Berner Velopionier kritisiert Festival «Hallo Velo»

Gemäss Bendicht Luginbühl ist die Strecke des Festivals «Hallo Velo» in der Region Bern nicht für die Massen geeignet. Er fordert einen Start wie in New York.

Am «Hallo Velo»-Festival konnten auch neben der Strecke viele Posten besucht werden.

Am «Hallo Velo»-Festival konnten auch neben der Strecke viele Posten besucht werden. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Vom Bundesplatz in der Stadt Bern nach Münsingen und wieder zurück: Auf einem 40 Kilometer langen Rundkurs konnten sich am Sonntag Velofahrer im Rahmen des Festivals «Hallo Velo» bewegen. Nach Schätzungen der Organisatoren waren 15'000 Personen dabei, im Vorfeld hatten die Verantwortlichen gehofft, es würden 20'000 sein.

Der Berner Velopionier Bendicht Luginbühl absolvierte die Strecke am Sonntag zweimal. Eigentlich sei er gegenüber «Hallo Velo» ausserordentlich positiv gestimmt, sagt er. Luginbühl nahm schon vielerorts auf der Welt an ähnlichen Events teil, fuhr etwa mehrfach am Bike New York mit, wo bis zu 33'000 Velofahrende am Start sind. Das Berner Velofest sieht Luginbühl jedoch kritisch. «Es hatte enttäuschend wenig Velofahrer», sagt er. Er liefert auch gleich eine Erklärung: «Der Massenevent kann nur mit einem Massenstart gelingen.»

Schotterwege und Flaschenhälse

Gemäss Luginbühl ist die gewählte Strecke für potenzielle 20'000 Velofahrer «absolut nicht» geeignet. «Eine derartige Grossveranstaltung kann nur auf breiten, geteerten Strassen durchgeführt werden, auf denen alle Velofahrer, unbesehen von ihren Fähigkeiten, gefahrlos rollen können. Lange Abschnitte auf schmalen Schotterwegen und zu viele Flaschenhälse sind Hindernisse, die keinesfalls massentauglich sind.»

Luginbühl, der eine derartige Veloveranstaltung auch als «Demonstrations- und Motivationsfahrt für die Sache des Velos» sieht, favorisiert einen Massenstart wie bei «Bike New York», der nach seinen Angaben auf der Berner Allmend auch problemlos abgewickelt werden könnte.

Der Velo-Publizist regt an, die Politiker in die Pflicht zu nehmen: «Mit konsequent gesperrten Hauptstrassen und einem Massenstart könnte ein exklusives Massenerlebnis erzeugt werden, das allen Leuten zeigt, wie wir auf Velos eine abgasfreie Zukunft unterstützen können.» Einmal im Jahr, so Luginbühl, müsste der politische Wille zu generieren sein. «Was die New Yorker in ihrer Megacity schaffen, muss auch in der Hauptstadt der Schweiz machbar sein.»

Teuscher denkt an Bogotá

Derweil ziehen die Organisatoren eine positive Bilanz. «So viele strahlende Augen und lachende Gesichter sah ich in Münsingen schon lange nicht mehr», sagte Gemeindepräsident Beat Moser (Grüne), der zusammen mit der Berner Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) den Anlass initiierte. Teuscher fuhr den Rundkurs mit ihrem Alltagsvelo ab. Ihr gefiel, dass Leute unterschiedlichen Alters anzutreffen waren und sich jeder Ort entlang der Strecke herausgeputzt hatte. Der Anlass, so Teuscher, sei ein gutes Beispiel dafür, dass die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Region Bern funktioniere.

Das Velofestival in der Region Bern soll künftig jährlich am ersten Sonntag im August stattfinden – 2018 am 5. August. Teuscher geht noch weiter: «Man könnte sich überlegen, jeden Sonntag einen solchen Anlass durchzuführen.» In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá sei dies bereits der Fall.

Sonntag für Sonntag würden dort über 100 Kilometer Strassen, zum Teil sogar Autobahnen, für den motorisierten Verkehr gesperrt. «Die Regierung in der Millionenstadt Bogotá motiviert mit den autofreien Sonntagen die Bevölkerung, draussen zu sein und sich zu bewegen.» (Der Bund)

Erstellt: 07.08.2017, 06:33 Uhr

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