Es ist Zeit, den Waldschutz zu lockern

Die Diskussion über die BLS-Werkstätte ist ein Beispiel dafür, dass die Zeit für eine Lockerung des Waldgesetzes gekommen ist.

Simon Wälti

Den idealen Standort für eine neue BLS-Werkstätte gibt es nicht. Ein Projekt mit einem so hohen Flächenverbrauch steht immer quer in der Landschaft. Je nach Standort behindert das Bauwerk die Stadtentwicklung, oder es steht in Widerspruch zu den Zielen der Kulturlandpolitik und der Raumplanung, oder es verletzt das Waldgesetz. Der Chliforst Nord, den die Begleitgruppe ins Spiel bringt, weist gegenüber den bisher bekannten Standorten Vorzüge auf, insbesondere gegenüber der ursprünglichen BLS-Variante Buech. Das Depot wirkt nicht als Riegel für ein späteres Wachstum der Stadt Bern nach Westen, der Landverschleiss ist wegen der Strategie mit drei Standorten kleiner, und es sind weniger Agrarflächen betroffen.

Die entscheidende Frage ist das Waldgesetz, das die Fläche und die räumliche Verteilung des Waldes in der Schweiz schützt. Ausnahmen sind bei einer Standortgebundenheit möglich; also dann, wenn «das Werk, für das gerodet werden soll, auf den vorgesehenen Standort angewiesen ist», wie es im Gesetz heisst. Das Waldgesetz wurde bisher, besonders wenn es um Vorhaben zum Wohnungsbau ging, sehr strikt ausgelegt. Die Standortgebundenheit ist in solchen Fällen schwer nachzuweisen, was einer der Gründe war, weshalb die Waldstadt Bremer auf Eis gelegt wurde.

Bessere Aussichten bestehen bei Projekten von grossem öffentlichen Interesse, wie zum Beispiel bei der Energiezentrale Forsthaus von EWB, wo die Standortgebundenheit gut begründet werden konnte. Ein BLS-Depot, für das mehrere Hektaren Wald geopfert werden müssen, ist nicht von vornherein chancenlos. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, den Plan der Begleitgruppe weiterzuverfolgen.

Die Diskussion über die BLS-Werkstätte ist ein Beispiel dafür, dass die Zeit für eine Lockerung des Waldgesetzes gekommen ist. Nicht jedes Waldstück muss erhalten werden, denn die Waldfläche in der Schweiz nimmt zu. Und nur mit innerer Verdichtung allein lässt sich das Bevölkerungswachstum nicht auffangen.

DerBund.ch/Newsnet

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