Boxenstopp im Belpmoos

Ein Streit zwischen Mieter und Vermieter hat die Kartbahn im Belpmoos zur vorläufigen Schliessung gezwungen.

Im Kartpalais Belp werden zurzeit keine Runden mehr gedreht.

Im Kartpalais Belp werden zurzeit keine Runden mehr gedreht. Bild: Kohlermedia.ch

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Begeisterte Kartfahrer haben keine besonders grosse Wahl, wenn es um ihre Rennstrecken geht. Im Kanton Bern können die Lenker der kleinen Rennautos gerade mal zwischen drei Standorten auswählen. Keine gute Nachrichten also, dass nun auch noch eine der Bahnen – das Kartpalais im Belpmoos – wegen eines Streites zwischen Mieter und Vermieter geschlossen wurde. Seit diesem Herbst werden in der Anlage neben dem Belper Flugplatz bis auf weiteres keine Runden mehr auf den heissen Untersätzen gefahren. Ob und wie es weitergeht, ist unklar.

Das ist besonders ärgerlich für Kunden, die beispielsweise Gutscheine oder Abonnemente für die Rennbahn hatten. «Die Betreiber hätten die Schliessung wenigstens frühzeitig bekannt geben können, damit man die Gutscheine noch hätte einlösen können», sagt ein Kartfahrer und Szenenkenner, der nicht namentlich genannt werden möchte. Die Schliessung der Anlage sei offenbar sehr plötzlich erfolgt, weil sich Mieter und Vermieter in die Haare geraten seien und der Streit sogar zum Fall für die Justiz wurde.

Was hat sich also zugetragen bei der Kartbahn im Belpmoos, die erst drei Jahre zuvor ihre Tore geöffnet hatte? Nachfragen bei Mieter und Vermieter werden zunächst mit Telefonauflegen beantwortet. Schliesslich erklärt sich der Inhaber und Vermieter der Kartbahn, Peter Kehl, bereit zu einem Gespräch. Er ist Mitglied im Verwaltungsrat verschiedener Immobilien- und Bauunternehmen und hat mit einer dieser, Renova 2000, die Rennanlage gebaut.

Mieter verklagt

Seine Version der Geschichte geht so: Als die Kartbahn im November 2014 eröffnet wurde, sei es ein riesiger Erfolg gewesen. Viele Fahrer seien gekommen, und grosse Firmenanlässe seien in den Rennhallen über die Bühne gegangen. In dem angegliederten Restaurant sei anschliessend gegessen worden. Etwa zwei Jahre nach der Eröffnung wollte der heute 71-jährige Kehl die Anlage verkaufen und in den Ruhestand treten. Ein Interessent aus der Ostschweiz, Yvo Schwager, habe schliesslich einen Mietvertrag für die Halle unterschrieben und das gesamte Equipment der Kartbahn erworben.

Nach etwa sieben Monaten aber habe der neue Mieter den Zins nicht mehr bezahlt und sei verschwunden - «er war nicht mehr erreichbar», sagt Kehl. «Ich habe keinen Rappen mehr gesehen.» Und: «Der neue Mieter hat sich nicht um die Kunden gekümmert.» Das Geschäft sei immer schlechter gelaufen.

Schliesslich klagte Kehl vor Gericht gegen Schwager, wie er sagt, und erwirkte eine richterliche Verfügung, welche das Mietverhältnis für aufgelöst erklärte. Der Mieter, ebenfalls Verwaltungsrat in Immobilien- und Bauunternehmen, schaffte unterdessen die gekaufte Kartanlage aus der gemieteten Halle weg, um sie andernorts in der Ostschweiz aufzubauen. Deshalb sei die Bahn zurzeit geschlossen, sagt Kehl. «Sie ist nicht betreibbar.»

Neueröffnung mit «Attraktionen»

Ob der Rennpalast wieder eröffnet wird? Vor Weihnachten war die Halle auf einer Immobilienplattform für 8,5 Millionen Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Der wahrscheinliche Fall sei aber, so Kehl, «dass wir eine neue Kartanlage einbauen werden». Diese soll im Frühling wieder aufgehen. Und später mit zusätzlichen «Attraktionen» erweitert werden. Mehr will Kehl dazu nicht sagen. Ferner habe man vor, auf die Kunden, welche noch Gutscheine oder Abos besitzen, zuzugehen. «Wir haben den Schaden zwar nicht verursacht, werden ihn aber beheben», so Kehl.

Die andere Sicht auf die Geschichte ist nicht zu erfahren. Der Ex-Mieter, Yvo Schwager, wollte sich trotz mehrmaliger Nachfrage nicht äussern und verwies auf seinen Treuhänder in Thun. Aber auch dieser sagt: Kein Kommentar. Klar wird nur, dass die Zusammenarbeit mit Kehl nicht einfach gewesen ist. «Der Mieter hat unter dem Vermieter gelitten», sagt der Szenenkenner. (Der Bund)

Erstellt: 12.01.2018, 06:22 Uhr

Eine kleine Szene

1955 verloren bei einem 24-Stunden-Auto-Rennen im französischen Le Mans 84 Menschen ihr Leben, als es bei einem Überholmanöver zum Unfall kam.

Der Unfall hatte in der Schweiz politische Folgen. Bis heute sind Rundstreckenrennen verboten. Auch weil es am Grand Prix von Bern im Bremgartenwald immer wieder zu tödlichen Unfällen kam.

Dieses Verbot habe Auswirkungen auf die Kart-Szene gehabt, wie Yves von Aesch, Inhaber der Kartbahn Lyss, sagt. Der Motorsport sei nicht sehr berühmt, und viele Autorennen fänden im Ausland statt. In Lyss trainieren aber immer mal wieder in der Szene bekannte Rennfahrer wie Neel Jani oder Nico Müller, sagt von Aesch.

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