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Der Bauer, der keinen Stadt-Land-Graben sieht

Landwirt Christian Burren (SVP) will Gemeindepräsident in Köniz werden und zeigt sich als Politiker einmal hemdsärmlig direkt, dann aber wieder sehr auf Ausgleich bedacht.

Wachstumskritiker: Christian Burren in Mengestorf.
Wachstumskritiker: Christian Burren in Mengestorf.
Franziska Rothenbühler

Christian Burren verfolgt derzeit gleich zwei grosse politische Ziele. Einerseits führt der Bauer aus Settibuch bei Gasel die bäuerliche Opposition gegen die Könizer Ortsplanung an. Er kritisiert die Ausweitung der Schutzzonen und Schongebiete. Und er tut dies gemessen an dem seit Jahren laufenden Planungsprozess sehr spät, dafür umso pointierter: Es brenne «lichterloh»; Gemeinderat und Gemeindeverwaltung hätten die Tragweite der Sache nicht erkannt; das ganze Planungswerk werde «gegen die Wand gefahren», ziehe man nicht die Notbremse.

Anderseits sagt Burren ebenso klar, dass er jetzt ganz auf die Kommunalpolitik setzen will. Er will Gemeindepräsident von Köniz werden, also das heute von Ueli Studer (SVP) gehaltene Amt in den eigenen Reihen halten.

Die Arbeit der Gemeindeverwaltung harsch kritisieren und sich gleichzeitig als oberster Chef dieser Verwaltung empfehlen: Wie passt das zusammen? Christian Burren redet diese Auffälligkeit nicht klein. Aber er nutzt sie, um sich zu erklären. Er sieht sich klar «als Unabhängigen», als Standhaften, der weiss, dass aus Interessenkonflikten letztlich keine Glaubwürdigkeit wächst. Jetzt sei er Bauer, müsse somit den «aus dem Ruder laufenden» Landschaftsschutz kritisieren. Sich «der Kandidatur wegen zu verbiegen», sei für ihn kein gangbarer Weg. Als Gemeindepräsident werde er unbeirrbar fürs Gemeinwohl von Köniz einstehen.

Griffiger wird diese Erklärung beim Blick zurück. Burren gehörte zwölf Jahre dem Könizer Parlament an, elf Jahre davon als Parteiloser. Parteilos war er primär wegen seines Engagements in nationalen milchwirtschaftlichen Branchenorganisationen: «Da verträgt es keine Bindung an diktierte Parteilinien.» Seine Ungebundenheit prägte auch seinen Stil als Parlamentarier und als parteiloser Könizer Parlamentspräsident (2010). Im Rückblick sagt Burren: «Parteiengezänk ist mir zuwider. Beim Brückenbauen ist das Parteibuch ein Hindernis.»

«Fahren wir so weiter, hat Köniz bald 50'000 Einwohner.»

Doch jetzt steckt er mitten im parteipolitischen Wettbewerb – als Spitzenkandidat der SVP. Weil er derzeit in Köniz kein publizitätsträchtiges politisches Amt bekleidet, drängt sich die Frage auf: Welches sind die politischen Passionen, die Christian Burren ausspielen will?

Gegen jede Wachstumseuphorie

Weit oben steht für ihn die Raumplanung. Burren ist dezidierter Wachstumskritiker und findet, Köniz solle «nicht der Wachstumseuphorie folgen». Er sagte dies während des Streits ums Tram Region Bern, wo er vor dem Zusammenwachsen von Köniz und Schliern warnte. Er sagt dies auch, wenn vom oft gelobten Verdichtungsprojekt am Thomasweg in Liebefeld die Rede ist: Auch Wachstum durch Verdichten habe «etwas Unkontrolliertes», da ausgerechnet der günstigste Wohnraum verschwinde, weil auch Verdichten Probleme nach sich ziehe. Er verweist auf den Mehrverkehr und die Infrastrukturlasten, die die Kehrseite jedes Wachstums seien: «Fahren wir weiter wie bis jetzt, hat Köniz bald 50'000 Einwohner.»

«Eine allfällige Steuererhöhung dürfte nicht in den Konsum fliessen.»

Burren steht für Wachstumskritik mit Bodenhaftung. Ihm wurde bereits in seiner Bubenzeit bewusst, dass das eingezonte Land bis direkt an die Zufahrt zum elterlichen Hof reichte. Dass der Hof heute nicht am Siedlungsrand, sondern noch immer im Wies- und Ackerland steht, sei «übrigens gar nicht das Verdienst der Bürgerlichen», merkt Burren an. Es macht ihm sichtlich keine Mühe hervorzuheben, dass es «die anderen» waren, die umfangreiche Auszonungen gefordert und durchgesetzt hatten. Zur Erinnerung: Anfang der 1970er-Jahre prognostizierte der St. Galler Professor Francesco Kneschaurek eine 10-Millionen-Schweiz bis ins Jahr 2000. Köniz richtete sich daraufhin auf über 100'000 Einwohner zu Beginn des neuen Jahrtausends ein. Heute sind es gut 41'000.

«Unterschiede nicht aufbauschen»

Schaut Burren von seinem Hof nach Nordosten, erblickt er den urbansten Teil von Köniz. Was will er als Gemeindepräsident zum Brückenschlag zwischen dem ländlichen und städtischen Teil beitragen? Burren sieht nirgends einen fassbaren Stadt-Land-Graben: «Wir dürfen die Unterschiede nicht aufbauschen.» Er sehe Köniz eher als gutes Beispiel für den Ausgleich zwischen dem voneinander stark abhängigen ländlichen und städtischen Raum.

Die Vielfalt der Gemeinde mit ihren ländlichen Naherholungsräumen und städtischen Reizen sei primär «Teil der hohen Lebensqualität». Ist sie gefährdet, diese Lebensqualität? Burren ortet als einzige grosse Gefahrenquelle die Finanzlage der Gemeinde: «Wir sind in der unglücklichen Lage, dass wir derzeit die Infrastruktur – etwa Schulanlagen – des letzten Wachstumsschubes sanieren und gleichzeitig in den Infrastrukturausbau des aktuellen Wachstumsschubes investieren müssen.» Das sei eine enorme Herausforderung.

Sagt er damit verklausuliert, was bereits der amtierende Gemeinderat sagt: dass es eigentlich ohne Steuererhöhung nicht geht? Burren sagt, man lebe auf Pump, also «vom Geld kommender Generationen». Deshalb dürfe man eine Steuererhöhung nicht per se ausschliessen. Doch er fügt bei: «Ausschliessen muss man hingegen, dass die Steuern zugunsten von bloss noch mehr Konsum erhöht werden.»

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