Kräuter und Beeren gegen Intoleranz

Auf einem Biobauernhof in Lanzenhäusern wünscht man sich, dass alle merken, «wie gut es uns eigentlich geht».

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Basil Weingartner@bwg_bern

Eigentlich haben Chrige Stämpfli und Rüedu Schüpbach auf ihrem kleinen Biobauernhof bei Lanzenhäusern alles, was sie sich wünschen, sagen die beiden. «Ich wünschte mir aber, dass wir in der Schweiz merken, wie gut es uns eigentlich geht», sagt Schüpbach. Nur so könne mehr Toleranz für andere Kulturen und Lebensweisen entstehen.

Seit rund zwei Jahrzehnten bietet das Bauernehepaar – ihre beiden Kinder sind erwachsen – Menschen die Möglichkeit, bei ihnen auf der Obereichi ein Time-out zu nehmen. «Beim Kräuterpflücken kann über Dinge geredet werden, welche am Esstisch meist nicht angesprochen werden.» Auf die Obereichi kommen Menschen im Drogenentzug, mit psychischen Krankheiten oder schlicht auf der Suche nach Ruhe. Die Familie nimmt auch immer wieder Asylbewerber auf.

Im Sommer spriessen um den Hof jeweils die Erdbeeren und die Kräuter. Doch wenn wie zuletzt in Paris Attentäter wüten, macht dies auch in dieser Idylle Angst. «Das beschäftigt mich sehr», sagt Bäuerin Stämpfli. In solchen Momenten probiere sie, «bei sich zu sein» und sich auf die Arbeit mit anderen Menschen zu konzentrieren.

«Eine Beruhigung der politischen Weltlage würde ich mir wünschen.» Wünschen würden sich die beiden auch, dass auch andere Menschen die Möglichkeit erhalten, kleine Bauernbetriebe wie den ihren zu führen. Der Trend gehe zu immer weniger und grösseren Betrieben. «Hier muss in der Bauernschaft und der Politik ein Umdenken stattfinden.»

Materiell beschenken sich die Obereichi-Bauern nicht. Ihre Produkte wie etwa Trockenfrüchte oder Teemischungen sind aber beliebte Geschenke. Auf dem Hof herrscht deshalb zurzeit Hochbetrieb. Die Bestellungen müssen abgepackt und verschickt werden. Schüpbachs einziger persönlicher Wunsch: anschliessend einige Tage Zeit zu haben, um ein Buch zu lesen.

Der Bund

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