Kein Murks mehr mit dem Secondhand-Bändel

Am Gurtenfestival dürfen dieses Jahr ganz legal Festivalbändel weiterverkauft werden. Zwei Studentinnen haben es möglich gemacht.

Camila Pereira organisiert am Gurtenfestival den Stand für Secondhand-Tickets.

Camila Pereira organisiert am Gurtenfestival den Stand für Secondhand-Tickets. Bild: zvg

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Fleissige Festivalbesucher und -besucherinnen kennen die Situation. Gehen sie heim, bevor der Sound der letzten Band verklungen ist, möchten andere ihr Festivalbändchen erben, um so wenigstens für die letzten Stunden des Tages aufs Gelände zu gelangen. So versucht die eine Person, ihr Bändchen möglichst unbeschädigt vom Handgelenk zu streifen, und die andere versucht, es ganz ans eigene Handgelenk zu bringen. Denn Besucherinnen mit beschädigtem Bändel werden nicht hereingelassen. Der Versuch, spät abends ohne offizielles Ticket aufs Gelände zu gelangen, ist also ein Murks und befindet sich in einem rechtlichen Graubereich: nicht völlig verboten und nicht völlig erlaubt.

«Das ist lästig», sagt Camila Pereira. Darum schafft Pereira zusammen mit ihrer Mitstudentin Nadine Cristovao und mit zwei Freunden Abhilfe. Am Gurtenfestival betreiben die vier einen Stand, wo Festivalbändel secondhand verkauft und gekauft werden können. Ganz legal und mit dem Segen der Festivalorganisatoren.

Stand für Secondhand-Tickets

Wer das Festivalgelände verlassen will, obwohl sein Bändel noch gültig ist, kann beim Secondhand-Ticket-Corner bzw. beim Stand Nummer 3 bei der Bergstation vorbeigehen. Findet er dort eine interessierte Käuferin, vereinbaren die beiden einen Preis und schliessen den Handel ab. Das Team von Camila Pereira entfernt nun den Bändel des Verkäufers und gibt der Käuferin einen neuen. Für den neuen Bändel verlangt Pereira fünf Franken. «Damit machen wir aber keinen Gewinn, sondern decken nur gerade die Kosten.»

Aber warum gibt es das nicht schon lange? Die Idee sei im Rahmen einer Seminararbeit an der Fachhochschule Freiburg entstanden, sagt Pereira. Sie und Cristovao studieren dort Betriebswirtschaft im vierten Semester. In der Arbeit sollten sie einen wirtschaftlichen Prozess beschreiben und verbessern. «Da wir beide gerne Festivals besuchen, kannten wir den Graumarkt mit gebrauchten Festivalbändeln», sagt Pereira.

Keine rechtlichen Barrieren

In ihrer Arbeit klärten die beiden Frauen ab, ob rechtliche Barrieren für einen Handel mit Secondhand-Bändeln bestehen. Es gibt keine. Dann befragten sie Festivalorganisatoren, um herauszufinden, weshalb bisher noch niemand einen Secondhand-Handel mit Tickets aufgezogen hat: «Sie hatten entweder kein Bedürfnis oder keine Ressourcen.» Bei den Organisatoren des Gurtenfestivals stiess die Idee der beiden Studentinnen auf Interesse, und sie boten den jungen Frauen an, ihre Idee umzusetzen. Das tun sie nun von Mittwoch- bis Samstagnacht jeweils von 22 bis 3.30 Uhr. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.07.2018, 17:38 Uhr

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