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«Es war wie ein Film, den ich nicht stoppen konnte»

Der gewaltsame Tod einer Escortdame in Langenthal hat Anfang März 2012 die Schlagzeilen geprägt. Nun verantwortet sich der mutmassliche Täter vor Gericht.

Die Escortdame verlor in Langenthal 2012 ihr Leben.
Die Escortdame verlor in Langenthal 2012 ihr Leben.
TA Archiv

Der 28-jährige Mann, der wegen Mordes an einer Escortdame in Langenthal vor Gericht steht, kann sich die Tat nicht erklären. Alles sei wie in einem Film abgelaufen, er habe sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt und nicht stoppen können, sagte der Mann am Montag dem Richter.

Erst als er die malträtierte Frau in einem Lichtschacht abgelegt hatte, habe er realisiert, was er getan habe, schilderte der Angeklagte, der stockend und undeutlich sprach.

Er habe zwar tatsächlich eine Vergewaltigung im Kopf gehabt, aber nicht, dass er die Frau töten würde. Der mittelgrosse, schlanke Mann mit Kurzhaarfrisur gab an, er wisse nicht, warum er so gehandelt habe. Er sei daran, dies mit seiner Psychiaterin aufzuarbeiten.

Die Escortdame habe ihn als Krüppel bezeichnet, beleidigt und geschubst, da sei er ausgerastet, erzählte der Angeklagte.

Das mochte der Gerichtspräsident nicht so recht glauben und hakte nach. Der Angeklagte habe bei anderer Gelegenheit ja auch schon versucht, sich in einem besseren Licht darzustellen, betonte er. Der Angeklagte hingegen blieb bei seiner Version.

«Kann es fast nicht wahrhaben»

Der Angeklagte trägt Fussfesseln und äusserte sich zum Prozessauftakt zum Tathergang. Der in Jeans und blauen Pullover gekleidete Mann sagte, er könne es fast nicht wahrhaben, was er gemacht habe. Er habe in der Nacht auf den 10. März 2012 den Escort-Service angerufen und dabei schon im Kopf gehabt, die Frau zu vergewaltigen.

Vergewaltigungsszenen habe er aus dem Internet gekannt. Solche Videos habe er nur unter Drogen geschaut, sonst nicht. Am Tatabend habe er sich die Tötung nicht vorgestellt.

Strafe vorzeitig angetreten

Der Angeklagte hat seine Strafe vorzeitig angetreten. Die Strafanstalt Thorberg stellte ihm einen ausgezeichneten Führungsbericht aus. Der Mann sei arbeitsam, freundlich und hilfsbereit. Er arbeitet in der Wäscherei. Zurzeit wird geprüft, ob er eine verkürzte Lehre in der Thorberg-Bäckerei absolvieren könnte.

Der 28-Jährige muss sich wegen Mordes, eventuell vorsätzlicher Tötung vor Gericht verantworten. Daneben geht es um weitere Tatbestände wie Vergewaltigung, Störung des Totenfriedens oder Diebstahl.

In der Nacht vom 9. auf den 10. März 2012 bestellte der Mann bei einer Agentur für Erotik-Dienstleistungen eine Frau. In der Nähe der Langenthaler Sportanlage Hard versetzte er der gebürtigen Österreicherin einen Schlag gegen die Schläfen. Danach würgte er die am Boden liegende Frau heftig, schlug und trat auf sie ein, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Der Täter versuchte mehrfach, die Frau zu vergewaltigen. Dann stopfte er Steine und andere Gegenstände in Körperöffnungen und liess das Opfer in einem Lichtschacht der Sportanlage liegen. Schliesslich behändigte er diverse Utensilien der Frau und entfernte sich mit ihrem Auto vom Tatort.

Der unter Drogen- und Alkoholeinfluss stehende Angeklagte habe die in der Ostschweiz wohnhafte Frau aus völlig nichtigem Grund - zum Zweck reiner Triebbefriedigung - umgebracht, schreibt die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern.

Der Prozess am Regionalgericht Emmental Oberaargau ist auf vier Tage angesetzt. Der Urteilsspruch wird für Donnerstag erwartet.

SDA/hjo

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