Fahren viele Velo, werden Bus und Tram noch wichtiger

Auch wenn der Veloverkehr in Städten wie Bern zunimmt: Für die Bewältigung urbaner Transportbedürfnisse ist der öffentliche Verkehr zentral.

Velo, Bus und Tram - all diese Transportvarianten werden in Zukunft in der Stadt Bern noch wichtiger werden.

Velo, Bus und Tram - all diese Transportvarianten werden in Zukunft in der Stadt Bern noch wichtiger werden.

(Bild: Adrian Moser)

Marc Lettau

In der Stadt Bern besitzen weit weniger als die Hälfte aller Haushalte ein eigenes Auto. Mit 56,8 Prozent «Autolosen» führt Bern gar die nationale Rangliste an, gefolgt von Zürich, Basel und Lausanne. Der Umkehrschluss, in Bern seien somit mehr als die Hälfte per Velo unterwegs, ist freilich gründlich falsch. Der Trend hin zum Velo kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tram und Bus die wichtigsten innerstädtischen Verkehrsträger sind – mit markant wachsenden Passagierzahlen.

Laut den Erhebungen der Statistiker des Bundes wurden 2015 in Bern 32 Prozent aller Strecken per Tram und Bus zurückgelegt – ein neuer Spitzenwert. Der Stadtberner Verkehrsplaner Karl Vogel bestätigt die herausragende Stellung des öffentlichen Verkehrs: «Er ist nach wie vor das Rückgrat des Verkehrssystems.» Das Velo sei jedoch eine fürs Gesamtverkehrssystem bedeutende Entlastung.

Wetteranfällige Pedaleure

Das heisst beispielsweise: Bernmobil würde noch stärker an der Kapazitätsgrenze operieren, würden die Bernerinnen und Berner sich nicht in steigender Zahl aufs Velo setzen. Gleichzeitig ist der öffentliche Verkehr auch Treiber des Veloverkehrs: Pendler setzen dann gerne aufs Velo, wenn sie im Zweifelsfall auf Tram oder Bus ausweichen können. Denn: Sehr wetterfest sind die bundesstädtischen Pedaleure nicht. Die am Montag präsentierten Messdaten der Jahre 2014 bis 2017 zeigen, wie enorm wetterabhängig die Zahl der gezählten Velos ist. Bereits ein leichter Sprühregen von 0,1 mm pro Stunde führt zu einem Einbruch des Veloverkehrsaufkommens um rund ein Drittel. Gross sind auch die jahreszeitlichen Schwankungen.

Starke Unterschiede

Wer in der Stadt Bern von A nach B will, tut dies per Tram und Bus (32 Prozent), zu Fuss (30 Prozent), mit dem Auto (22 Prozent) oder eben per Velo (15 Prozent). Damit unterscheidet sich das stadtbernische Verkehrsverhalten stark vom gesamtschweizerischen Durchschnitt: Von den fast 4 Millionen Pendlern in der Schweiz, die täglich zur Arbeit fahren, sind nämlich 54 Prozent per Auto oder Motorrad unterwegs, 31 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr. 9 Prozent gehen zu Fuss – und nur 7 Prozent legen den Arbeitsweg per Velo zurück. Überraschend tief ist landesweit die Zahl der jungen Velopendler: Auch bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ausbildung sind es lediglich 7 Prozent, die per Velo zu ihrer Ausbildungsstätte fahren.

Der Bund

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