Heute Traktoren, morgen Lastwagen

Der Kanton will bestes Ackerland für neue Strassen hergeben – obwohl das Kulturland bald besser geschützt ist.

Auf Kosten für die geplanten neuen Strassen im Emmental und Oberaargau wird womöglich Ackerland zubetoniert.

Auf Kosten für die geplanten neuen Strassen im Emmental und Oberaargau wird womöglich Ackerland zubetoniert. Bild: Manu Friederich

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Und schon muss der Kulturlandschutz hinten anstehen. Es sind gerade zwei Wochen vergangen, seit der Grosse Rat beschlossen hat, dass das Kulturland besser geschützt werden soll. Trotzdem plant der Kanton neue Strassen im Emmental und Oberaargau. Mehr noch: Dafür soll bestes Ackerland zubetoniert werden. Das Projekt liege «völlig quer in der Landschaft», sagt Christoph Waber, Geschäftsleiter der VCS-Regionalgruppe Oberaargau-Emmental. «Man kann nicht von Kulturlandschutz sprechen und gleichzeitig neue Strassen durchs Kulturland bauen.»

Bei Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauernverbands und SVP-Grossrat, tönt es ähnlich: «Grosszügige Umfahrungen verbrauchen zu viel Kulturland», sagt er. Der Bauernverband hatte 2014 zusammen mit den Grünen und der BDP eine kantonale Kulturlandinitiative eingereicht. Das Begehren wurde kürzlich zurückgezogen – zugunsten des Gegenvorschlags, der vor zwei Wochen vom Grossen Rat gutgeheissen wurde. Damit wird wohl per 1. 1. 2017 der Kulturlandschutz im Kanton Bern ausgebaut.

Gefahren für den Wohnungsbau

Die neuen Vorgaben werden aber nicht reichen, um die Strassenprojekte im Emmental und Oberaargau zu verhindern. Beide sind von kantonaler Bedeutung. In solchen Fällen kommt eine Ausnahmeregel zum Tragen – selbst wenn bestes Ackerland betroffen ist. «Das ist der Kompromiss, den wir beim Gegenvorschlag eingegangen sind, damit sich der Kanton entwickeln kann», sagt Daphné Rüfenacht, Co-Präsidentin des Komitees der Kulturlandinitiative und grüne Grossrätin.

Ein Problem könnte jedoch in einem anderen Bereich entstehen. Bei den besten Böden, den sogenannten Fruchtfolgeflächen, macht der Bund Vorgaben: Die Kantone dürfen ein Minimum nicht unterschreiten. Wenn doch, könnte der Bund bei Einzonungen Beschwerde erheben.

Der Kanton Bern hat zwar Reserven, diese reichen aber nur für ein paar Jahre. Durch den Strassenbau im Emmental und Oberaargau werden die Reserven reduziert. Es steht somit weniger Land für andere Projekte zur Verfügung – etwa für den Wohnungsbau. Gemäss Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) ist das verkraftbar, weil es nicht viele Grossprojekte gibt: «Ich sehe nicht manches Viererfeld am Horizont», sagt er. Die Viererfeld-Überbauung in der Stadt Bern ist eines der wenigen Wohnbauprojekte, das vom Kanton als wichtig eingestuft wird.

Derweil war der Kulturlandverlust in der Mitwirkung zu den Strassen im Emmental und Oberaargau ein Hauptkritikpunkt. Nicht nur viele Privatpersonen haben dies bemängelt, sondern auch ein paar Gemeinden. Als Folge davon verzichtet der Kanton bei Burgdorf vorderhand auf einen markanten Eingriff in die Landschaft. Dieser würde erst in der zweiten Etappe erfolgen. Im Oberaargau hingegen geht die geplante Strasse quer durch ein Gebiet mit Wiesen und Wäldern. Wie viel Fruchtfolgeflächen verbaut werden sollen, kann der Kanton noch nicht sagen. Dies ist erst klar, wenn das Bauprojekt ausgearbeitet ist. (Der Bund)

Erstellt: 31.03.2016, 22:30 Uhr

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