Coca-Cola will in Bolligen mehr als 
90 Mitarbeiter auf die Strasse stellen

75 Jahre lang wurde Coca-Cola in und um Bern abgefüllt. Nun soll die Produktion in Zürich zentralisiert werden.

2003 weihte Coca-Cola in Bolligen die neue Anlage ein. Ende Jahr soll sie stillgelegt werden.

2003 weihte Coca-Cola in Bolligen die neue Anlage ein. Ende Jahr soll sie stillgelegt werden.

(Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Mischa Stünzi

Ein sichtlich stolzer Urs Hostettler führte den «Bund» unlängst durch die Abfüllanlage von Coca-Cola in Bolligen. «In meinen Adern fliesst Coca-Cola», scherzte er. «Nie käme es mir oder jemandem aus meiner Familie in den Sinn, Pepsi zu kaufen.» Seit über zehn Jahren arbeitet er für den Lizenznehmer Coca-Cola Hellenic Bottling, dem das Werk gehört. Bald wird damit Schluss sein. Gestern hat Coca-Cola Hellenic Bottling die Belegschaft darüber informiert, dass die Anlage in Bolligen geschlossen wird. Die Produktion wird am Hauptsitz in Dietlikon im Kanton Zürich zentralisiert. Neben Hostettler sind 90 weitere Mitarbeiter betroffen.

Dabei herrschte letztes Jahr noch Feststimmung in Bolligen. Hintergrund für die Betriebsführung mit Urs Hostettler war eine Reportage zum 50-Jahr-Jubiläum der Abfüllanlage im Nordosten von Bern. Das Unternehmen wollte herausstreichen, welch «nachhaltigen Beitrag zum Wirtschaftsstandort Bern» es leiste, als Arbeitgeber und als Steuerzahler. Im September wurden Vertreter der Gemeinde eingeladen, den runden Geburtstag zu feiern. Alle Bolliger erhielten eine Cola-Flasche mit Grussbotschaft, als «Dankeschön für ein halbes Jahrhundert gute Nachbarschaft».

Bolligen produziert effizient

18 Millionen Franken lässt sich Coca-Cola Hellenic Bottling die zusätzliche Abfülllinie in Dietlikon kosten. Das Unternehmen wolle mit dem Schritt «die Komplexität und Doppelspurigkeiten der bestehenden Infrastruktur reduzieren», lässt sich Tomas Gawlowski, der für das Geschäft in der Schweiz zuständig ist, im Communiqué zitieren.

Dass die Produktion in Zürich und nicht in Bern zusammengefasst wird, ­begründet das Unternehmen mit Dietlikons Potenzial für Kapazitätssteigerungen und der zentraleren Lage. Ähnliche Argumente wurden auch ins Feld geführt, als Coca-Cola Hellenic Bottling 2003 die Produktion in Lausanne stillgelegt und nach Bolligen verlegt hat. Dabei gäbe es durchaus auch Argumente für Bolligen. Die erst 2003 neu gebaute Anlage ist nämlich gemessen am Wasserverbrauch die effizienteste des Multis. Für einen Liter Coca-Cola verbraucht sie nur 1,3 Liter Wasser und übertrifft damit die langfristigen Ziele bereits heute deutlich. Zum Vergleich: Alle zwölf Anlagen der Gesellschaft verbrauchen im Durchschnitt pro Liter Getränk 1,83 Liter.

Zwar habe Bolligen nach Jahren harter Arbeit heute ein insgesamt «akzeptables Leistungsniveau» und eine herausragende Wasser- und Energieeffizienz, sagt Kommunikationschef und Geschäftsleitungsmitglied Patrick Bossart. «Dennoch erfordert die Anlage in Bolligen laufende Investitionen, um auf ak­tuellem Stand zu bleiben und die Leistungsfähigkeit zu erhalten.» Die Wasserpreise, die vor gut zwei Jahren in Bolligen gescholten und in Dietlikon als deutlich tiefer bezeichnet wurden (siehe Text rechts oben), hätten den Entscheid nicht beeinflusst.

91 Stellen weg, nur 15 neu hinzu

Wie viel Coca-Cola Hellenic Bottling mit der Zusammenlegung jährlich sparen wird, will das Unternehmen nicht kommunizieren. Es dürften zum grossen Teil Lohnkosten sein. Denn während in Bolligen 91 Arbeitsplätze eingespart werden, entstehen in Dietlikon nur 15 neue. Teile der Logistik werden zudem in ­Zukunft durch externe Auftragnehmer übernommen.

Die über 90 betroffenen Angestellten arbeiten hauptsächlich in den Bereichen Produktion, Logistik und betriebliche Nachhaltigkeit. Für sie seien finanzielle Abfindungen, Möglichkeiten zur Frühpensionierung sowie professionelle Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche geplant. Es läuft ein Konsultationsverfahren.

Eigentlich erschiene es naheliegend, dass den Betroffenen eine der 15 neuen Stellen angeboten würde. Doch Coca-Cola ist im Dilemma: Bossart sagt zwar, Mitarbeiter aus Bolligen hätten für «geeignete freie Stellen Vorrang». Prioritär scheint aber zu sein, dass die Produktion in Bolligen bis zum letzten Tag aufrechterhalten wird. Dafür bezahlt das Unternehmen separate Leistungsanreize.

Für 20 Angestellte, die weiterbeschäftigt werden, sucht das Unternehmen laut Bossart Büroräumlichkeiten in der Nähe von Bolligen. Nicht betroffen vom Entscheid seien die Mitarbeiter des Getränkeservice von Valser, der ebenfalls in Bolligen domiziliert ist.

Der Bund

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