Fussgänger, ÖV-Passagiere und Umweltverbände für 10er-Tram

Umweltverbände und 
Gewerkschaften werben geeint für ein Ja zum Tram Region Bern. Die zum Fällen freigegebenen Alleebäume nehmen sie in Kauf.

Geht es nach einer breiten Allianz von Befürwortern, soll dieses Modelltram bald durch ein echtes ersetzt werden.

Geht es nach einer breiten Allianz von Befürwortern, soll dieses Modelltram bald durch ein echtes ersetzt werden.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Thönen@SimonThoenen

Für Kurt Lüthi ist das Projekt Tram Region Bern überfällig. «Im Grunde genommen kommt es um Jahre zu spät», sagte der Vertreter der regionalen Sektion von Pro Bahn Schweiz, welche die Bahnkunden vertritt. Schon heute führten die «übervollen Busse» auf der Linie 10 zu «kaum zumutbaren Zuständen» für die Fahrgäste. Und es werde entlang der 10er-Linie fleissig weitergebaut. «Das wird endgültig ins Chaos führen, falls mit dem Projekt Tram Region Bern nicht Gegensteuer gegeben wird», warnte er.

Die Kritik der Gegner des 10er-Trams an der Linienführung wies Lüthi zurück. «Die Linie muss dort durchführen, wo die meisten Passagiere anfallen. Alles andere wäre aus der Sicht von Pro Bahn an den Kunden des öffentlichen Verkehrs vorbeigeplant und vorbeigebaut.»

Pro Bahn hat gemeinsam mit dem lokalen Sektionen von VCS, WWF, Gewerkschaften und weiteren Lobbys wie Fussverkehr Bern ein Verbandskomitee für die Tramvorlage gegründet. Die Verbände wollen vor allem unter ihren Mitgliedern für ein Ja zur Vorlage Tram Region Bern werben, die am 28. September zur Volksabstimmung kommt.

«Das Tram ist vor allem für ältere Menschen mit Gehbehinderungen eine wahnsinnige Verbesserung», sagte der Präsident von Fussverkehr Bern, SP-Nationalrat Matthias Aebischer. «Für Eltern mit Kinderwagen ist die Benützung des chronisch überfüllten 10er-Busses heute eine Tortur», sagte SP-Nationalrätin Nadine Masshardt, Präsidentin von Läbigi Stadt. «Nicht selten müssen mehrere Busse abgewartet werden, bis überhaupt ein Einstieg möglich ist.» Junge Familien gehören heute zu der Gruppe, die in Bern überdurchschnittlich häufig über ein Auto verfügt. Das Tram mache den ÖV für sie attraktiver.

Alleebäume als Wermutstropfen

Dass für das 10er-Tram Alleebäume gefällt und später durch neue Bäume ersetzt werden müssen, bezeichnete der Co-Präsident des WWF Bern, Martin Trachsel, als «schmerzhaft». Dies habe im WWF zu Diskussionen geführt. «In einer Gesamtsicht kommen wir aber zum Schluss, dass das Fällen von Bäumen in diesem speziellen Fall vertretbar ist, auch wenn es weh tut.» Denn das 10er-Tram sei «klima- und umweltpolitisch ein grosser Gewinn». Die Alternative zum Tram seien mehr Autoverkehr und Megabusse, die für die Umwelt «eine massive Verschlechterung brächten».

Der Zustand der Alleebäume sei heute «zum Teil bedenklich». Etliche Bäume seien krank oder durch eine ohnehin absehbare Strassensanierung bedroht. Für Trachsel ist wichtig, dass die Alleen nach dem Bau mit jungen Bäumen, die anfänglich sechs Meter hoch sind, wieder aufgeforstet werden.

Der Bund

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