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Die CVP holt in Thun einen Gemeinderatssitz

Die BDP verliert den Sitz der abtretenden BDP-Gemeinderätin Ursula Haller. Geholt hat diesen CVP-Stadtrat Konrad Hädener. 
Gepunktet hat die CVP dank einer gemeinsamen Mitteliste mit EVP, EDU und GLP.

Er hat es geschafft: Konrad Hädener, CVP, nach der Ergebnisverkündung. Im Hintergrund: Christophe Darbellay steht dem neuen Thuner Gemeinderat bei.
Er hat es geschafft: Konrad Hädener, CVP, nach der Ergebnisverkündung. Im Hintergrund: Christophe Darbellay steht dem neuen Thuner Gemeinderat bei.
Valérie Chételat
Einige Minuten zuvor: Raphael Lanz und Roman Gimmel warten gebannt auf die Resultate.
Einige Minuten zuvor: Raphael Lanz und Roman Gimmel warten gebannt auf die Resultate.
Valérie Chételat
Und das ist der neue Thuner Gemeinderat: Von oben links im Uhrzeigeroben: Roman Gimmel (SVP), Raphael Lanz (SVP), Konrad Hädener (CVP), Marianne Dumermuth (SP), Peter Siegenthaler (SP).
Und das ist der neue Thuner Gemeinderat: Von oben links im Uhrzeigeroben: Roman Gimmel (SVP), Raphael Lanz (SVP), Konrad Hädener (CVP), Marianne Dumermuth (SP), Peter Siegenthaler (SP).
Valérie Chételat
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BDP-Gemeinderätin Ursula Haller war am Sonntagabend sichtlich enttäuscht. 
Ihren frei werdenden Gemeinderatssitz wird nicht BDP-Spitzenkandidat Peter Aegerter erben, sondern der einzige CVP-Vertreter im Stadtparlament, Konrad Hädener. Dank der gemeinsamen Gemein­deratsliste von CVP, EVP, EDU und GLP als «Mitte Thun» und der Listenverbindung mit der BDP holte die Christlichdemokratische Volkspartei erstmals einen Sitz in der Thuner Exekutive.

Die CVP-Prominenz gab sich am Sonntag denn auch ein Stelldichein im Thuner Rathaus, um diesen historischen Moment zu feiern. Der Parteipräsident der CVP Schweiz, Christophe Darbellay, war extra nach Thun gereist, um Konrad Hädener zu gratulieren. Bereits mehrmals war dieser nämlich zu einer Gemeinderatswahl angetreten, bis anhin erfolglos. «Nachdem ich schon so oft angetreten bin – ich weiss gar nicht mehr, wie viele Male es waren –, freut mich diese Anerkennung der Wähler sehr», so Hädener nach seiner Wahl. Fest damit gerechnet habe er, allen Orakeln zum Trotz, allerdings nicht. Er sei froh, dass die Mitte nun diese Geschlossenheit hinbekommen habe. Der Wähleranteil von «Mitte Thun» betrug 11,58 Prozent, der­jenige der BDP 9,03 Prozent. Noch vor vier Jahren betrug der Wähleranteil der BDP 15,9 Prozent, sie hatte damals im Allein­gang ein Restmandat erobert.

Zittern bei der SP

Etwas konsterniert über den Einzug der CVP zeigte man sich nicht nur bei der BDP. Auch bei den Grünen sorgte das Wahlresultat für Kopfschütteln: «Wir vertreten eigentlich ein grosses Wählersegment und bleiben bei den Gemeinderatswahlen trotzdem aussen vor, während eine kleine Partei wie die CVP einen Sitz holt», sagte Gemeinderatskandidatin und Stadträtin Andrea de Meuron. Die Grünen haben ihren Wähleranteil bei den diesjährigen Wahlen deutlich von 8,6 auf 11,41 Prozent erhöht. Letztlich spielte die Partei aber die Steigbügelhalterin für die SP, mit welcher sie eine Listenverbindung eingegangen war. Und diese SP zitterte doch ziemlich.

Es sah lange so aus, als würden die ­Genossen ihre beiden Sitze nicht halten können. Es war anzunehmen, dass derjenige von SP-Gemeinderätin Marianne Dumermuth gefährdet war, da sie ihren Sitz vor vier Jahren als Restmandat erobert hatte. Doch dem war dann am Ende nicht so: Die SP hielt ihre beiden Sitze, und die bisherigen Gemeinderäte Marianne Dumer­muth und Peter Siegenthaler wurden damit wiedergewählt. Die SP erhöhte ihren Wähleranteil gar minim von 22,1 auf 23,01 Prozent. Marianne Dumermuth zeigte sich froh über das Resultat: «Es war knapp, aber dank einem guten Wahlkampf hat es dennoch gereicht.» Für SP-Parteipräsident Franz Schori hat sich einmal mehr gezeigt, «dass die Zusammenarbeit mit den Grünen für uns sehr wichtig ist».

SVP als Überflieger

Als wahre Überfliegerpartei punkto Gemeinderatswahlen hat sich die SVP entpuppt. Nicht nur, dass ihre beiden bisherigen Gemeinderäte Raphael Lanz und Roman Gimmel mit zwei Glanzresultaten wiedergewählt wurden. Die Partei erhöhte ihren Wähleranteil in der Exekutive damit gar um 10 Prozentpunkte: von 29,8 auf 39,7 Prozent. Mit seiner Wahl in den Gemeinderat ist Raphael Lanz damit auch als Stadtpräsident bestätigt. Er sei «sehr zufrieden und glücklich» über sein Resultat, sagte Lanz. «Ich konnte den Thunern vier Jahre lang zeigen, wie ich das Amt verstehe. Das Resultat ist nun eine Bestätigung für meine Arbeit und ein Vertrauensbeweis.» Das gute Abschneiden der SVP bei der Exekutivwahl sei das Ergebnis einer sachbezogenen Politik im Gemeinderat, analysierte der wiedergewählte Stadtpräsident.

Ebenfalls mit einem guten Resultat schnitt Lanz’ Partei- und Gemeinderatskollege Roman Gimmel ab. Dieser war vor vier Jahren für Carlos Kilchherr in den Gemeinderat nachgerutscht, weil dieser seine Wahl damals nicht angenommen hatte. Deshalb schaute Gimmel den Wahlen auch etwas angespannt entgegen: «Die Resultate heute haben mir sehr gut gefallen», so der Thuner Bauvorsteher nach seiner Wahl. «Nach dem Krampf in den letzten vier Jahren ist dieses Resultat ein Vertrauensbeweis der Bevölkerung.»

Zu den Verlierern der Gemeinderatswahlen gehört die FDP, die mit der SVP eine Listenverbindung eingegangen war. Mit 6,28 Prozent Wähleranteil verlor sie über 3 Prozentpunkte gegenüber den Wahlen 2010. Ihr Spitzenkandidat für den Gemeinderat, Mark van Wijk, schaffte es aber immerhin in den Stadtrat.

Es scheint, dass die eine oder andere Seite nach den diesjährigen Wahlen nun Handlungsbedarf ortet. «Man muss sich fragen, ob die Proporzwahl noch das Richtige ist in Thun», sagte BDP-Parteipräsident Reto Vannini. Die Partei werde sich diesbezüglich jedenfalls gut überlegen, was zu tun sei, um eine mögliche Änderung herbeizuführen.

Damit dürfte die BDP auf Goodwill bei den Grünen stossen. Stadträtin und Grossrätin Andrea de Meuron sagte gestern, die Grünen kämpften schon länger für eine Änderung des Wahlsystems. Ihre Partei sei dem Anliegen der BDP deshalb nicht grundsätzlich abgeneigt.

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