Kritik an der Riss-Prüfung im AKW Mühleberg

Die BKW hat 2016 kein weiteres Wachstum der Risse im AKW-Kernmantel entdeckt. Dieser wurde aber auch nicht umfassend geprüft, wie AKW-Gegner kritisieren.

2016 wurden die neuartigen Risse im Kernmantel erst zweimal überprüft.

2016 wurden die neuartigen Risse im Kernmantel erst zweimal überprüft.

(Bild: Esther Michel)

Simon Thönen@SimonThoenen

Seit Montag produziert das AKW Mühleberg wieder Strom, wie die Betreiberin BKW mitteilte. Die Erlaubnis zum Hochfahren des Reaktors hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) Ende letzter Woche erteilt. Die Voraussetzung dafür waren diverse Nachrüstungen, so etwa die Installation eines neuen Notstandssystems zur Einspeisung von Kühlwasser. Und vor allem der Befund des Ensi, dass die Risse im Kernmantel des AKW die Grenzwerte «deutlich» einhielten: Sie seien nicht gewachsen.

Doch wie wurde dies überprüft? Auf Anfrage nennt das Ensi bloss zwei Prüfungen, die 2016 stattgefunden haben. Die neuartigen Risse, die quer zu einer Schweissnaht des Kernmantels verlaufen, wurden «visuell» überprüft – also mit Kameras. Weiter wurde die «Bodenstützkonstruktion» des Kernmantels ebenfalls visuell geprüft – «mit einem Prüfroboter, der mit speziellen Kameras und Beleuchtungstechnik ausgerüstet war».

In ausländischen AKW hatte man Risse im Bodenbereich des Kernmantels gefunden. Nicht so in Mühleberg, wo sich laut Ensi im untersuchten Bereich «keine Rissanzeigen oder andere Auffälligkeiten» zeigten. Ultraschallprüfungen, die genauere Aussagen – vor allem über die Tiefe der bereits existierenden Risse – ermöglichen, fanden 2016 nicht statt. Auch eine erneute Prüfung der umfangreichen Risse, die längs zur Naht verlaufen, wurde offensichtlich als nicht nötig erachtet – auch nicht visuell.

Letzte umfassende Prüfung 2017

Reicht das? Die Frage stellt sich, weil das Ensi 2015 gefordert hatte, dass die BKW das Prüfprogramm für die Risse «ausdehnt» und jedes Jahr qualifizierte Prüfungen durchführt. Dies, um zu kompensieren, dass die BKW für den Betrieb bis zur Abschaltung 2019 keine neuen Zuganker mehr installiert, um den rissbefallenen Kernmantel zu stabilisieren. «Ich sehe grundsätzlich keine Ausweitung des Prüfprogramms», sagt Kritiker Jürg Joss von der Organisation Fokus Anti-Atom.

Schon früher habe die BKW die Ultraschallprüfungen alle zwei Jahre durchgeführt – und im Jahr dazwischen bloss visuell geprüft. Als neues Element nennt das Ensi, dass nun «nahezu alle Bereiche der Schweissnähte geprüft werden können» – was man aber offensichtlich in diesem Jahr nicht getan hat. Für Joss ist dies zu wenig.

«Alterungsschäden wie die Risse im Kernmantel müsste man bei einer so alten Anlage intensiv überwachen.» Dies auch, «weil plötzliche Veränderungen möglich sind». Doch für die letzten gut drei Jahre AKW-Betrieb ist nur noch eine einzige Ultraschallprüfung der Risse vorgesehen, wie das Ensi bestätigt: «Die nächste und letzte Ultraschallprüfung ist im Jahr 2017 terminiert, sofern sich keine neuen Erkenntnisse ergeben.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt