Bolligens Fernwärme rückt in weite Ferne

Der Kanton hat ein Fernwärmeprojekt in Bolligen gestoppt. Jetzt beklagt sich der Gemeindepräsident.

An diesem Standort an der Krauchthalstrasse hätte die Gemeinde Bolligen eine Fernwärmezentrale bauen wollen.

An diesem Standort an der Krauchthalstrasse hätte die Gemeinde Bolligen eine Fernwärmezentrale bauen wollen. Bild: Screenshot Google Maps

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Rudolf Burger scheint die Welt nicht mehr zu verstehen. Der Bolliger Gemeindepräsident ist enttäuscht, dass der Kanton nichts von der geplanten Fernwärmeanlage wissen will. Für das privat finanzierte Projekt hatte die Gemeinde einen «idealen Standort» gefunden, wie Burger mitteilt, weit oben im Dorf. Die Lastwagen mit den Holzschnitzeln hätten «nicht durch ganz Bolligen fahren müssen». «Nur einen Nachteil» hatte der Standort laut Burger: «Er liegt in der Landwirtschaftszone.»

Seit ungefähr zwei Jahren plane die Gemeinde an diesem Projekt und damit «an der Energiewende», schreibt er. Die Heizanlagen verschiedener grösserer Überbauungen müssten nächstens erneuert werden. Mehrere Wohngebiete hätten durch diese Fernwärmeversorgung verbunden werden können. Ein bereits beigezogenes Ingenieurbüro habe das Projekt positiv beurteilt. Das Fazit der Experten: «Fernwärme – wenn nicht in Bolligen, dann wo?» Und nun soll alles nichts sein. Burger verweist auf mehrere Treffen mit Kantonsvertretern. Ihre Antwort sei eindeutig gewesen: Nein zu einer Heizzentrale in der Landwirtschaftszone. Was Burger in seiner Mitteilung schreibt, klingt leicht frustriert. Er erinnert an Veranstaltungen des Kantons zur Energiewende, wo die Gemeinden aufgefordert würden, «auch einen Beitrag zur Energiewende zu leisten». Und nun bleibt ihm nichts als zu konstatieren, dass von der an solchen Anlässen angebotenen Hilfe nichts zu spüren sei – und dass der «gleiche Kanton» in Meinisberg einen Platz für Fahrende einrichte – ebenfalls in der Landwirtschaftszone. «Da spielen die Paragrafen offenbar keine Rolle.»

«Die Gesetze lassen sich nicht aushebeln»

Beim Kanton wird das Nein bestätigt: «Wir mussten der Gemeinde leider aufzeigen, dass der Neubau so wie sie ihn planen, nicht geht», sagt Bruno Mohr, Leiter der Abteilung Bauen im Amt für Gemeinden und Raumordnung. Dem Bauvorhaben stehe die Grundidee des Raumplanungsgesetzes und damit das öffentliche Interesse entgegen. Diese Grundidee lässt sich auf einen einfachen Punkt bringen: keine weitere Zersiedelung. Gebäude wie Heizzentralen seien in der Landwirtschaftszone nicht möglich, sagt Mohr, ausser wenn sie ein kleinerer Teil wären eines weiterhin bestehenden Landwirtschaftsbetriebs sowie in ein vorhandenes Gebäudevolumen eingebaut würden. Das aber wäre in Bolligen nicht der Fall. «Die Gesetze lassen sich nicht aushebeln», sagt Mohr.

Justizdirektor Christoph Neuhaus (SVP) bestätigt dies. Auch wenn er ein gewisses Verständnis für das Bolliger Anliegen aufbringen könne, so gebe es das Gesetz, «und daran haben wir uns zu halten». Den Vergleich mit dem Platz für Fahrende lässt er nicht gelten. Dafür gebe es ein nationales Interesse, und es würden auch nicht Dutzende solcher Plätze erstellt. «Wenn wir aber eine Heizzentrale in der Landwirtschaftszone bewilligen, dann wollen das alle.» (Der Bund)

Erstellt: 12.11.2015, 08:05 Uhr

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