Gletscher legt Autobahn Stein in den Weg

Bei der Verlängerung der Autobahnausfahrt bei Muri-Gümligen ist ein gigantischer Findling zu Tage getreten.

Der Findling an der A6 bei Muri-Gümligen ist bis zu 400 Tonnen schwer.

Der Findling an der A6 bei Muri-Gümligen ist bis zu 400 Tonnen schwer. Bild: Daniel Anker

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die warmen und sonnigen letzten Tage lassen im Kanton Bern hoffen, dass der Frühling nun endlich ernsthaft beginnt. Vor rund 20 000 Jahren hätte man sich keine derartigen Hoffnungen machen können. Damals herrschte nämlich Eiszeit, und grosse Teile der heutigen Schweiz waren von Gletschern bedeckt. So auch das Berner Mittelland, wo sich die Aare-, Rhone- und Rheingletscher in einem kühlen Knotenpunkt vereinten.

Nun ist ein Überbleibsel aus dieser Zeit zum Vorschein gekommen. Beim Ausbau der Autobahnausfahrt bei Muri-Gümligen haben Bauarbeiter einen riesigen Findling ausgegraben. Findlinge, auch erratische Blöcke genannt, sind ortsfremde Steine, die aus den Berggebieten von Gletschern hergetragen wurden, die sich zwischenzeitlich zurückgebildet haben.

Bereits beim Bau der Autobahn in den frühen 1970er-Jahren habe man den Stein entdeckt, sagt Mark Siegenthaler, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). «Damals war er nicht im Weg. Er liegt aber dort, wo wir jetzt den neuen Pannenstreifen bauen wollen.» Nun sei das wahre Ausmass des Steins deutlich geworden. Zunächst habe man sein Gewicht auf etwa 100 Tonnen geschätzt, sagt Siegenthaler. Nach Grabungsarbeiten gehe man aber jetzt von einem Gewicht von 350 bis 400 Tonnen und einer Grösse von etwa 143 Kubikmetern aus. «Der Stein ist wie ein Eisberg», sagt Siegenthaler. «Beim Graben haben wir festgestellt, dass der grösste Teil davon unter der Oberfläche liegt.»

Des Teufels Werk

«Früher dachte man, Findlinge seien vom Teufel hingelegt oder in der Sintflut hergespült worden», sagt der Bergbuchautor Daniel Anker. Erst im 19. Jahrhundert habe man den wahren Ursprung der Steine entdeckt. «Mit dem Gletschereis als Transportmittel schaffte es Granit und anderes Material aus den Alpen in die Mittellandregionen.»

Findlinge erzählten eine Geschichte über die Landschaft der Eiszeit, sagt Anker. «Der Stein bei der Autobahn stammt wohl vom Aaregletscher, dieser floss damals dort durch.» Der neuentdeckte Muri-Megalith gehöre wohl zu den grössten der Region Bern. «Der grösste der Schweiz ist der Luegibodenblock bei Habkern in der Nähe von Interlaken», sagt Anker. Dieser sei rund 5000 Kubikmeter gross.

Derweil werde abgeklärt, wie man für den geplanten Pannenstreifen den Weg freimachen kann, sagt Astra-Sprecher Mark Siegenthaler. «Sprengen können und wollen wir den Findling nicht, er ist ja auch als Steindenkmal geschützt», sagt er. Für einen Kran sei der Stein aber zu schwer. «In Frage kommen hydraulische Geräte, die man braucht, um Bauten anzuheben oder zu verschieben.»

Siegenthaler ist zuversichtlich, dass dieses Unterfangen den Ausbau der Autobahn aber nicht verzögern werde. «Der Stein ist eine lokale Behinderung, um ihn herum kann aber noch gearbeitet werden, wir machen also weiter.» Die verlängerte Ausfahrt soll noch in diesem Sommer fertiggestellt werden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.04.2018, 16:30 Uhr

Artikel zum Thema

Schweizer Gletscher verlieren drastisch an Eis

In nur einem Jahr ist das Eisvolumen der Schweizer Gletscher um rund drei Prozent zurückgegangen. Dies hat verschiedene Ursachen. Mehr...

Gemeinschaftsgrab aus der Steinzeit

Ein steinzeitliches Gemeinschaftsgrab aus dem vierten Jahrtausend vor Christus. Darauf stiessen Berner Archäologen, als sie in einer «Hoschtet» in Oberbipp einen Findling freilegten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...