In 38 Minuten von Meiringen nach Oberwald

Die Grimselbahn AG und Swissgrid spannen für ein Tunnelprojekt zusammen. Eine neue Machbarkeitsstudie gibt Auskunft über die Möglichkeiten.

Die Strommasten am Grimselpass würden dank der «Tunnel»-Verlegung der Leitung verschwinden.<p class='credit'>(Bild: Keystone Peter Schneider)</p>

Die Strommasten am Grimselpass würden dank der «Tunnel»-Verlegung der Leitung verschwinden.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Die Idee Grimselbahn ist alt. Im Jahr 1860 scheiterte der Bau eines Bahntunnels durch das Grimselmassiv an einem anderen Grossprojekt: dem Gotthardtunnel. Seither wurde immer wieder versucht, die Leute von dem Vorhaben zu überzeugen. Bisher ohne Erfolg.

Nun liegt eine Machbarkeitsstudie für ein Gemeinschaftsprojekt der Swissgrid, der Schweizer Stromnetzbetreiberin, und der Grimselbahn AG vor, welches zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will. Swissgrid muss in den kommenden zehn Jahren Teile ihres Stromnetzes erneuern. Dazu könnten die bestehenden Stromleitungen auf der Grimsel unter die Erde verlegt werden. Für die Bahn steht das touristische Angebot im Vordergrund. Durch den Tunnel zwischen Meiringen und Oberwald könnten zwei Schmalspurnetze, die Matterhorn-Gotthard-Bahn und die Zentralbahn, miteinander verbunden werden, was die Fahrzeit um rund drei Stunden verringern würde.

Beide Bahnen steuern wichtige Feriendestinationen an: «Wir verbinden Montreux mit St. Moritz und Zermatt mit Luzern», sagte Jean-Michel Cina, Walliser Volkswirtschaftsdirektor, am Donnerstag vor den Medien in Bern. Insgesamt entstünde so ein Schmalspurnetz von rund 850 Kilometern – das längste der Welt. Die neue Machbarkeitsstudie legt nun die Kosten offen. Teurere Variante für Swissgrid

Die Swissgrid hat in ihrer Strategie für das Jahr 2025 mehrere Standorte eruiert, welche aufgerüstet werden müssen. Darunter auch die Hochspannungsleitungen, welche über den Grimselpass verlaufen. Würde das Projekt angenommen, könnten rund 121 Strommasten und 22 Kilometer Stromleitungen abgebaut werden. Einige davon im Grimselschutzgebiet. Da das Bahn- wie auch das Stromprojekt zusammengelegt werden, entstehen Kostenersparnisse.

Würde der Kabelstollen von Swissgrid alleine gebaut, so entstünden Kosten von rund 490 Millionen Franken. Bei einem Alleingang der Grimselbahn wären mit 430 Millionen Franken zu rechnen. Ein gemeinsamer Tunnel für Kabel und Bahn kostet allerdings nur rund 580 Millionen Franken. Also je 290 Millionen Franken für beide Parteien.

Für Swissgrid ist aber ein Tunnel nicht unerlässlich. Eine Erneuerung der bisherigen Leitungen mit den nötigen Sicherheitsmassnahmen würden laut Yves Zumwald, Swissgrid-Chef, rund «100 bis 150 Millionen Franken» kosten. Dies sind 100 bis 140 Millionen weniger als für die Tunnelversion. Irene Fischbach, Kommunikationsverantwortliche Swissgrid, sagt auf Anfrage: «Nebst den Kosten sind wir verpflichtet, bei unseren Projekten auch raumplanerische und technische Aspekte sowie den Umweltschutz zu berücksichtigen.» Es sei ausserdem Teil des offiziellen Verfahrens, beide Varianten, Freileitungen wie auch Verkabelung, zu prüfen.

Touristenattraktion

Wer profitiert sonst vom Grossprojekt? Eine Marktstudie der Universität St. Gallen geht davon aus, dass die Strecke jährlich von rund 400'000 Personen befahren würde. Weiter würden in der Region rund 35 Arbeitsplätze geschaffen und eine zusätzliche Wertschöpfung von 5 bis 5,5 Millionen Franken generiert. «35 Arbeitsplätze klingt nicht nach viel», sagte Peter Teuscher, Verwaltungsratspräsident der Grimselbahn AG. «Hochgerechnet auf Bern würde dies einem Zuwachs von 1500 Arbeitsplätzen gleichkommen.» Dies dürfte den strukturschwachen Bergregionen Erleichterung bringen.

Ausserdem erhoffen sich die Initianten durch das grosse Streckennetz einen touristischen Mehrwert. So könnte man «neue Ferienkombis und Reise-Angebote» machen, so Barbara Egger-Jenzer, bernische Baudirektorin. Dies dürfte vor allem für die grossen Tourismusdestinationen von Vorteil sein.

Die Frage bleibt aber offen, ob die Gelder an einem anderen Ort nicht eine höhere Wertschöpfung generieren würden. Das Projekt ist laut Barbara Egger-Jenzer auf eine Finanzierung über den Bahninfrastrukturfonds (Fabi) angewiesen. Was dem Fonds entnommen wird, dürfte also an einem anderen Ort fehlen. Im Frühling 2019 wird das eidgenössische Parlament über die eingereichten Projekte entscheiden.

Der nächste Schritt für die Verantwortlichen wird deshalb sein, eine detaillierte Projektplanung zu erstellen. Die Kosten dafür von rund sechs Millionen Franken werden von Swissgrid und den Kantonen Bern, Wallis, Uri, Graubünden und Tessin getragen. Auch die Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden prüfen zurzeit eine Beteiligung. Die Initianten rechnen mit einer Bauzeit von sechs Jahren bis Inbetriebnahme. Der Tunnel soll bis 2025 fertiggestellt sein.

Der Bund

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