Die BKW-Energiewende läuft noch mit Atomkraft

Die BKW plant für eine «Zeit nach Mühleberg». Wasser- und Windkraft sollen ausgebaut werden. Wann das AKW abgestellt wird, ist jedoch offen.

Ende Jahr entscheidet die BKW über die Zukunft von Mühleberg.

Ende Jahr entscheidet die BKW über die Zukunft von Mühleberg.

(Bild: Adrian Moser)

Matthias Raaflaub

Die bernische Energieproduzentin und -versorgerin BKW will sich für die Energiewende ausrichten. Das Ziel sei aber nicht so einfach zu erreichen, mahnt das Unternehmen jetzt wieder. Zu schaffen machen der BKW der europäische Nachbar und das generelle Marktumfeld. Deutschland subventioniert die Solar- und Windenergie laut BKW «massiv». Solche Marktverzerrungen drückten auf das Ergebnis, teilte sie am Donnerstag mit. Anlass war die Publikation der Zahlen des ersten Halbjahrs 2013. Nicht nur die Subventionen machen der BKW Sorgen. International sind die Strompreise generell niedrig, was es der Unternehmung erschwert, mit Margen Gewinne zu schreiben.

Bis Mitte 2013 veränderten sich der Reingewinn und der Absatz von Elektrizität im Vergleich zur Vorjahresperiode nur leicht. Das operative Geschäft sei «solide». Die BKW-Gruppe erzielte im ersten Semester einen Elektrizitätsabsatz von 9771 Gigawattstunden und erwirtschaftete eine Gesamtleistung von 1,39 Milliarden Franken. Das Betriebsergebnis liege mit 288,2 Millionen Franken 14 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2012, schreibt die BKW. Verantwortlich dafür sind aber «Sondereffekte»: ein Verkauf und Rückforderungen nach einem Gerichtsurteil.

Wende mit Mühleberg

Trotz des international schwierigen Umfeldes will die BKW weiter grüner werden. Sie habe ihre Unternehmensstrategie auf die neuen Marktverhältnisse ausgerichtet, «nicht zuletzt auch mit Blick auf die Zeit nach dem Kernkraftwerk Mühleberg», teilt sie mit. Man baue etwa die Wasser- und die Windkraft aus, wo immer dies möglich sei, sagt BKW-Mediensprecher Antonio Sommavilla. Dafür werden neue Kraftwerke gebaut und solche im Ausland zugekauft. Obwohl die BKW ihre strategische Ausrichtung auf Energie aus Wind und Wasser betont, produzierte sie gegenüber der Vorjahresperiode nur leicht mehr davon. Die Wasserkraft erreichte die Vorjahreszahl sogar nicht ganz. Dies erklärt Sommavilla mit geringeren Zuflussmengen bei den Speicherkraftwerken.

Massnahmen bis 2017

Die grosse Revolution ist nicht absehbar: Auch das Atomkraftwerk Mühleberg ist bis auf weiteres Teil der Strategie zur Energiewende. Die Atomkraft leistete 3128 von 9771 Gigawattstunden des im ersten Halbjahr 2013 erzeugten Stroms. Im Westen also nichts Neues. «Die BKW hat immer wieder betont, dass Kernkraft ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit während der Übergangsphase ist», sagt Sommavilla. Diesen «geordneten Ausstieg aus der Kernkraft» verfolge die BKW weiter. Wie lange das AKW Mühleberg noch betrieben wird, ist abhängig davon, ob das Unternehmen es nachrüsten will. Die Atomaufsicht Ensi verlangt eine Reihe von Massnahmen bis 2017. Ist der BKW diese Nachrüstung aber zu teuer, droht dann die Abschaltung. Wird hingegen das Geforderte umgesetzt, ist der Weiterbetrieb möglich. Für die Kantonsregierung bis 2022, für den Bund auch länger.

Reingewinn von 134,6 Millionen Franken

Die Kosten für diese Nachrüstung kann die BKW bis jetzt nicht beziffern. Bis jetzt ist von einem Kostenrahmen von 170 bis fast 400 Millionen Franken die Rede. «Gegenwärtig werden die Kosten in einer breiten Auslegeordnung angeschaut», sagt Sommavilla. Der Verwaltungsrat muss dann basierend darauf entscheiden, ob er die Nachrüstung umsetzen will. Es wird auch ein Grundsatzentscheid für oder gegen das Atomkraftwerk sein. Dies werde bis Ende Jahr geschehen. Im zweiten Halbjahr will die BKW ausserdem die Werte all ihrer Kraftwerke unter die Lupe nehmen. Sie rechnet damit, dass sie das laufende Jahr etwa gleich abschliessen kann wie 2012. Es endete mit einem Reingewinn von 134,6 Millionen Franken.

Der Bund

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