Beizenfrühling im Belpmoos

Der Aviatik-Unternehmer Alex Gribi wagt sich unter die Gastronomen: Im umgebauten Proppellerstübli eröffnet seine Familie ein neues Restaurant.

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Nicht nur im Fluggeschäft ist Skywork-Gründer Alex Gribi ein risikofreudiger Typ: In den letzten Monaten investierte der umtriebige Berner viel Zeit und Geld in den Umbau des altehrwürdigen Propellerstübli am nördlichen Ende des Flughafens Bern. Ab kommenden Samstag können Ausflügler, Büezer und Piloten etwa auf einer neuen Sonnenterrasse seines Restaurants Gribi’s Eat & Drink sich einen Drink genehmigen oder im luftigen Wintergarten ein Menü verspeisen. Und zwar mit Blick auf die Piste und Flugzeughangars. «Ich will meiner Familie einmal etwas Schönes hinterlassen», sagte der 73-jährige Aviatik-Pionier am Mittwoch am Eröffnungs-Apéro. Seine beiden Söhne Matteo und Manuel mussten noch eifrig anpacken – noch ist der Umbau des 100 Sitzplätze umfassenden Lokals nicht ganz fertig. «Wir sind ein Familienbetrieb. Das soll man auch spüren», so Gribi.

20 Jahre lang führten Hans und Margrit Kühni zuvor das Propellerstübli in einer alten Baracke am Pistenrand, Ende 2015 gingen sie in Pension. Die Gläser klirrten oftmals, weil der instabile Boden Schwingungen auslöste. Von diesem Groove ist im komplett renovierten Gribis nur noch wenig zu spüren: «Wir wollen ein pfiffiges Restaurant mit Stil sein», sagt Wirtin Yvette Gribi, Ehefrau des Aviatik-Unternehmers. Die Holländerin hat breite Erfahrung in der Gastrobranche und führte einst die Schwellenmätteli-Lounge in Bern. Neben Klassikern wie Schnipo oder Roastbeef finden sich diverse Wochenspecials auf der Karte, wie etwa Gribis paniertes Kalbsschnitzel mit gebratenen Bananen und Nudeln. Zweimal monatlich gibt es zudem einen Sonntagsbrunch. Die Preise sind moderat.

Burger im Terminal

Punkto Gastronomie hat sich auf dem Belpmoos zuletzt einiges getan. Erst Mitte April feierten die Flughafen-Verantwortlichen die Wiedereröffnung des Charly’s Check In. Die Gastrokette ZFV hat das Beizli im Terminalgebäude ausgebaut und das Essensangebot erweitert. An massiven Holztischen können dort neuerdings Flugpassagiere, Flughafen-Angestellte wie Aviatik-Fans Hamburger oder Pasta-Menüs verspeisen. Bald soll eine Sitz-Lounge hinzukommen. An Wochenenden steht gar ein Bratwurststand auf dem Vorplatz des Terminals und buhlt um die Gunst der Passanten und Passagiere.

Zank wegen Bratwurststand

Dies, obschon nur einen Steinwurf entfernt das seit den 1950er-Jahren bestehende Flughafenrestaurant ebenfalls Bratwürste verkauft. «Es ist wie eine Seuche. Die vielen Beizen graben sich hier selbst das Wasser ab», bedauert Ernst Bürki, Inhaber des Airport Hotel. Denn das Geschäft sei extrem wetter- und saisonabhängig. «An schönen Sonntagen sind wir voll. Im Winter ist hier aber fünf Monate lang tote Hose. So lässt sich kaum Geld verdienen.»

Die Flughafenbeiz hat eine bewegte Geschichte hinter sich: In den 2000er-Jahren war das Lokal fünf Jahre geschlossen, ehe es für zwei Millionen Franken renoviert wurde und 2008 wieder aufmachte. Zuletzt wollte der 68-jährige Unternehmer im ersten Stock ein Cabaret eröffnen. Dagegen sträubte sich aber der Flughafen und reichte Einsprachen ein. Das Propellerstübli habe hingegen in den vergangenen Jahren immer einen «gesunden Umsatz» erzielt, sagt Gribi. Die Familie sieht ihr neues Lokal nicht als direkte Konkurrenz zu den bestehenden Beizen. «Im Belpmoos hat es viele Biker, Hündeler oder Rollerblader. Diese sollen zu uns kommen. Und natürlich die Piloten», so Gribi. (Der Bund)

Erstellt: 20.04.2016, 18:36 Uhr

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