«Kommen die Frauen zu uns, haben wir fast gewonnen»

Der Oberländer René Hählen ist vom Feuer fasziniert. Er verschafft auch jenen ein Cheminée, die gar keins haben können – oder dürfen.

Vorne kalt, hinten heiss: René Hählen, von Feuer umringt.

Vorne kalt, hinten heiss: René Hählen, von Feuer umringt. Bild: Franziska Scheidegger

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Überall im Showroom züngelt es. Aus einem Tisch schlägt Feuer, es brennt im Möbel an der Wand, und im Cheminée verzehren Flammen Holzscheite: Es knackt und zischt. Welches Feuer ist echt? Das ist nicht so leicht zu beantworten. Der 44-jährige Simmentaler René Hählen fährt mit der Hand durch die «Flammen» über dem Tisch: kein Feuer, sondern verdampfendes Wasser, von Halogenlämpchen beleuchtet, was erstaunlich echt aussieht. «Ventilatörleni» blasen den Dampf nach oben.

Ist das «richtige» Feuer im Cheminée nicht doch das schönste? Doch, sagt Hählen. Aber nicht überall sei es möglich, eine Feuerstelle zu installieren, denn in vielen Häusern werde gar kein Kamin mehr eingebaut. So wie im Fall der Kundin, die soeben den Showroom in Uetendorf betritt: Ihr Mann habe auf einem echten Feuer bestanden. Doch nun sei er bereit, ein Fake-Feuer zu akzeptieren, denn die Hausverwaltung erachte es als viel zu teuer, nachträglich einen Kamin einzubauen. «Wenn die Frauen bei uns vorbeikommen, haben wir schon fast gewonnen», sagt Hählen lächelnd.

Einmal kam eine ganz besondere Frau vorbei. Vor ihrer Ankunft durchkämmten dunkel gewandete Männer mit Spiralkabeln hinter dem Ohr das Geschäft: Die Dame gehörte zum thailändischen Königshaus. Sie hatte ein Fake-Feuer in einem Nobelhotel gesehen und wollte auch eins haben – und gleich nach Hause mitnehmen.

Asien entfachte Feuer

Hählen sagt, er habe Feuer noch nie als zerstörende Kraft erlebt. Vielmehr empfinde er eine grosse Leidenschaft für dieses Element. «Die Faszination für Feuer steckt in unseren Genen.» Mit den Elementen Feuer und Wasser gestalte der Mensch seine Umgebung, mit kleinen Wasserspielen oder mit einer Feuerstelle – egal, ob sie echt brenne oder als Fake. Hählen stammt aus einer grossen Simmentaler Familie. Die Werkstatt des Vaters mit Drehbank, Schweissgerät und dergleichen hat es ihm angetan. «Ich konnte Dinge ausprobieren und Dinge selber machen.» Dann wurde er Maurer, bildete sich weiter und sammelte auf Baustellen im Ausland Erfahrungen im Innenausbau.

Ein Aufenthalt in Asien brachte ihn auf das Thema Feuer. «Die Leute wollen eins im Haus haben, aber sie brauchen die Hitze nicht, denn es ist auch so heiss genug.» Da habe er angefangen, sich umzusehen, was es so gebe.

Ständige Entwicklung

Es gab etwas – kaum überraschend – aus Amerika. Hählen schaute sich ein Produkt an. Vieles daran war patentgeschützt, weshalb er andere Konstruktionsweisen entwickelte. Diese liessen er und sein Geschäftspartner patentieren. Gerade rechtzeitig. «Vor fünf Jahren kannte das hier kein Mensch», sagt Hählen über das kalte Feuer aus Wasserdampf, doch nun überfluteten Nachahmerprodukte aus China den Markt. Als Schweizer Produzent müsse man mit Design und Verarbeitung punkten. Viele Teile würden bei Hafnern und Schlossern in der Region Thun gefertigt. Auch technisch müsse man immer einen Schritt voraus sein. So könne man das Fake-Feuer via App auf dem Handy steuern. Die Geschmäcker seien verschieden, weiss Hählen. Manche Leute lehnten Fake-Feuer als «Kitsch» ab und bevorzugten rustikale Cheminées mit Holz und gemauerten Natursteinen, die Lodge-Ambiente verströmten. Oder sie wollten klare Linien und ein nüchternes Design.

Die Branche hat sich entwickelt. Da gab es künstliche Cheminées, bei denen unter Holzstücken ein rotes Elektrolämpchen flackerte. Oder Halogen-Ständerlampen mit Ventilatoren, auf denen ein Tuch wie eine Flamme loderte. Hählen verzieht das Gesicht: «Das waren die ganz frühen Produkte.» Etwas in der Richtung gibt es immer noch: Auf die kalten Fake-Feuer legt man bemalte Kunststoffscheite. Hählen findet das selbst etwas kitschig, in der Schweiz wolle das kaum jemand, doch in Europas Norden laufe es gut. Besser gefallen ihm nachgebildete Scheite aus Keramik, die der Hitze in einer Gasflamme trotzen. Und doch: Ein echtes Cheminée bleibt unerreicht. Hählen legt im Showroom ein Scheit nach und tippt auf einen Regler. Die Steuerung regelt die Luftzufuhr, senkt die Trennscheibe und schliesst – wenn alles verbrannt ist – die Klappe zum Kamin, «damit nicht die ganze Nacht kalte Luft herunterfliesst». Eine echte Feuerstelle biete Sicherheit. Moderne Wärmepumpen seien «zwar tipptopp, aber womit heizen die Leute, wenn der Strom über längere Zeit ausfällt?» (Der Bund)

Erstellt: 06.02.2017, 06:59 Uhr

Faszination Feuer

Eine App lässt die Flammen züngeln

Feuer ist im Trend. In gestylten Restaurants und Hotels sieht man lodernde Flammen, auch Privatleute mögen Feuer im Wohnraum. Galten Cheminées lange als Relikt aus den 1970er-Jahren, sind sie wieder in, sei es als echte Feuerstelle, als Deko-Feuer mit Gasbetrieb oder als Fake-Feuer aus beleuchtetem Wasserdampf. Die Firma Krea-Feuer in Uetendorf bietet sämtliche dieser Feuertypen an. Neben dem 44-jährigen Inhaber Hählen René, wie es auf der Visitenkarte heisst, arbeitet die Ehefrau mit, ebenso der ältere Sohn, ein gelernter Schlosser. Der jüngere ist Hafner. «Er sammelt Erfahrungen», sagt der Vater, danach werde auch er sein Wissen ins Geschäft einbringen. «Wir können gut miteinander.» Es sei schön zu wissen, dass man nicht in Tausenden Stunden etwas aufgebaut habe «für nichts». In der Firma sind weitere vier Angestellte tätig. Im Frühling wird Krea-Feuer einen grösseren Showrooom an der Bernstrasse 261 in Heimberg in Betrieb nehmen.

Die Firma entwickelt immer neue Produkte. Wie wärs mit einem Christbaum mit ungefährlichen Fake-Kerzchen? «So chlyni Flämmleni?» fragt Hählen zurück. Wer weiss. (mdü)

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