ETH-Professor empfiehlt Allmendingen als Standort für BLS-Werkstatt

Die Stadt Bern fordert die BLS auf, den Standort Allmendingen für die neue BLS-Werkstätte in die Planung aufzunehmen. Bei der BLS hält man wenig von der Empfehlung.

Wohin mit den BLS-Werkstätten? Bern favorisiert nun Allmendingen.

Wohin mit den BLS-Werkstätten? Bern favorisiert nun Allmendingen. Bild: Adrian Moser

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«Wir leben im Paradies und wissen das. Dass wir Allmendingen verteidigen werden, können Sie sicher nachvollziehen», sagte am Freitag der Allmendinger Gemeinderat Patrick Linder im Erlacherhof und hielt dazu das Bild einer blühenden Wiese mit Alpenpanorama im Hintergrund hoch. Am Amtssitz des Stadtpräsidenten wurde gestern eine vom Berner Gemeinderat in Auftrag gegebene Studie zur Standortfrage für eine neue BLS-Werkstätte präsentiert. Der mit der Studie beauftragte ETH-Professor Ulrich Weidmann kommt darin zum Schluss, dass sich ein Ort in eben jener «paradiesischen Gemeinde» am besten für den Bau eigne.

Der von der BLS favorisierte Standort Riedbach bei Bern sei zwar ebenfalls zweckmässig, wenn auch «betrieblich nicht wirklich vorteilhafter» sagte Weidmann vor den Medien. Da rund zwei Drittel der BLS-Züge östlich des Bahnhofs Bern eingesetzt werden, sei es von Vorteil, auch die Werkstätte im Osten anzusiedeln. Wäre die Wartungshalle im Westen – etwa in Riedbach – würde der Bahnhof Bern mit zusätzlichen Dienstfahrten belastet. «Zudem spricht für Allmendingen, dass man den Ort auch über die Strecke von Konolfingen anfahren kann», sagte der ETH-Wissenschaftler.

Konzentration an zwei Standorten

Ende 2013 hatte der Verwaltungsrat der BLS entschieden, die Fahrzeuginstandhaltung neu zu organisieren. Ab 2025 soll es nur noch zwei statt wie bisher vier Werkstätten geben. Die BLS kommunizierte damals, man wolle den Standort in Spiez umbauen, und westlich des Berner Knotens einen Neubau errichten. Die Werkstätten in Bönigen und Oberburg sollen dann aufgehoben werden.

Insellösung Allmendingen

Der von der BLS favorisierte Neubaustandort Riedbach stiess jedoch auf breite Kritik. Deswegen hat das Bahnunternehmen eine Begleitgruppe eingesetzt und mit der Evaluation von möglichen Alternativstandorten beauftragt. Bernhard Antener (SP), Gemeindepräsident von Langnau, präsidiert diese Gruppe. Er sagt, Allmendingen habe auch bei der Beurteilung durch die Begleitgruppe gut abgeschnitten. In der Schlussrunde der Grobbewertung sei der Ort aber dann ausgeschieden, denn bei Allmendingen handle es sich um eine «Insellösung». Der dort vorgesehene Platz für die Werkstatt befinde sich im Grünen ohne Nähe zu einer Siedlungsstruktur. Solche Standorte förderten die Zersiedlung, so Antener. Im Fokus der Begleitgruppe stehen nun Konolfingen und Thun sowie Orte im Westen von Bern.

Wie in Riedbach käme es laut Weidmann auch in Allmendingen zu Härtefällen: In beiden Fällen müsste Land enteignet respektive ein Bauernhof verlegt werden. «Den idealen, konfliktfreien Standort für eine neue BLS-Werkstätte gibt es nicht», sagte der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) gestern. Der Berner Gemeinderat fordert aufgrund der Studie, dass die Begleitgruppe Allmendingen wieder in die bevorstehende Feinauswertung aufnimmt und vertieft prüft. In Allmendingen will man mit einer Taskforce gegen die mögliche Standortwahl ankämpfen.

Dazu äussert man sich bei der Begleitgruppe vorsichtig: «Wir lassen uns gerne vom Weidmann orientieren», sagt Antener. Danach befinde man über das weitere Vorgehen. Bis im September will sich die Begleitgruppe Zeit lassen, um der BLS ihre Empfehlungen über mögliche Alternativplätze zu Riedbach abzugeben. Bei der BLS hält man eine Werkstatt in Berns Westen geeigneter als in Allmendingen: «Was die Beurteilung des Standorts Allmendingen betrifft, geht das Gutachten von anderen Annahmen aus als die BLS», teilt die BLS mit.

Werkstätten nicht an einer Linie

Allmendingen liegt an der Neat-Transitstrecke, das sei problematisch. Denn ob auf dieser Strecke die Kapazitäten auch längerfristig verfügbar seien, die es brauchte, damit Züge rechtzeitig zur Werkstatt und wieder zurück in den Betrieb fahren können, sei höchst fraglich, so die BLS gestern. Weiter sei es für die Aufrechterhaltung der Fahrplanstabilität (Pünktlichkeit, weniger Störungsanfälligkeit) besser, wenn die Werkstatt nicht an derselben Bahnlinie wie die bestehende in Spiez angesiedelt sei. (Der Bund)

Erstellt: 08.07.2016, 23:14 Uhr

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