Ensi erlaubt Weiterbetrieb von AKW Mühleberg

Die Risse im Kernmantel seien nur «geringfügig» gewachsen, erklärt die Atomaufsicht. AKW-Gegner Jürg Joss kritisiert Widersprüche bei den Messungen.

Die Erlaubnis wurde für das Hochfahren des AKW Mühleberg nach der Sommerrevision erteilt.

Die Erlaubnis wurde für das Hochfahren des AKW Mühleberg nach der Sommerrevision erteilt. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Die BKW will ihr AKW Mühleberg noch bis zur beschlossenen definitiven Stilllegung Ende 2019 betreiben. Das kann sie aber nur, wenn sie die Bedingungen erfüllt, die das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) für den restlichen Betrieb gestellt hat.

Eine dieser Bedingungen ist, dass die Risse im AKW-Kernmantel nicht zu stark wachsen. Dies vor dem Hintergrund, dass das Ensi die ursprüngliche Forderung nach zusätzlichen Zugankern zur Verstärkung des Kernmantels fallen liess, weil das AKW 2019 abgeschaltet wird.

Am Donnerstag nahm die BKW eine weitere Hürde für den Restbetrieb: Das Ensi teilte mit, dass es die Erlaubnis für das Hochfahren des AKW nach der Sommerrevision erteilt. Die Grenzwerte für die Risse seien eingehalten worden, erklärte das Ensi: «Bei drei Rissanzeigen kam es zu einem geringfügigen Längenwachstum im Rahmen der bisher gemessenen Wachstumsraten.» Alle «wesentlichen» Schweissnähte seien in der Sommerrevision mit Ultraschall geprüft worden.

Weniger zuversichtlich ist AKW-Gegner Jürg Joss, der beruflich in der Messtechnik arbeitet. Er hat die Messresultate, welche die BKW auf ihrer Internetseite publiziert hat, analysiert.

Risse, die schrumpfen

So verweist Joss auf ein Phänomen, das es in der Realität gar nicht geben kann: Ein Teil der Risse ist laut den Resultaten gegenüber der letzten Ultraschallprüfung 2015 kleiner geworden. Neu sind schrumpfende Risse in Mühleberg nicht. 2011 waren die Risse nach den Messungen plötzlich auf breiter Front kleiner geworden.

Natürlich war dies nicht geschehen – der Grund war eine neue, laut BKW genauere Messmethode, die zu anderen Resultaten geführt hatte. Auch jetzt werden einige Risse als weniger lang oder tief ausgewiesen als noch 2015. Einer ist nun fast vier, ein anderer zwei Zentimeter weniger lang.

Ein spezielles Problem sind die erst 2014 erstmals entdeckten neuartigen Querrisse, die das Ensi seinerzeit veranlassten, von der BKW eine Anpassung des Instandhaltungskonzepts für den Kernmantel zu fordern. Nun schreibt das Ensi in seiner Mitteilung, die Querrisse seien seit letztem Jahr nicht gewachsen.

Damals allerdings wurden die Risse nur «visuell», das heisst mit Kameras geprüft. «Das ist eine andere Messmethode und nicht vergleichbar», sagt Joss. Verglichen mit der letzten, wesentlich genaueren Ultraschallprüfung 2015 seien auch die Querrisse gewachsen.

Das Ensi nahm auf Anfrage dazu am Donnerstag keine Stellung, weil «die zuständigen Fachpersonen» abwesend seien. Anders die BKW. Das Zusammenzählen der Längen der Querrisse habe «keine sicherheitstechnische Bedeutung», schreibt die BKW. Das Ensi habe festgelegt, dass jeder einzelne Querriss weniger lang als 32 Zentimeter sein müsse, falls er die Stahlwand des Kernmantels durchdringt.

Der längste Querriss ist aber erst knapp 10 Zentimeter lang. Das Kriterium sei also, so die BKW, «mit sehr grosser Marge erfüllt». Zu den Messungenauigkeiten, die sogar schrumpfende Risse ausweisen, teilt die BKW mit, dass dies in der Bewertung der Risse berücksichtigt werde.

Die aktuelle Rissprüfung hat eine spezielle Bedeutung, weil es die letzte umfassende mit Ultraschall war, bevor das AKW in gut zwei Jahren abgeschaltet wird, wie BKW und Ensi bestätigen. Kritiker Joss fordert eine weitere Prüfung mit Ultraschall. «Es wäre unverständlich, wenn gegen Ende des Betriebs die Kontrollen sogar verringert würden.» (Der Bund)

Erstellt: 07.09.2017, 22:04 Uhr

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