Zum Hauptinhalt springen

Die Pfadfinderin weist dem Parlament den Weg

Die SP-Frau Petra Spichiger ist 2015 Präsidentin 
des Grossen Gemeinderats 
in Zollikofen.

Petra Spichiger ist Präsidentin des Grossen Gemeinderats in Zollikofen.
Petra Spichiger ist Präsidentin des Grossen Gemeinderats in Zollikofen.
zvg

Petra Spichiger ist nicht gerne nur «Deko­ration», viel lieber ist ihr, wenn sie mitbestimmen kann. Dass es in der Politik aber so schnell gehen würde, hätte sie nicht gedacht. Vor etwas mehr als zwei Jahren trat sie in Zollikofen für die SP zu den Wahlen an und wurde prompt ins Parlament gewählt. In diesem Jahr ist sie Parlamentspräsidentin, zudem wurde sie vor einem Jahr auch zur Präsidentin der SP Zollikofen gewählt. Präsidentin des Grossen Gemeinderats sei sie wohl auch geworden, weil sie «nicht genug lange» Nein gesagt habe.

Sie fühle sich im Ratsbetrieb wohl, sagt sie. «Ich finde es sehr spannend, sich mit den Themen auseinanderzusetzen.» Interessant sei auch die Frage, wie man einem Anliegen zum Durchbruch verhelfe. Als Pluspunkt nennt sie die «Vielfalt der Leute» im Parlament. «Ich sehe immer auch den Menschen hinter der Rolle», sagt die 46-Jährige.

«Ein guter Rahmen»

Zollikofen sei eine fortschrittliche Gemeinde. Trotz der eher konservativen politischen Ausrichtung sei man auf Lebens­qualität und Familienfreundlichkeit bedacht. «Es wird versucht, die Inte­ressen zu kombinieren», findet die SP-Politikerin. An der Gemeinde schätzt sie auch die Grösse von rund 10'000 Einwohnern, was im Gegensatz zu einem Dorf eine gewisse Anonymität ermögliche. «Das ist ein guter Rahmen, man ist selbstständig und unabhängig, fühlt sich aber doch zu Hause.» In Zollikofen lebt Petra Spichiger, die in Kriens LU aufgewachsen ist, seit 23 Jahren, die Hälfte ihres Lebens also. Sie hat die Tagesschule aufgebaut und während rund zehn Jahren geleitet, dann beschloss die ausgebildete Handarbeitslehrerin, wieder als Lehrerin tätig zu sein. An der PH in Luzern holte sie das fehlende Fachpatent nach, an der PH Bern hätte sie zuerst noch die Passerelle absolvieren müssen. «Das wäre für mich sehr schwierig geworden und hätte auch länger gedauert», sagt Spichiger. Vor einem Jahr hat sie das Diplom erhalten, nun arbeitet sie an der Oberstufe in Zollikofen als Lehrerin einer 7. Realklasse.

Während andere über Motivationsprobleme bei den Schülern klagen, hat Spichiger andere Erfahrungen gemacht. «Die Jugendlichen sind überhaupt nicht abgelöscht, sie wollen lernen und sind engagiert.» Probleme gebe es eher mit der Zuverlässigkeit, zum Beispiel damit, dass Hausaufgaben vergessen würden. Dass es auch mal laut oder turbulent wird, stört sie dagegen nicht. «Ich habe ‹daily business› nicht so gerne.» Als begeisterte Skifahrerin freut sich Petra Spichiger auf nächste Woche. Da steht auch nicht «daily business» auf dem Programm. Zollikofen führt für die gesamte Oberstufe mit 13 Klassen und gegen 240 Schülerinnen und Schülern obligatorische Skilager durch. Gesundheitliche oder religiöse Gründe werden als Entschuldigung akzeptiert. «‹Keine Lust› gilt aber nicht als Entschuldigungsgrund», sagt Spichiger.

Von ihren 19 Schülerinnen und Schülern stehen 13 zum ersten Mal auf Ski, das werde eine «Herausforderung für alle», sagt Spichiger. Ziel ist es, dass die Anfängerinnen und Anfänger am Schluss der Woche eine blaue Piste hinunterfahren können – im Skigebiet am Schwarzsee im Kanton Freiburg, wo Spichiger zusammen mit ihrer Klasse die Woche verbringen wird. «Viele wissen gar nicht, wie cool Wintersport ist», sagt Spichiger. Viele Kinder hätten wegen der hohen Kosten gar nicht Gelegenheit, Ski- oder Snowboardfahren auszuprobieren. Die Gemeinde zahlt einen Beitrag, der Elternbeitrag wird nach dem Einkommen der Eltern bemessen. Die Schule bietet auch Skiausrüstungen an, welche für 45 Franken gemietet werden können.

Pfadi war mehr als ein Hobby

Lager hat die Mutter einer 19-jährigen Tochter und eines 21-jährigen Sohnes schon zahlreiche organisiert: Während Jahrzehnten hat sie sich in der Pfadi enga­giert. Jetzt ist sie nicht mehr aktiv. Sie war Präsidentin der Pfadi Kanton Bern, also des Kantonalverbandes der Pfadfinderbewegung. Ihren Mann hat sie vor über 20 Jahren ebenfalls in der Pfadi kennen gelernt – dieser war Präsident der Pfadi Schweiz. Zu den stärksten Eindrücken aus ihrem Leben als Pfadfinderin mit dem Namen «Rena» gehören die Erinnerungen an die Eröffnungsfeier eines internationalen Pfaditreffens in London mit 45'000 Jugendlichen aus aller Welt.

Als hohe Pfadifunktionärin hat sie viel Erfahrung mit der Leitung von Sitzungen: «Ich habe gerne zügige Sitzungen», sagt Spichiger. Sie wolle zwar niemanden «abklemmen», sie werde sich aber erlauben, Ratsmitglieder an die Rede­zeitbeschränkung zu erinnern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch