Der Erklärer, der Köniz ins Sonnenlicht rücken will

Hansueli Pestalozzi kämpft für die Grünen ums Könizer Gemeindepräsidium. Wird er gewählt, will er seine Politik besser erklären, als es das Gremium heute tut.

Hansueli Pestalozzi radelt bei jedem Wetter durch Köniz.

Hansueli Pestalozzi radelt bei jedem Wetter durch Köniz.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Preisig@simsimst

«Parkplätze sind langfristig gesehen ein Auslaufmodell», sagt Hansueli Pestalozzi. Wenn auf Köniz’ Strassen einst selbstfahrende Autos unterwegs seien, benötigte niemand mehr Platz, um sein Fahrzeug abzustellen. Hat das Gefährt seine Gäste ans Ziel gebracht, fährt es laut Pestalozzi nämlich sofort weiter, um die nächsten Kunden abzuholen.

Dass Pestalozzi als grüner Politiker gegen Parkplätze kämpft, verwundert nicht. Doch ist seine Argumentation, die eine noch unreife Technik zur Grundlage nimmt, nicht etwas gar abenteuerlich? Zumindest für jemanden, der wie Pestalozzi am 24. September zum Gemeindepräsidenten von Köniz gewählt werden will. «Ich finde es wichtig, bei Entscheiden langfristige Entwicklungen zu berücksichtigen», sagt Pestalozzi überzeugt. Man müsse sich bewusst sein: Wenn man heute Infrastruktur realisiere, dann baue man diese für die nächsten 80 Jahre.

Pestalozzi will die Erde retten

Pestalozzi mangelt es nicht an Visionen und dem Blick fürs Ganze. Er weibelt für eine unterirdische Verlängerung des RBS via Inselspital bis Köniz sowie ein gemeindeübergreifendes Netz von Velohauptrouten. Und, wenn er wie vergangenes Jahr die Erdöl- und Kohle-Investements der Könizer Pensionskasse anprangert, dann geht es ihm auch darum, die Erde zu retten. «Den Klimawandel zu bremsen, ist die wichtigste Frage unserer Zeit», sagt Pestalozzi.

Doch droht Pestalozzi vor lauter grosser Welt-Probleme die kleinen Könizer Problemchen aus den Augen zu verlieren? Pestalozzi winkt ab. Seit er von der Könizer Ortschaft Mittelhäusern nach Wabern gezogen sei und dort als Vizepräsident des Quartierleists amte, bekomme er noch besser mit, was los sei. «Ich suche den Kontakt zu den Leuten», sagt er. So sei es an einem runden Tisch mit allen Beteiligten kürzlich gelungen, einen Kompromiss im Umgang mit der Gurtenstrasse zu finden. Diese kann nun vollständig geteert werden, wie es sich die Gurtenbahn gewünscht hatte. Es wird jedoch auch ein Zählgerät installiert, damit die von Anwohnern befürchtete Verkehrszunahme bemerkt würde.

Auch sonst hat Pestalozzi in Köniz bereits einiges erreicht. Seit zwölf Jahren politisiert er für die Grünen im Parlament, davon gehörte er sechs Jahre der Geschäftsprüfungskommission (GPK) an. Dass sich die Gemeinde, bevor sie ein Haus baut oder ein Gebäude renoviert, jeweils überlegt, eine Solaranlage aufs Dach zu montieren, ist zu einem grossen Teil Pestalozzis Verdienst.

Wie er dies erreicht: Pestalozzi begründet seine Vorstösse jeweils mit vielen Zahlen und Fakten. Wird sein Standpunkt angezweifelt, wird Pestalozzi nicht wütend. Im Gegenteil. Er erläutert seine Argumente noch genauer und liefert weitere Informationen. Auch wenn er Gemeindepräsident wird, will er genau erklären, was er tut. «Man muss Verständnis wecken für die Politik, die man macht», sagt er. Dies werde heute noch zu wenig getan.

Er bereut Wutausbrüche sofort

Angriffige Politik liegt Pestalozzi hingegen nicht. Zeigt er doch einmal seine Wut, bereut er dies meistens. Als sich die GLP im Parlament gegen die weitere Unterstützung des Infocenters Eichholz aussprach, bezichtigte er die GLP auf dem Kurznachrichtdienst Twitter, keine echte grüne Partei zu sein. Kurze Zeit später formulierte er die Nachricht diplomatischer.

Noch ist Pestalozzi weder Gemeindepräsident noch Gemeinderat, sondern Projektleiter im Bundesamt für Umwelt, wo er für die Veröffentlichung von Umweltdaten zuständig ist. Daten spielten im Leben von Pestalozzi immer wieder eine Rolle. So leitete er ein Entwicklungsteam für Lärm-Datenbanken und analysierte einst die traditionelle Landwirtschaft Boliviens, um herauszufinden, warum dort unter garstigen Bedingungen auf über 4000 Meter derart viele Kartoffeln gedeihen.

Doch droht sich der zahlenaffine Pestalozzi in den Details zu verlieren? Gerade als Gemeindepräsident ist es wichtig, die Übersicht zu behalten. «Ich habe gelernt zu priorisieren», sagt Pestalozzi . Dabei hätten ihm seine drei heute erwachsenen Kinder geholfen, eine Familie sei wie ein Miniunternehmen. Und Pestalozzi ergänzt: «Es gibt auch Momente, da muss man genau sein.» Und er erinnert daran, dass 2006 die Volksabstimmung über die Seniorenresidenz Schlossstrasse wegen eines Berechnungsfehlers wiederholt werden musste. Keinesfalls will er jedoch behaupten, er persönlich hätte genau diesen Fehler gefunden: «Dies ist reine Spekulation.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt