Gemeinden zum Davonlaufen

Der Anteil an GP-Teilnehmern ist in keiner bernischen Gemeinde höher als in Bäriswil. Über sieben Prozent der Bewohner starten heute in Bern. Auch Stettlen und Ersigen sind Läuferhochburgen. Warum eigentlich?

Von den rund 33 000 Personen am Grand Prix kommen zwei Drittel aus dem Kanton Bern.

Von den rund 33 000 Personen am Grand Prix kommen zwei Drittel aus dem Kanton Bern.

(Bild: Tobias Anliker)

Dölf Barben@DoelfBarben

Letztes Jahr hatte er ein Problem mit dem Fussgelenk, dieses Jahr ist er aber wieder am Start. So wie bisher immer. So lange er es schaffe, die zehn Meilen so schnell zu laufen, dass er im ersten Drittel der Rangliste lande, werde er am Grand Prix von Bern teilnehmen. Der dies sagt, ist Lorenz Hess, Gemeindepräsident von Stettlen. Der BDP-Nationalrat klingt keineswegs überrascht, als er erfährt, die Statistik weise seine Gemeinde als Läuferparadies aus.

In der Tat: 214 Stettlerinnen und Stettler begeben sich am Samstag für den Grand Prix nach Bern, um zu rennen und zu walken; bei einer Einwohnerzahl von rund 3100 entspricht dies einem Anteil von knapp sieben Prozent. Höher ist das Lauffieber nur in einer Gemeinde – in Bäriswil. 7,1 Prozent der Bewohner nehmen am GP teil. Die dritte der Top-Gemeinden liegt etwas weiter entfernt: Ersigen, mit gut 6,1 Prozent. Hinter den Top-3-Gemeinden klafft eine Lücke von knapp einem Prozentpunkt. Auf Rang vier folgt Wyssachen (5,3 Prozent); die Stadt Bern belegt ebenfalls einen der vorderen Plätze: Rang 8 mit 4,2 Prozent. Diese Werte liegen deutlich über dem Kantonsdurchschnitt: Von den insgesamt 32'872 Personen, die sich angemeldet haben, kommen 22'319 aus dem Kanton Bern. Bei einer Einwohnerzahl von einer Million entspricht dies einem Anteil von etwas über 2,2 Prozent.

Hallenbad als Motivationsoase

Bäriswil ist somit die Läuferhochburg des Kantons Bern: Für Reto Schild ist das keine Überraschung. Die Gemeinde liege inmitten eines sehr lauffreundlichen Gebiets, sagt er auf Anfrage. Nach wenigen Schritten befinde man sich bereits im Wald. Schild, der selber Mittelstreckenläufer war und 30 Jahre als Sportlehrer arbeitete, hat ein Auge für sportliche Menschen. Es falle ihm auf, sagt er, dass in Bäriswil eine beträchtliche Anzahl Leute laufe. Zwar gebe es keinen Klub dafür, aber der Lauftreff Grauholz, der sich bestens eigne für individuelle Trainings, sei rasch erreichbar. In den letzten Jahren seien viele junge, stadtorientierte Familien zugezogen. Daher nehme er an, dass auch viele Kinder und Jugendliche aus Bäriswil am Grand Prix starteten.

Von der «idealen Lage im Worblental» schwärmt auch Lorenz Hess. Wer in Stettlen die Laufschuhe anziehe, sei sehr schnell von der Strasse weg. Für ihn spielen andere Faktoren aber ebenfalls eine wichtige Rolle. So werde in Stettlen jedes Jahr ein Triathlon durchgeführt. Auch wenn das nicht im grellen Scheinwerferlicht geschehe, sei der Einfluss doch spürbar. Zentral dabei sei die Infrastruktur, sagt er. Diese dürfe durchaus «als Bekenntnis der Gemeinde zum Sport» verstanden werden. Im Hallenbad seien jeden Tag Triathleten am Trainieren. «Das sehen auch die Kinder.» Zudem ist laut Hess auch der Turnverein «extrem innovativ».

Am Rand der weiten Ebene

Ersigen, die Nachbargemeinde von Kirchberg, liegt genau dort, wo die letzten Hügel des Emmentals in die weite Ebene übergehen. Es ist der ideale Ausgangspunkt für mehr oder weniger lange Joggingrunden – auch hier ein Läuferparadies, ohne Zweifel. Selbstverständlich gibt es viele Gemeinden im Kanton, die ähnlich gute Voraussetzungen haben. Die Statistik ist denn auch nicht allzu ernst zu nehmen – zumal die Ergebnisse von Jahr zu Jahr und gerade bei kleineren Gemeinden stark schwanken dürften. Da macht eine einzige Schulklasse, die an den GP geht oder nicht geht, doch einiges aus. Und manches erklärt sich auch von selber. Dass die GP-Quote in weit entfernten Gemeinden – zum Beispiel im Berner Jura – kleiner ist als in der Agglomeration Bern, liegt irgendwie auf der Hand.

Berner Gemeinden, Anzahl und Prozent:

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