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«Ein schwereres Verschulden ist fast nicht denkbar»

2012 wurde in Langenthal eine Prostituierte auf grausame Weise getötet. Staatsanwalt und Verteidigung hielten ihre Plädoyers, wobei der Anwalt des 28-jährigen Angeklagten eine deutlich tiefere Gefängnisstrafe forderte.

Die Dauer der Haftstrafe für den Angeklagten im Mordfall von Langenthal bleibt weiterhin offen.
Die Dauer der Haftstrafe für den Angeklagten im Mordfall von Langenthal bleibt weiterhin offen.
Keystone

Der junge Mann, der 2012 in Langenthal ein Callgirl bestialisch umbrachte hat, soll lebenslänglich hinter Gitter. Dies forderte am Montag der Staatsanwalt vor Gericht. Die Verteidigung plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren.

In einem waren sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft einig: Die Tat sei furchtbar, zu beschönigen gebe es nichts. «Ein schwereres Verschulden ist fast nicht denkbar», betonte der Staatsanwalt.

Mord oder vorsätzliche Tötung?

Wie die Tat rechtlich zu würdigen sei, darüber gingen die Meinungen von Staatsanwalt und Verteidiger hingegen auseinander. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf einen Schuldspruch wegen Mordes und weiterer Tatbestände und forderte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sowie eine ambulante Therapie. Für einen Mord muss der Täter besonders verwerflich und skurpellos handeln.

Eine Verwahrung komme im vorliegenden Fall dennoch nicht in Frage, führte der Staatsanwalt aus. Ein psychiatrisches Gutachten attestiere dem Angeklagten die Chance, dass er seine Alkohol- und Drogenprobleme therapieren könne. Eine Verwahrung wäre nur dann angebracht, wenn alle Straf- und Massnahmemöglichkeiten ausgeschöpft wären.

Von Mord wollte der Verteidiger nichts wissen. Sein Mandant habe die Tat nicht geplant. Vielmehr habe sich der junge Mann, der bei Alkohol- und Drogenkonsum bekanntermassen rasch aggressiv werde, nicht mehr unter Kontrolle gehabt, sei wie weggetreten gewesen.

Der Verteidiger forderte einen Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung und eine ambulante Massnahme. Sein Mandant habe die Escort-Dame bestellt, um Sex zu haben und sie allenfalls auszurauben. Auch an Vergewaltigung habe sein Mandant allenfalls gedacht. Keinesfalls aber habe der Angeklagte die Frau in der Absicht bestellt, sie zu töten.

Vergewaltigungsvideos geschaut

Der Angeklagte selber sagte am Montag: «Ich will es nicht so recht wahrhaben, dass ich das gemacht habe.» Er habe sich nicht mehr gespürt. Es sei gewesen wie in einem Film, den er nicht habe stoppen können.

Er habe im Internet Vergewaltigungsvideos gesehen, sagte der Angeschuldigte vor Gericht. An jenem Freitagabend habe er eine Vergewaltigung im Hinterkopf gehabt. Er habe ein neugieriges, kribbeliges Gefühl gespürt. Ob er es aber wirklich machen werde, habe er nicht gewusst. An eine Tötung habe er aber nicht gedacht.

Warum er das Callgirl derart zurichtete, konnte der Angeklagte vor Gericht nicht sagen. Er zuckte lediglich ratlos mit den Schultern und sagte: «Ich weiss es nicht.» Er sei daran, dies mit seiner Therapeutin aufzuarbeiten.

Der Angeklagte machte im Verlauf des Verfahrens zum Teil widersprüchliche Angaben, teilweise auch, um sich in ein besseres Licht zu stellen. Das stritt er vor Gericht gar nicht erst ab. Allerdings beharrte er in verschiedenen Punkten auf seiner Version des Tathergangs.

So betonte er beispielsweise, die aus Österreich stammende und in der Ostschweiz wohnhafte Escortdame habe ihn beleidigt und geschubst, da sei er ausgerastet. «Krüppel» habe sie ihn genannt, sagte der Angeklagte, der an einer Gaumenspalte leidet.

Opfer schrecklich zugerichtet

Das Verbrechen erschütterte im März 2012 das Oberaargauer Städtchen Langenthal. Junioren eines Sportvereins hatten im Lichtschacht der Turnhalle Hard eine schrecklich zugerichtete Leiche entdeckt.Der Täter war bald gefasst, er stammte aus Langenthal und wohnte quasi um die Ecke.

Der Polizei hatte es der von einem psychatrischen Gutachen als unterdurchschnittlich intelligent eingestufte Mann nicht schwer gemacht. Im Auto des getöteten Callgirls fand sich eine Notiz mit der Telefonnummer des Täters.

Dieser hatte die 43-jährige Frau über eine Escort-Agentur nach Langenthal bestellt. Dort begab er sich mit der aus der Ostschweiz angereisten Prostituierten zum Parkplatz einer Sporthalle. Als der junge Mann, der zuvor Alkohol getrunken und Kokain konsumiert hatte, dem Callgirl sagte, er habe kein Geld, kam es zu einer Auseinandersetzung.

Der junge Mann würgte, schlug und trat die Frau. Dann versuchte er in sie einzudringen. Das malträtierte Opfer schleifte er anschliessend zu einem Lichtschacht der Turnhalle , versuchte erneut in sie einzudringen und stopfte ihr dann Gegenstände in Körperöffnungen. Danach liess er die Frau im Schacht zurück, behändigte ihr Geld und kurvte mit ihrem Auto durch die Nacht, um sich Kokain zu beschaffen.

Die Frau sei durch erwürgen gestorben, sagte eine rechtsmedizinische Expertin vor Gericht. Anders als vom Angeklagten geschildert, deuteten Verletzungen an den Unterarmen des Opfers darauf hin, dass sich die Frau gewehrt habe. Der Täter sagte, die Frau sei nach dem ersten Schlag schon zu Boden gegangen und reglos liegen geblieben. Vor Gericht war umstritten, ob der Täter die Frau missbrauchte, als sie schon tot war.

Der unter anderem wegen Brandstiftung vorbestrafte Angeklagte befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug auf dem Thorberg. Dort wurde ihm gutes, problemloses Verhalten attestiert. Das Urteil des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau wird am Donnerstag eröffnet.

SDA

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