«Das Signal Ostermundigens geht an die ganze Region»

Der klare Entscheid des Ostermundiger Parlaments, eine Fusion mit Bern zu prüfen, habe «eine Tür» geöffnet, sagt der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL).

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) ist offen für Ostermundigen.

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) ist offen für Ostermundigen. Bild: Adrian Moser

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Herr von Graffenried, was bedeutet der Entscheid des Ostermundiger Parlaments vom Donnerstagabend?
Ich bin von der Klarheit des Entscheids überrascht. Das hat man weder in Ostermundigen noch in der Region so klar erwartet. Allgemein pflegen die Gemeindebehörden gegenüber dem Thema Fusion eine gewisse Zurückhaltung, weil sie Widerstand im Parlament und der Bevölkerung befürchten. Die Klarheit und Unaufgeregtheit der Debatte in Ostermundigen ist nun ein Wendepunkt. Das Parlament hat gezeigt, dass man über Fusion offen diskutieren kann und das Projekt sachlich prüfen kann.

Sie waren dort und haben nach der Sitzung mit den Parlamentariern angestossen: Wie war die Stimmung?
Die Ostermundiger freuten sich, dass ich da war. Mir scheint aber, dass sie sich noch gar nicht bewusst waren, welch markanten Schritt sie eben getan hatten.

Nämlich?
Sie haben eine Tür geöffnet, von der man immer dachte, sie sei schwierig zu knacken. Aber dann haben die Ostermundiger einfach den Schlüssel in die Hand genommen und die Tür geöffnet.

Erwarten Sie nun, dass Bern noch mehr Anträge erhält?
Das Signal Ostermundigens geht in die ganze Region. Die Debatte gestern zeigte, dass die viel zitierten Ängste vor einer Fusion in der Bevölkerung unter Umständen gar nicht vorhanden sind.

Würde sich Bern denn mehrere Bräute wünschen?
Der Gemeinderat ist offen für die umliegenden Gemeinden. Im Stadtrat werden wir diese Diskussion noch führen müssen. Die Initiative für konkrete Fusionsbegehren muss aber von den Nachbargemeinden ausgehen, wie in Ostermundigen, und nicht von der Stadt.

Haben Sie gestern Abend zusammen mit den Ostermundigern schon Pläne für eine Hochzeit geschmiedet?
Nein. Die Hochzeitsfeier ist noch nicht organisiert. Bis dahin ist es ein langer Weg. Aber wir wollen das Projekt noch vor den Herbstferien in Angriff nehmen und aufgleisen. Das kann nicht einseitig, sondern muss breit abgestützt geschehen. Das Berner Parlament und weitere Kreise wie Sozialpartner oder die Quartierkommissionen müssen ebenfalls einbezogen werden.

Was würde die Fusion für Bern bedeuten?
Die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden ist heute sehr aufwendig. Es gibt unzählige Gremien und Sitzungen. Wenn alle unter demselben Dach sind, werden die Abläufe viel einfacher und die Mitwirkung und Demokratie können gestärkt werden. Denn wir sind kulturell, wirtschaftlich und sozial ein Raum.

Ostermundigen ist aber eine arme Braut. Kann sich Bern eine solche leisten oder müssen bald auch die Berner mehr Steuern zahlen?
Die Einwohnerzahl Ostermundigens macht etwa zehn Prozent der Stadt Bern aus. Auch wenn die angeschlagenen Finanzen Ostermundigens eine Herausforderung sind, so kann Bern dies auffangen. Vor 100 Jahren wollten alle Gemeinden mit Bern fusionieren, sogar Muri. Die Stadt wies die Avancen aus finanzpolitischen Überlegungen zurück. Das war ein strategischer Fehler, den wir nicht wiederholen dürfen. Langfristig bietet die Fusion Entwicklungschancen.

Bei einer Verlobung sollten sich die Partner fragen, ob sie langfristig zusammenpassen. Tun das Bern und Ostermundigen?
Ja. Der Stadt-Land-Graben verläuft nicht zwischen Bern und Ostermundigen. In den letzten 30 Jahren haben sich die Nachbargemeinden der Stadt auch politisch stark angenähert. Die Gräben verlaufen nicht mehr so stark zwischen links und rechts, sondern zwischen urban-weltoffen und ländlich-abgeschottet. So gesehen passen Ostermundigen und Bern gut zusammen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.08.2018, 15:48 Uhr

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