Ostermundigen will fusionieren

Die Agglomerationsgemeinde macht einen Schritt Richtung Bern. Mit überraschend deutlicher Mehrheit überweist das Parlament entsprechende Vorstösse.

Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Ja, Ostermundigen will heiraten. Und zwar am liebsten die Stadt Bern. Sollte sich während der Verlobungszeit allerdings noch eine andere Braut, bzw. ein anderer Bräutigam, finden, will die Gemeinde auch dafür offen sein. Doch die Gemeinde dürfe mit ihrem Antrag nicht zu lange warten, sagte der Ostermundiger Parlamentarier Christian Zeyer (SP) an der gestrigen Parlamentssitzung. Denn Ostermundigen habe eine schlechte Mitgift und bald werde die Gemeinde eine alte Braut. «Wir haben keine Zeit mehr», mahnte er seine Ratskollegen, als sie sich überlegten, sie könnten zuerst noch eine Weile auf anderen Hochzeiten tanzen.

Deutliche Mehrheit dafür

Doch nach einer intensiven Diskussion überwies das Ostermundiger Parlament deutlich zwei Vorstösse von SP und FDP zum Thema Fusion. Mit 21 zu 10 Stimmen beauftragte es den Gemeinderat verbindlich, bis Ende 2020 erste Schritte in Richtung Fusionsverhandlungen mit der Stadt Bern an die Hand zu nehmen. Allerdings betonte die Motionärin Bettina Friedrich (parteilos), dass damit noch lange kein «Ehevertrag» unterzeichnet sei. Ostermundigen kann also immer noch Nein sagen.

Präsidenten unter sich: Ostermundigens Gemeindepräsident Thomas Iten und Berns Stadtpräsident Alec von Graffenried.

Gar einstimmig wurde das etwas schwächer formulierte Postulat der FDP überwiesen. Dieses verlangte, dass der Gemeinderat bis Ende 2020 die Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden bis hin zur Fusion prüfe. Die Vorstösse erhielten sogar von Teilen der fusionskritischen SVP vehemente Zustimmung. Er sehe keinen anderen Weg als den nach Bern, sagte etwa Hansruedi Hausammann (SVP). «Ich unterstütze jene, die vorwärtsmachen wollen.»

Im Interesse der Stadt

Zwei Gründe sprechen laut Cédric Luyet (GLP) für eine Fusion Ostermundigens mit Bern. Erstens habe die Gemeinde ihre Leistungsgrenze erreicht. Als Beispiel dafür rief er das Debakel mit nicht eingezogenen Gebühren in Erinnerung. Die Verwaltung hatte Abfallgebühren im Wert von einer halben Million Franken nicht einkassiert. Der zweite Grund seien die schlechten Finanzen der Gemeinde, die sie nicht mehr aus eigener Kraft zu verbessern vermöge.

Gleichzeitig führte Luyet aber auch Gründe ins Feld, warum die Stadt Bern ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Interesse daran habe, Ostermundigen zu heiraten. Denn für Bern biete die Gemeinde Entwicklungspotenzial. Gleich zwei Entwicklungsschwerpunkte hat der Kanton in Ostermundigen definiert. Wolle sich Bern also wirtschaftlich entwickeln, liege das Gelände dazu in Ostermundigen. Und auch für Wohnungen gebe es hier noch Raum, so Luyet.

Schliesslich wies er darauf hin, dass die hohe Sozialhilfequote in der Bevölkerung Ostermundigens Bern als Braut bzw. Bräutigam nicht abschrecken dürfte. Über den Lastenausgleich zahle Bern bereits für Ostermundigen. «Mit einer Fusion erhält die Stadt ein Mitspracherecht», sagte Luyet.

Am 13. September findet im Tellsaal in Ostermundigen eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema statt. (Der Bund)

Erstellt: 24.08.2018, 06:44 Uhr

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