«In einer kleinen Partei stehen die Leute nicht Schlange»

In Münchenbuchsee führt in diesem Jahr die EVP-Politikerin Renate Löffel das Gemeindeparlament.

An der Spitze der lokalen EVP: Renate Löffel.

An der Spitze der lokalen EVP: Renate Löffel.

(Bild: zvg)

Simon Wälti

«Ich habe das nicht wirklich gesucht», sagt Renate Löffel. Mit «das» meint sie ihre politischen Aktivitäten. «Ich bin hineingewachsen.» Seit 2007 ist sie Mitglied im Grossen Gemeinderat von Münchenbuchsee, dem Gemeindeparlament. In diesem Jahr präsidiert die EVP-Frau den vierzigköpfigen Grossen Gemeinderat, am Donnerstag leitet sie ihre erste Sitzung. Schon vor ihrer Zeit im Parlament hatte sich Renate Löffel aber in der Schulkommission engagiert. Seit 2010 ist sie auch Präsidentin der lokalen EVP, wobei sie die Partei zuerst im Co-Präsidium führte. Nun steht sie aber alleine an der Spitze. Vor ihrer Zeit war ihr Vater, Heinrich Wenger, Präsident der EVP in Münchenbuchsee.

Der familiäre Touch spielt in der EVP weiter eine grosse Rolle, politisiert doch auch ihr Mann, Ruedi Löffel, nicht nur im Grossen Rat des Kantons Bern, sondern seit vier Jahren auch im Gemeindeparlament. Allerdings sitzen sie am Pult nicht direkt nebeneinander. «In einer kleinen Partei wie der EVP stehen die Leute nicht Schlange für die Ämter», sagt Renate Löffel. Es brauche Personen, die für Stimmen sorgten. Schon zwei der vier Töchter des Ehepaars versuchten bei kantonalen oder eidgenössischen Wahlen ihr Glück.

Ehemann hat Ambitionen

In diesem Herbst finden in Münchenbuchsee Wahlen statt. Die amtierende Gemeindepräsidentin, Elsbeth Maring-Walther von der SP, hat vor einer Woche den Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur bekannt gegeben. Voraussichtlich wird sich die EVP für das Vollamt bewerben, so wie auch schon 2007. Im Vordergrund steht eine Kandidatur von Ruedi Löffel, der in der «Berner Zeitung» sein Interesse anmeldete. «Das wird sicher ein spannendes Jahr», sagt Renate Löffel. «Ich hoffe, dass Links-Grün wieder mit der Mitte zusammenarbeitet und wir uns auf eine Kandidatur einigen können.»

Die Sitzverteilung im siebenköpfigen Gemeinderat ist derzeit 3 SVP, 2 SP, 1 EVP und 1 GFL. Für die beiden Amtszeiten von Elsbeth Maring-Walther findet Renate Löffel positive Worte: «Sie hat es souverän gemacht.» Der Start sei nicht einfach gewesen, weil nach dem harten Wahlkampf und dem knappen Sieg über die SVP-Kandidatin Sonja Bucher doch noch einige Enttäuschungen vorhanden gewesen seien.

Parteien rauften sich zusammen

In den letzten Jahren ging man im Parlament eher harmonisch miteinander um: Die finanziellen Probleme der Gemeinde führten dazu, dass sich die Parteien zusammenrauften. «Wir haben uns grossmehrheitlich gefunden», sagt die 49-jährige Pflegefachfrau, die im Kinderspital in Bern arbeitet, dazu. Auf der linken Seite und in der Mitte nahm man schmerzhafte Sparmassnahmen in Kauf, auf der rechten Seite sagte man Ja zu Steuererhöhungen, um den Haushalt ins Lot zu bringen und den Bilanzfehlbetrag abzubauen.

Für Löffel ist es darum eher unwahrscheinlich, dass von bürgerlicher Seite in diesem Jahr eine Steuersenkung zum Wahlkampfthema gemacht wird. Trotzdem nimmt sie an, dass die Auseinandersetzungen wieder etwas härter ausfallen als in den letzten Jahren. «Wichtig ist, dass wir fair bleiben und uns auch nach den Sitzungen noch in die Augen sehen können.» Dafür will Renate Löffel in ihrem Jahr als Präsidentin des Parlaments besorgt sein.

Der Bund

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