Die älteste Schweizerin ist mit 109 Jahren gestorben

Frieda Binz aus Köniz ist zwei Wochen vor dem runden Geburtstag für immer eingeschlafen.

Frieda Binz aus Köniz ist zwei Wochen vor dem runden Geburtstag für immer eingeschlafen.

Frieda Binz aus Köniz ist zwei Wochen vor dem runden Geburtstag für immer eingeschlafen. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Mit einem Apéro hätte der 110. Geburtstag von Frieda Binz, der ältesten Schweizerin, am 10. Januar gebührend gefeiert werden sollen. Verwandte und die paar wenigen verbliebenen Freunde der Jubilarin wurden im Pflegeheim Tilia am Stadtrand von Bern erwartet. Eine Delegation der Gemeinde Köniz hatte sich angekündigt.

Doch am vergangenen Donnerstag, zwei Wochen vor dem runden Wiegenfest, ist Frieda Binz im Alter von 109 Jahren für immer eingeschlafen. Ihre Schwiegertochter Gerti Binz, 74, aus Burgdorf, sagt: «Friedy hat ihre Geburtstage gern und gross gefeiert.» Und sie sei stets beliebter und charmanter Mittelpunkt gewesen. Mit einem Sektglas gefüllt mit Orangensaft habe sie angestossen, und die Fürstentorte aus der Migros habe sie heiss geliebt.

Geboren wurde Frieda Binz am 10. Januar 1908 in Zürich als Kind einer Arbeiterfamilie, der Vater ein glühender Sozialdemokrat. Aufgewachsen ist sie in Thun BE, wo sie die Sekundarschule besuchte – damals keine Selbstverständlichkeit für ein Arbeiterkind. Sie war eine der ersten internationalen Telefonistinnen, hat Anrufe noch von Hand verbinden müssen, indem sie das Kabel am richtigen Ort einsteckte, stöpseln nannte man das. Frieda Binz sprach neben Deutsch Italienisch, Französisch und Englisch. Ehrgeizig und zielstrebig sei sie gewesen. Und sportlich: Bergwandern und Skifahren waren ihre Passion, die sie mit dem Ehemann teilte.

Frieda Binz hatte drei Kinder, vier Enkel und sechs Urenkel. Schon mit 50 wurde sie Witwe, ihre beiden Söhne sind ebenfalls vor ihr gestorben. Die Tochter, 81, lebt seit Jahrzehnten in den USA. Jeden Sommer ist Frieda Binz über den grossen Teich geflogen, um Tochter und Enkel zu besuchen. Zuletzt mit 99 Jahren, vom Piloten über Lautsprecher als älteste Passagierin an Bord begrüsst.

Noch mit 100 Jahren sei sie «z Märit gange», erzählt die Schwiegertochter, habe auf dem Berner Wochenmarkt Gemüse und Obst gekauft. Stets habe sie sich gesund ernährt, Tiefgefrorenes kam bei ihr nie auf den Tisch.

In den letzten zwei Jahren wurde sie quasi immer jünger

Mit 102 Jahren zog Frieda Binz, erst ungern, ins Altersheim. Was war das Geheimnis ihres langen Lebens? «Knoblauchtabletten, viel Bewegung und zwischendurch ein Glas Roten», sagt ihre Schwiegertochter. Sicher sei sie ein wenig stolz auf ihr hohes Alter gewesen. Aber mehr als einmal habe sie gesagt: «So viele Jahre schon beziehe ich AHV – ich sollte mich schämen.»

Bis zu ihrem 107. Geburtstag habe die Greisin praktisch alles um sich herum mitbekommen. In den vergangenen zwei Jahren seien ihre Gedanken jedoch immer öfter in die Vergangenheit geschweift, «Friedy wurde quasi immer jünger», erinnert sich Gerti Binz.

Zwar konnte sie noch jeden Morgen aufstehen und selbstständig essen, zuletzt sei sie aber schwach gewesen und habe selbst die engsten Angehörigen nicht mehr erkannt. Über Gesellschaft habe sie sich jedoch immer sehr gefreut, «lieb, dass ihr mich besuchen kommt, das vergess ich euch nie», habe sie jeweils gesagt. Wünsche habe sie keine mehr gehabt, sagt die Schwiegertochter, aber das Fest zu ihren Ehren, das hätte ihr grosse Freude bereitet. Nun wird Frieda Binz am 12. Januar bestattet.

Die älteste Schweizerin aller Zeiten bleibt Rosa Rein, die im Februar 2010 kurz vor ihrem 113. Geburtstag in einem Altersheim bei Lugano verstorben ist. (Der Bund)

Erstellt: 31.12.2017, 12:51 Uhr

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