«Jetzt braucht es Zeit und Koordination»

Trotz klarem Ja: Das Ostermundiger Tram kommt wohl nicht vor 2022. Gemeindepräsident Thomas Iten mahnt zur Geduld.

Die Ostermundiger Stimmberechtigten stimmten der Traminitiative zu. Ein erfreuter Gemeindepräsident <nobr>(2. v. l.)</nobr> Thomas Iten bei der Resultateverkündung.

Die Ostermundiger Stimmberechtigten stimmten der Traminitiative zu. Ein erfreuter Gemeindepräsident (2. v. l.) Thomas Iten bei der Resultateverkündung. Bild: Franziska Scheidegger

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Herr Iten, vor nur 19 Monaten haben die Ostermundiger die Tramvorlage bachab geschickt. Nun hat es funktioniert. Was lief diesmal anders?
Da möchte ich betonen: Es ging nie nur um das Tram, sondern um wesentlich mehr, heute wie damals standen im Fokus der Abstimmung ebenso die dringend benötigte Sanierung der Bernstrasse mit den Werkleitungen und die Erneuerung des Bahnhofs. Diesmal haben der Gemeinderat, aber auch die verschiedenen Komitees versucht, mit offenen Karten zu spielen. Wir haben die Fakten auf den Tisch gelegt, was die Finanzierung angeht, und herausgestrichen, was auf dem Spiel steht. Wir haben die zentralen Punkte hervorgehoben und einen weniger emotionalen Abstimmungskampf geführt. Das ist uns nicht schlecht gelungen.

Der Jubel kommt aber etwas früh: Ohne Zustimmung der Stadt Bern läuft in Sachen Tram zunächst gar nichts.
Das ist so. Allerdings sitzt Bern bereits im selben Boot wie wir: Dort haben bei der ersten Abstimmung zum Tram Region Bern 61,28 Prozent der Stimmberechtigten Ja gesagt. Uns ist ausserdem klar: Der heutige Entscheid bedeutet nicht, dass in zwei Monaten die Bagger auffahren. Jetzt braucht es viel Zeit und ein koordiniertes Vorgehen.

Etwa in Bezug auf die finanzielle Unterstützung durch den Kanton. Geht es nach Verkehrsdirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP), fliesst das Geld aber eher in Richtung Burgdorf, nicht nach Ostermundigen.
Diesen Punkt haben wir nun oft genug betont, wir haben darüber auch transparent in der Abstimmungsbotschaft kommuniziert: Der Kanton wird sich auch noch einmal zum Tram bekennen müssen. Ostermundigen hat seinen Pflock eingeschlagen, nun sind die anderen gefragt – sowohl die Stadt Bern wie auch der Kanton.

Wie viel Zeit wird vergehen, bis das erste Tram nach Ostermundigen rollt?
Diese Frage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau beantworten. Die Übergangslösung läuft vorerst bis 2022, bis dann sollten wir parat sein. Aber ich will mich auf diese Zahl nicht festnageln lassen.

Wie sieht die Übergangslösung aus?
Geplant ist eine Taktverdichtung während der Hauptverkehrszeit. Zusatzbusse sollen zu hochfrequentierten Zeiten regelmässig verkehren, allerdings nur bis zur Station Wegmühlegässli. So sollten wir dem hohen Passagieraufkommen vorübergehend Herr werden.

Es galt in der ersten Tram-Abstimmung als No-go, das Rütiquartier abzuhängen. Mit dem Entscheid für den Gegenvorschlag ist nun genau das passiert. Wie gedenken Sie, dieses Problem zu lösen?
Wir fahren zweispurig. Da ist zunächst die Busverbindung vom Oberfeld in die obere Rüti. Dazu müssten die Rüti-Bewohner aber einmal umsteigen. Und dann machen wir uns stark für die neue Buslinie, die dereinst vom Breitenrain über das Oberfeld nach Ostermundigen kommt. Sie soll direkt ins Rütiquartier weitergeführt werden. Dies hätte den Vorteil für die Rüti-Bewohner, dass sie direkt an den Ostermundiger Bahnhof gelangten, ohne umsteigen zu müssen. Das liegt aber letztlich nicht in unserem Entscheidungsbereich.

Erst im November haben die Mundiger Ja gesagt zum Hochhaus, nun zum Tram. Was ist wichtiger?
Mit dem Ja zum Hochhaus haben die Ostermundigen auch Ja gesagt zur Veränderung. Mit dem heutigen Ergebnis haben sie diesen Willen untermauert. Es ist ein ganz, ganz wichtiges Signal, denn wir haben grossen Nachholbedarf.

Was meinen Sie konkret?
Schauen Sie sich schon nur die Bernstrasse an – hier gibt es zig Liegenschaften, die verlottern oder besetzt sind. Wir haben ganz klar die Erwartung, dass das Tram hier Veränderungen bringen wird. Nehmen wir das Beispiel Bümpliz – da läuft dieser Prozess bereits erfolgreich. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.04.2016, 19:10 Uhr

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