Köniz baut den Stadtrand von Bern

Ein privater Investor soll für die Gemeinde Köniz ein Feld der Überbauung Papillon bebauen.

So soll die Überbauung Papillon in Köniz aussehen, wenn sie zu Ende gebaut ist.

So soll die Überbauung Papillon in Köniz aussehen, wenn sie zu Ende gebaut ist. Bild: zvg

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Als Bern 1191 gegründet wurde, da gab es Köniz schon seit 180 Jahren. Angesichts des dort ansässigen Augustiner-Chorherrenstifts muss Köniz in den Anfängen auch grösser und bedeutender als Bern gewesen sein. Vermutlich darum sind die Könizer noch heute stolz, schneller als die Berner zu sein. Und auch in Sachen Grösse halten sie zumindest bei der Überbauung Papillon im Ried in Niederwangen nicht zurück.

Hier entstehen 1000 Wohnungen für rund 2500 Menschen. Die Überbauung ist ähnlich gross wie die geplante Viererfeldüberbauung in Bern. Dort sollen 1200 Wohnungen für 3000 Menschen gebaut werden. Die Stadt Bern hat erst kürzlich das Siegerprojekt des städtebaulichen Wettbewerbs präsentiert. Köniz hat den städtebaulichen Wettbewerb im Ried schon 2008 durchgeführt. «Das ist der Vorsprung, den wir auf die Stadt Bern haben», sagte der zuständige Gemeinderat Thomas Brönnimann (GLP) am Dienstag vor den Medien. Im Ried ist das erste der acht Baufelder bebaut, und die Bewohner sind in die neuen Häuser eingezogen. Auf dem zweiten wird gebaut, und zwei weitere Baufelder sind in Planung. Köniz plant auf dem Gebiet seit 1972. Bern stimmte 2004 zum ersten Mal ab.

Wohnungen für Familien

Auf dem Baufeld F plant die Gemeinde Köniz selbst. Sie kann auf 25400 Quadratmetern Bruttogeschossfläche bauen. Das entspricht ungefähr 250 Wohnungen. «Und das ist so gross wie die von der Stadt Bern geplante Warmbächliüberbauung», sagte Brönnimann. Die Gemeinde will auf dem Baufeld F vor allem 3,5-Zimmer- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen für Familien sehen.

Köniz plant nicht selbst, sondern will einen privaten Investor bauen lassen. Die börsenkotierte Luzerner Immobilienfirma Mobimo soll das Land im Baurecht erhalten. Die Gemeinde will aber strenge Auflagen machen, wie die Parzelle überbaut werden soll. Am 19. Mai wird die Bevölkerung über die Abgabe des Landes im Baurecht abstimmen.

Zum Beispiel soll das Baufeld F ein 2000-Watt-Areal-Zertifikat erreichen und dem Plus-Energie-Standard entsprechen. Ein Drittel der Wohnungen soll im Baurecht verkauft und ein Drittel marktüblich vermietet werden. Für die restlichen Wohnungen soll Kostenmiete gelten. Der Vermieter darf damit keinen Gewinn erzielen.

So will die Gemeinde die soziale Durchmischung fördern. «Wir wollen ein lebendiges Quartier», sagte Gemeindepräsidentin Annemarie Berlinger (SP). Auch ein Projektwettbewerb hat bereits stattgefunden. Das Zürcher Siegerprojekt Pfyfauter hat die zwei Häuserreihen so gestaltet, dass das Gefühl von Innenhöfen entsteht. «Die Kinder können sich hier schon bald gefahrlos bewegen», erklärte Brönnimann.

Stadt und Land

Die von der Zufahrtsstrasse abgehenden Häuserzeilen, die sich wie Insektenbeine in die Landschaft strecken, sind absichtlich nicht im Stil der Blockrandbebauung angelegt. «Wir sind nicht in der Innenstadt», sagte Brönnimann und setzte eine weitere Spitze Richtung Stadt. Auf dem Viererfeld ist eine Blockrandbebauung geplant. Das Quartier, das nun im Ried entstehe, sei eine Kombination von Stadt und Land, erklärte Berlinger. «Man ist sofort auf dem Land und sofort in der Stadt.» Auf der einen Seite grenzt die Siedlung an Wald und Felder. Auf der anderen Seite liegt das Entwicklungsgebiet rund um den Bahnhof Niederwangen. Dort wird in absehbarer Zukunft das kantonale Polizeizentrum mit rund 1300 Arbeitsplätzen entstehen. Vielleicht baut der Kanton dort gar ein Gefängnis. Zumindest prüft er den Standort.

Gemeinderat Brönnimann warf als weiteres Verkaufsargument die Aussicht ins Grüne in die Waagschale. Die Häuser grenzen an die Landwirtschaftszone, und die Bewohner müssen nicht mit weiteren Überbauungen rechnen. Die Landwirtschaftszone liegt zwischen dem Ried und Köniz Dorf. Und da Niederwangen städtebaulich bereits mit Bümpliz verbunden ist, baut Köniz im Ried gewissermassen den Stadtrand von Bern. (Der Bund)

Erstellt: 22.01.2019, 20:34 Uhr

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