Die Könizer Bauern machen Boden gut

Nach heftigen bäuerlichen Protesten reduziert Köniz die geplanten Landschaftsschutz- und Landschaftsschongebiete drastisch.

An der Flanke des Gurten – hier mit Blick auf den Hof im Aebersold – will Köniz die Landschaft, diese «einzigartige Molassekuppe», explizit schützen.

An der Flanke des Gurten – hier mit Blick auf den Hof im Aebersold – will Köniz die Landschaft, diese «einzigartige Molassekuppe», explizit schützen.

(Bild: Franziska Röthlisberger)

Marc Lettau

Wer lediglich die Zahlen konsultiert, reibt sich womöglich die Augen. Nach dem heftigen Streit über die massive Ausweitung des Landschaftsschutzes legt der Könizer Gemeinderat nämlich jetzt einen revidierten Vorschlag vor, der die Schutzzonen und Schongebiete von heute insgesamt 870 auf 880 Hektaren wachsen liesse – und nicht, wie anfänglich geplant, auf fast 1500 Hektaren.

Ist also der aus landwirtschaftlichen Kreisen ungewöhnlich hart angegangene Gemeinderat eingeknickt? Das treffe in keiner Weise zu, betonten am Mittwoch vor den Medien Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) und Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne). Man habe einzig «die Kritik aus bäuerlichen Kreisen ernst genommen und jeden Quadratmeter noch einmal unter die Lupe genommen». Dabei habe der Gemeinderat erkannt, wie stark der andauernde Prozess der Könizer Ortsplanungsrevision von aktuellen nationalen und kantonalen Gesetzesänderungen beeinflusst werde.

Generell ein strikterer Kurs

Konkret: Das heuer verabschiedete neue bernische Baugesetz, respektive die Verordnung dazu, formuliert laut Studer einen weiterreichenden Kulturlandschutz als bisher. Und bereits zuvor sei mit dem revidierten Raumplanungsgesetz auch auf nationaler Ebene ein strikterer Kurs hinsichtlich des Landschaftsschutzes eingeschlagen worden.

Vor diesem Hintergrund habe sich der Könizer Gemeinderat nun entschieden, etliche der von ihm ursprünglich vorgeschlagenen und hauptsächlich auf die «Landschaftsästhetik» zielenden Landschaftsschongebiete fallen zu lassen. Aus der Sicht von Rita Haudenschild führt das zur Formel: Man schlage nun zwar nur geringfügig grössere Gesamtflächen an Schutz- und Schongebieten vor, aber insbesondere wegen der verschärften kantonalen Bestimmungen verbessere sich der Schutz gleichwohl in dem vom Gemeinderat erhofften Sinn.

Neuer «Landwirtschaftsartikel»

Die bäuerlichen Proteste schärften beim Gemeinderat die Sensibilität für die Gefühlslage der produzierenden Landwirte. Neu wird deshalb ein eigentlicher Landwirtschaftsartikel ins revidierte Könizer Baureglement aufgenommen. Er soll laut Haudenschild klarmachen, dass Landwirtschaftszonen trotz Schutz- und Schonbestimmungen eben Landwirtschaftszonen seien, also Gebiete, wo Bauern wirtschaften können – «im Rahmen des übergeordneten Rechts».

Haudenschild legte am Mittwoch weiter dar, dass die Behörde überall dort, wo «ökologische Schutzgründe» im Vordergrund stünden, keine Abstriche gemacht habe. Kein einziges ökologisch begründetes Schutzgebiet sei gänzlich weggefallen. Allerdings habe man die Ausdehnung dieser Gebiete korrigiert: Nur was Schutz verdiene, solle tatsächlich in der Schutzzone sein.

«Balance»: So lautet der von Haudenschild und Studer oft verwendete Schlüsselbegriff. Es brauche «die Balance» zwischen den berechtigten Anliegen der Landwirte und den ebenso berechtigen Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes. Finde man die Balance nicht, entstehe womöglich ausserhalb der bäuerlichen Kreise eine neue Opposition gegen den Schutzplan. Das gelte es zu vermeiden. Letztlich müsse das gesamte Regelwerk an der Urne eine Mehrheit finden.

Bauern warten ab

Adrian Burren, Landwirt in Gasel und Sprecher der im Frühsommer lautstark Protestierenden, sagte am Mittwoch, eine abschliessende Beurteilung der neuen Vorschläge sei noch nicht möglich. Zumindest lasse sich sagen, die Behörde habe «unsere Anliegen und deren Tragweite erkannt». Der neue «Landwirtschaftsartikel» sei «ein wichtiges Bekenntnis». Schliesslich kommt auch Burren auf die zahlenmässige Bilanz zu reden: Gemessen an den absoluten Zahlen sehe der neue Vorschlag «super» aus. Aber für die produzierende Landwirtschaft sei das noch lange keine Erleichterung, «denn der Schutz wird generell strenger».

Der revidierte Schutzplan ist das letzte grosse und kontrovers debattierte ortsplanerische Stück, das der abtretende Gemeinderat nun der Nachfolgeregierung übergeben wird. Studer sagt, der amtierende Gemeinderat habe «die Hausaufgaben gemacht». Als Nächstes wird das neugewählte Parlament über das Planungswerk befinden müssen. Dann folgt eine weitere, letzte Einsprachephase, die eventuell jene aufs Parkett ruft, die sich anders als die Bauern eine deutliche Ausweitung der Schutzzonen und Schongebiete erhofft hatten.

Der Bund

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