Kirchgemeinde Johannes erhält Sonderverwalter

Offenbar war der Kirchgemeinderat der Berner Johannesgemeinde so zerrüttet, dass es einfach nicht mehr ging. Jetzt muss ein Ex-Statthalter die Sache retten.

Die Kirchgemeinde Johannes hat mit Anton Genna einen neuen Verwalter. Hier sind die Kirche Johannes an der Breitenrainstrasse und das Kirchgemeindehaus zu sehen.

Die Kirchgemeinde Johannes hat mit Anton Genna einen neuen Verwalter. Hier sind die Kirche Johannes an der Breitenrainstrasse und das Kirchgemeindehaus zu sehen.

(Bild: Manu Friederich)

Dölf Barben@DoelfBarben

Die reformierte Kirchgemeinde Johannes im Berner Nordquartier ist seit Mitte Mai führungslos. Nun hat der Kanton auf Antrag des Regierungsstatthalters von Bern eine sogenannte besondere Verwaltung eingesetzt, wie die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) mitteilte. Als Sonderverwalter wurde Anton Genna eingesetzt. Genna ist 67-jährig, er war bis 2003 Regierungsstatthalter von Thun und anschliessend Kirchenschreiber der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.

Genna ist mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet worden, damit er die Aufgaben des Kirchgemeinderats «umfassend wahrnehmen kann», wie es in der Mitteilung heisst. Seine Aufgabe ist es zudem, die Wiederbesetzung des Kirchgemeinderats in die Wege zu leiten. Sonderverwalter Genna wird vorerst bis Ende Jahr eingesetzt. Die Kosten hat die Kirchgemeinde zu tragen. Wie Christoph Lerch, Regierungsstatthalter Bern-Mittelland, auf Anfrage sagte, beträgt Gennas Pensum rund 40 Prozent.

Zeitweise beschlussunfähig

Auf die Hintergründe des Zerwürfnisses im Kirchgemeinderat wollte Lerch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht näher eingehen. Von den Problemen habe er erstmals im Herbst 2015 erfahren. Seither seien vier runde Tische durchgeführt worden. Schon Ende 2015 sei es zu Rücktritten gekommen, sodass der Rat zeitweise beschlussunfähig war, sagte Lerch. Beschlussunfähig ist der Rat, wenn im eigentlich siebenköpfigen Gremium weniger als vier Sitze besetzt sind. Zunächst haben die Rücktritte immer wieder mit Neuwahlen ersetzt werden können.

Seit einiger Zeit war der Kirchgemeinderat Johannes nur noch mit vier Personen besetzt und damit noch knapp beschlussfähig. Mitte Mai traten schliesslich zwei Personen zurück – übrig blieben die Präsidentin und die Vizepräsidentin. Laut Lerch boten wenige Tage später auch sie ihren Rücktritt an, um einen Neustart zu ermöglichen.

Anders gelagert als der Fall Köniz

Dass Gemeinden eine Sonderverwaltung erhalten, ist keine Seltenheit. Die jüngsten Beispiele sind die Einwohnergemeinde Monible im Berner Jura oder die Kirchgemeinde Köniz. Offenbar aber ist der Fall der Johannesgemeinde nicht mit dem Fall Köniz vergleichbar. Dort spielte ein charismatischer Pfarrer eine wichtige Rolle.

Christoph Lerch wollte den Vergleich mit der Kirchgemeinde Köniz nicht kommentieren. Er sprach lediglich von grundlegenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kirchgemeinderats Johannes, die schliesslich so gross wurden, dass Rücktritte erfolgten. Letztes Jahr sei es mithilfe eines neu eingeführten Ratssekretariats gelungen, in sachlicher und struktureller Hinsicht – zum Beispiel in Bezug auf die Kommunikationsabläufe oder die Sitzungsvorbereitung – Verbesserungen zu erreichen. Die Meinungsverschiedenheiten seien aber geblieben. Lerch sagte, Anton Genna sei ein ausgewiesener, sehr erfahrener Fachmann. Er sei zuversichtlich, dass der Neustart mit ihm gelingen werde.

Gemeinde kaum beeinträchtigt

Die Johannesgemeinde, deren markante, 1897 eingeweihte Kirche an der Ecke Breitenrain-/Wylerstrasse steht, gilt als sehr aktive Gemeinde. Regelmässig macht sie mit Projekten auf sich aufmerksam, die über die Kirchgemeindegrenze hinausstrahlen. Bekannt ist die Johannesgemeinde zum Beispiel für ihr Theaterensemble. Dieses bringt im Oktober ein Stück zum Reformationsjubiläum auf die Bühne. Das kirchliche Leben ist, so sieht es zumindest von aussen aus, durch den Konflikt im Kirchgemeinderat kaum beeinträchtigt worden.

Der Bund

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