Jetzt kommt das «Velofestival»

Am kommenden Sonntag findet in Bern erstmals der Anlass «Hallo Velo!» statt. Die Organisatoren erhoffen sich 20'000 Teilnehmende und möchten einen «Kultanlass» etablieren.

Die «Tour de Berne» im letzten Jahr zog noch keine Massen an.

Die «Tour de Berne» im letzten Jahr zog noch keine Massen an. Bild: Franziska Scheidegger

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«Hallo Velo!» – unter diesem Motto wollen die Stadt Bern und andere Gemeinden aus der Region gross machen, was im vergangenen Jahr im kleinen stattgefunden hat. Am Tag vor der Ankunft der Tour de France und unter dem Namen «Tour de Berne» war an einem Sonntag Mitte Juli 2016 ein 4,2 Kilometer langer Rundkurs in der Berner Innenstadt für den Nicht-Veloverkehr gesperrt. Entlang der Strecke gab es Essens- und Sponsorenstände, Pumptrack-Anlagen und Veloputz-Stationen. Ein paar Tausend kamen, doch als Auftakt zu den Tour-de-France-Tagen war das Velofest nicht imstande, die Massen zu mobilisieren.

Quelle: hallovelo.be

Idee von Franziska Teuscher

Das soll am kommenden Sonntag bei «Hallo Velo!» anders sein. «20'000 Teilnehmende wären schön», sagt Mediensprecher Simon Laager. Ob das gelingt, dürfte massgeblich vom Wetter abhängig sein – im Moment ist der Wetterbericht noch unsicher. Initiiert wurde der Anlass, der von den Veranstaltern als Velofestival beworben wird, von der Berner Gemeinderätin Franziska Teuscher und dem Münsinger Gemeindepräsidenten Beat Moser. Laut eigenen Angaben hatten die beiden, schon lange bevor die Tour de France nach Bern kam, im Sinn, «einen Velogrossanlass in der Stadt und Region Bern auf die Beine zu stellen».

In der Folge haben sie weitere Gemeinden ins Boot geholt und einen Trägerverein ins Leben gerufen, dem Veloorganisationen wie Swiss Cycling, Pro Velo Kanton Bern und Trailnet.ch angehören. Dieser wiederum hat Event- und Kommunikationsfachleute mit der Umsetzung beauftragt. Das Resultat: Ein knapp 40 Kilometer langer Rundkurs von Bern ins Aaretal und wieder zurück wird am Sonntag den Velofahrerinnen und Velofahrern vorbehalten sein. Entlang der Strecke gibt es an mehr als einem Dutzend Orten teils aufwendige Rahmenprogramme (siehe Karte und Text rechts).

Gurten als «Sportberg»

Zwar dürften Familien einen Grossteil des «Hallo Velo!»-Publikums ausmachen, doch bemühen sich die Veranstalter, auch jene anzusprechen, die am sportlichen Velofahren interessiert sind. So wird der Gurten als «Sport- und Lernberg» mit verschiedenen Angeboten für Mountainbiker inszeniert. Ausserdem soll der Anlass Gelegenheit bieten, um Nischendisziplinen wie Radball oder Velo-Orientierungslauf kennen zu lernen.

«Uns war wichtig, dass der Anlass 2017 stattfinden kann»Christian Bigler

Keine Einigung mit Slow-up

Ursprünglich war die Idee, den Anlass als Slow-up durchzuführen. Dieser Begriff ist aber geschützt und darf nur verwendet werden, wenn die Bedingungen der nationalen Slow-up-Trägerschaft erfüllt sind. So muss die Strecke hauptsächlich auf Hauptstrassen verlaufen und auch für Fussgänger und Inlineskater offen sein. Die Slow-up-Verantwortlichen waren nicht bereit, für Bern eine Ausnahme zu machen, weshalb die Berner Organisatoren entschieden, den Anlass unter einem eigenen Namen durchzuführen. «Uns war wichtig, dass der Anlass 2017 stattfinden kann», sagt Christian Bigler, der Leiter des Sportamts der Stadt Bern. Es sei aber möglich, dass man fürs kommende Jahr das Gespräch mit der Slow-up-Trägerschaft wieder suchen werde.

50'000 Teilnehmer im Jahr 2020?

Die Kosten für den Anlass werden rund 400'000 Franken betragen, wovon die Gemeinden etwa die Hälfte übernehmen. Der Rest wird von Sponsoren gedeckt. Geht es nach den Organisatoren, soll die «Hallo Velo!»-Ausgabe 2017 nur der Anfang sein. Die «Vision» sei, heisst es im Konzept, die Zahl der Teilnehmenden bis 2020 auf 50'000 zu steigern – das wären etwa gleich viele, wie dieses Jahr am Slow-up um den Murtensee dabei waren. «Hallo Velo!» solle ein «Kultanlass» werden, heisst es. (Der Bund)

Erstellt: 03.08.2017, 07:58 Uhr

Wo die Route entlangführt und wo was läuft

Ein knapp 40 Kilometer langer Rundkurs von Bern via Muri nach Münsingen und via Kehrsatz und Belp zurück ist am kommenden Sonntag von 9 bis 17 Uhr ausschliesslich für den Veloverkehr geöffnet. Die Strecke beinhaltet je 260 Höhenmeter auf- und abwärts. Sie darf ausschliesslich im Uhrzeigersinn befahren werden. In der Stadt führt die Route über Hauptstrassen, ausserhalb vor allem über Nebenstrassen und teils auch Naturwege. Es gibt keinen definierten Start- und Zielpunkt.

Beginnen kann man die Fahrt zum Beispiel am Bundesplatz (1) in Bern, wo es unter anderem eine Velo-Ausstellung gibt, Stadtführungen auf Mini-E-Bikes und einen kleinen, vier Kilometer langen «City Loop» für jene, die nur kurz fahren wollen. Beim Zentrum Paul Klee (2) kann man sein Velo flicken und seine Kette ölen lassen. Im Hüenliwald in Gümligen (3) gibt es im Café Cycliste mit Pedalkraft gemahlenen Espresso zu trinken.

Beim Schulhaus Allmendingen (4) ist eine Festivalzone eingerichtet: ein Springschloss für die Kinder, Bratwürste aus dem Dorfladen, eine von Schülern betriebene Eisdiele. Auf dem Schulhausplatz geben Mitglieder des Radsportclubs Gümligen Einführungen in die eher weniger bekannte Sportart Radball. In Vielbringen (5) gibt es ein Beizli des Dorfvereins, ein Wett-Melken und einen weiteren Service-Point, wo Pannengeplagte ihr Velo flicken können.

Beim Humanus-Haus in Beitenwil (6) gibt es vieles zum Essen und Trinken. Im Schwandwald (7) veranstaltet Swiss Orienteering einen Bike-OL, bei dem man sich mit Simone Niggli Luder vergleichen kann.

In Münsingen gibt es gleich zwei grosse «Event Villages». Das erste befindet sich beim Psychiatriezentrum (8). Dort befindet sich ein Kinderland und eine Dampfbahn sowie ein kurzer Rundkurs extra für Kinder. Weiter richtet Swiss Cycling einen Fahrtechnikparcours ein. Das zweite befindet sich beim Parkbad (9) und hat das E-Bike im Fokus: Bikeausstellung, E-Bike-Teststrecke, Sicherheitstraining und so fort.

In Belp (10) gibt es an zwei Standorten Spiele, einen grossen Grill, Infos zu Ergonometrie und Tuning sowie einen weiteren Service-Point. Wer Lust hat auf einen Velo-Gottesdienst, kommt zwischen 10 und 11 Uhr in Kehrsatz beim Bauernhof im Selhofen (11) auf seine Kosten. Ausserdem: Velofahren mit Kehrsatzer VIPs. In Wabern (12) gibt es am Aarehang Verpflegung, Einführung ins Wasserfahren und einen weiteren Service-Point.

Das einzige «Event Village», das nicht an der Strecke liegt, befindet sich auf dem Gurten (13). Dort sollen die Sportlerinnen und Sportler zum Zug kommen: etwa bei geführten Mountainbike-Touren, Technikposten und geführten Fahrten auf der Downhill-Strecke.

Zugelassen auf der «Hallo Velo!»-Strecke sind laut Veranstalter alle Arten von Fahrrädern inklusive E-Bikes. Nicht zugelassen sind andere Gefährte wie Inlineskates oder Skateboards.

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