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Polizei will vom Berner Waisenhausplatz wegzügeln

Im neuen Zentrum in Niederwangen soll Berns Polizei zentralisiert werden. Die Kaserne beim Waisenhausplatz in der Berner Innenstadt ist deshalb bald zu gross. Nun wird Ersatz gesucht.

Die Visualisierung des Siegerprojekts «EINS EINS SIEBEN».
Die Visualisierung des Siegerprojekts «EINS EINS SIEBEN».
Maaars Architektur, Zürich
Visualisieriung des gesamten Gebäudes an der Autobahn A12.
Visualisieriung des gesamten Gebäudes an der Autobahn A12.
Maaars Architektur, Zürich
Situationsplan des neuen Polizeizentrums auf dem Areal Juch-Hallmatt in Niederwangen.
Situationsplan des neuen Polizeizentrums auf dem Areal Juch-Hallmatt in Niederwangen.
Maaars Architektur, Zürich
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In neun Jahren werden 1300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Berner Kantonspolizei in Niederwangen arbeiten. Das sind fast so viele, wie das Dorf heute Einwohner hat. Wird also bald jeder zweite im Dorf ein Polizist sein? Nein. Hauptsächlich sollen im neuen Polizeizentrum Büros für die verschiedenen Abteilungen der Polizei untergebracht werden: etwa die Abteilung für Einbrüche, für Personenschäden oder die Kriminaltechnik mit ihrem Labor. Sie sollen durch die Nähe enger und damit besser zusammenarbeiten können. Denn viele Fälle, die die Polizei bearbeitet, betreffen mehr als eine Abteilung.

Von 18 Standorten, an denen Polizeiangestellte in der Region Bern heute arbeiten, sollen 9 aufgehoben werden und nach Niederwangen ziehen. Das seien aber vor allem Verwaltungsstandorte, sagte der kantonale Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP). «Wir wollen keine Polizeiwachen aufgeben.»

Damit hat er für den Moment auch die Frage beantwortet, die die Stadt-Berner und -Bernerinnen am meisten unter den Nägeln brennt. Was geschieht mit der Polizeikaserne am Waisenhausplatz? Das Kunstmuseum würde die Kaserne nämlich gerne für Ausstellungen nutzen.

Teure Miete im Waisenhaus

Die Polizeikaserne bleibt im Waisenhaus. Vorerst zumindest. Denn die Polizei benötige einen zentralen Standort in der Stadt Bern, sagt Neuhaus. Die Polizisten müssten in sieben Minuten vor Ort sein, wenn sie gerufen würden, erklärt er. «Und fliegen können sie noch nicht.» Eskaliere zum Beispiel eine Demonstration, dann müssten sich die Polizisten in der Innenstadt sammeln können. Auch Fahrzeuge und Geräte, wie die Wasserwerfer müssten in der Nähe der Kernstadt stationiert sein.

Allerdings ist Neuhaus auch offen dafür, die Wache mitsamt der Kaserne an einen anderen Standort in der Innenstadt zu verlegen. Der Kanton zahlt der Stadt Bern über zwei Millionen Franken Miete pro Jahr für die Gebäude am Waisenhausplatz und würde diese Kosten gerne verringern. Der neue Standort müsse aber den Bedürfnissen der Polizei entsprechen, also zentral liegen und gross genug sein. Die Suche nach einer Alternative sei bereits angelaufen, sagte Neuhaus auf Nachfrage des «Bund». Doch Konkretes will er nicht sagen. Auch nicht, ob zum Beispiel die ehemaligen Räume der Sanitätspolizei an der Predigergasse geprüft worden seien. Dort möchte der Verein Tankere seit vier Jahren einen Jugendclub einrichten. Doch Anwohner blockieren das Projekt aus Angst vor Lärm mit Einsprachen.

Ringhof wird frei

Herzstück des neuen Zentrums in Niederwangen wird aber die Polizeizentrale sein. Sie wird vom Ringhof in der Berner Lorraine in das neue Gebäude ziehen. Auch der Ringhof ist in der Stadt Bern von Interesse. Ein Verein, den die Alternative Linke (AL) ins Leben gerufen hat, möchte darin ein Haus für Vereine einrichten. Andere wünschen sich dort günstige Wohnungen oder eine Belebung der Lorraine. Im Juni beauftragte der Stadtrat den Gemeinderat, mit dem Kanton über einen möglichen Kauf zu verhandeln.

Der Berner Gemeinderat habe das Interesse am Ringhof unterdessen beim Regierungsrat deponiert, so Neuhaus. Mehr sei noch nicht geschehen. Denn man müsse zuerst abschätzen können, ob die Polizei zum geplanten Zeitpunkt auch wirklich ausziehen könne. «Dann können wir die Zukunft des Ringhofs bestimmen.» Vor zwei Jahren, als noch Barbara Egger (SP) die kantonale Baudirektorin war, wollte der Kanton den Ringhof entweder selbst nutzen oder am Markt verkaufen.

«Tütschi» mit Gitter

Neuhaus stellte gestern vor den Medien das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs für das neue Polizeizentrum in Niederwangen vor. Ein «Tütschi» sei es, salopp gesagt, sagte er. Trotzdem wirke es luftig und leicht, dank der Fassadenstruktur aus Holz. Neuhaus konnte sich aber nicht verkneifen, die Struktur mit Gittern vor Gefängnisfenstern zu assoziieren. «Das ist wohl auch nicht ganz falsch.»

Das Team der Zürcher Mischa Badertscher Architekten und der Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten aus Bern hat den Projektwettbewerb gewonnen und wird das Polizeizentrum in Niederwangen bauen. 2027 soll es fertig sein. Ein Kredit von 270 Millionen Franken ist bewilligt.

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