen sechsstelligen Beitrag an die Baukosten leisten. Die Infrastrukturkosten würden von der Gemeinde und der Betrieb möglicherweise von der Heilsarmee finanziert. «Vielleicht sind da ja Synergien mit der ebenfalls von der Heilsarmee betriebenen Unterkunft an der Halenbrücke möglich», sagt Streit.

Die Schweiz habe einst viele Flüchtlinge aufgenommen, sagt sie unter Anspielung auf die Flüchtlingswellen aus Tibet, Ungarn, Sri Lanka oder aus dem Balkan. «Warum machen wir es uns heute so schwer?»

Eine Lösung für Minderjährige

Die Container sind zurzeit nicht die einzigen Pläne von Gemeindepräsident Müller. So möchte er die 16 unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden aus dem Heim im emmentalischen Bärau, die im Jugendtreff in Hinterkappelen ihre Sommerferien verbringen, in der Gemeinde behalten. «Wir haben vielleicht eine Lösung für sie bis Ende Jahr», sagt Müller. Er habe ein, zwei mögliche Unterkünfte im Visier. «Das Heim Bärau ist auf die Hilfe der Gemeinden angewiesen», sagt Müller. (Der Bund)

Erstellt: 29.07.2015, 08:05 Uhr

Artikel zum Thema

Asylunterkunft: «Muri will ein Zeichen setzen»

Muri öffnet die Zivilschutzanlage Siloah für Asylsuchende – eine neue Unterkunft wird auch in der Stadt Bern aktuell. Mehr...

Erste Flüchtlinge kommen in Ringgenberg an

Seit gestern leben dreizehn Asylsuchende aus Eritrea in einem ehemaligen Ferienheim der Heilsarmee am Brienzersee. Die Nachbarn zeigen sich gelassen. Mehr...

«Für uns nicht vorstellbar»

Aarberg, Neuenegg, Oberhofen, Täuffelen und Wohlen sollen Asyl-Notunterkünfte eröffnen. Die Gemeinden reagieren zurückhaltend und abwehrend auf den Entscheid. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Zum Runden Leder Bittersüsse Premiere

Sweet Home Rund und gesund

Die Welt in Bildern

Vier Pfoten für die Zukunft: Chilenische Polizistinnen marschieren mit den Welpen zukünftiger Spürhunde an der jährlichen Parade in der Hauptstadt Santiago de Chile. (19. September 2018)
(Bild: Rodrigo Garrido) Mehr...