Jurist Franz A. Zölch akzeptiert Strafmandat wegen Betrugs

Der bekannte Berner Jurist Franz A. Zölch akzeptiert den Vorwurf des Betrugs und entgeht damit einer Verhandlung vor Gericht.

Franz A. Zölch will den Prozess nun doch nicht verlängern.

Franz A. Zölch will den Prozess nun doch nicht verlängern.

(Bild: Keystone)

Der einst erfolgreiche Berner Medienjurist Franz A. Zölch hat die Einsprache gegen einen Strafbefehl zurückgezogen, in dem er des Betrugs beschuldigt wird. Der Strafbefehl wird damit rechtskräftig. Zölch wird zu einer bedingten Geldstrafe von 10'000 Franken und einer Busse von 2000 Franken verurteilt. Bezahlt Zölch die Busse nicht, soll er «ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 20 Tagen» belegt werden.

Viele Gläubiger

Seit rund zehn Jahren sorgt Zölchs Finanzgebaren in den Medien für Schlagzeilen. 2011 berichtete die Zeitschrift «Beobachter», der ehemalige Berner Medienrechtler und Dozent stecke im Schuldenschlamassel und versuche, mit dubiosen Versprechen an Geld zu kommen. An Personen, die dem gut vernetzten Zölch mit Geld aushalfen, fehlte es offenbar nicht. Schon eher haperte es dann aber an der Rückzahlung. Einige Gläubiger schlossen sich zur Interessengemeinschaft Zölch-Geschädigter zusammen. Der Interessengemeinschaft liegt ein Betreibungsregisterauszug von Anfang dieses Jahres vor. Damals waren 154 Betreibungen und 147 Verlustscheine im Gesamtumfang von über 4,3 Millionen Franken ausstehend.

Mehrere Staatsanwälte haben seither Verfahren gegen Zölch eröffnet – und wieder eingestellt. Sie berufen sich auf die hohen Anforderungen, die in der Schweiz an eine Verurteilung wegen Betrugs gebunden sind: Ein Betrug im rechtlichen Sinn liegt erst dann vor, wenn jemand sein Opfer «arglistig» getäuscht hat. Das sahen die Staatsanwälte bei Zölch nicht als gegeben an.

Gerichtsverhandlung abgesagt

Anders der Thuner Staatsanwalt Matthias Wiedmer, dessen Strafbefehl Zölch nun akzeptiert hat. Es ging um eine Hotelière aus Grindelwald, die Zölch 20'000 Franken geliehen hatte und seit fünf Jahren darauf wartet, ihr Geld zurückzubekommen. Laut Wiedmer hat Zölch ein besonderes Vertrauensverhältnis ausgenutzt und damit arglistig gehandelt. Dieses Verdikt hat Zölch nun akzeptiert, indem er die Einsprache gegen den Strafbefehl zurückgezogen hat. Die für morgen angesetzte Verhandlung vor dem Regionalgericht Oberland in Thun wird damit hinfällig.

Keine Einsicht

Zölchs Anwalt Roger Lerf hat gesagt, dass sein Klient es sich vorbehalte, die Einsprache vor dem Gerichtstermin noch zurückzuziehen («Bund» vom Samstag). Sollte er es tun, täte er es aber nicht aus Einsicht, sondern weil er das Verfahren gesundheitlich nicht durchstehe, sagte Lerf. «Ich möchte das Geld zurückzahlen und die Leute zufriedenstellen», sagte Zölch zum «Bund». «Es ging unanständig lange, aber ich habe niemanden angelogen. Und ich habe noch Anwartschaften offen.»

Zölch war im Kanton Bern und darüber hinaus bekannt. Der Jurist machte sich als Medienrechtler einen Namen, war Dozent, Brigadier und eine Zeit lang auch Präsident der Eishockey-Nationalliga. Er war mit der ehemaligen SVP-Regierungsrätin Elisabeth Zölch verheiratet.

amo/sda

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