Beat Feurer hofft auf Wirkung des Umbaus im Sozialdienst

Die Sozialhilfezahlen in Biel sind bisher nicht gesunken. Untätig war man aber nicht.

«Effizienz soll künftig die Arbeitskultur in der Abteilung Soziales prägen» so Beat Feurer (SVP) zur Reorganisation des Sozialdienstes.

«Effizienz soll künftig die Arbeitskultur in der Abteilung Soziales prägen» so Beat Feurer (SVP) zur Reorganisation des Sozialdienstes.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Reto Wissmann@RetoWissmann

Es wäre zu schön gewesen: Der Bieler Sozialdirektor Beat Feurer (SVP) hat am Dienstag den erfolgreichen Abschluss der Reorganisation seines Sozialdiensts verkündet. Gleichzeitig wurden in Bern die neusten Vergleichszahlen zur Sozialhilfe publiziert. Diese sind für Biel jedoch nicht erfreulich. Mit 11,6 Prozent (Vorjahr 11,5 Prozent) beziehen in Biel immer noch mehr Leute Sozialhilfe als in den anderen 13 untersuchten Städten. Sein Wahlversprechen konnte Feurer bis kurz vor den städtischen Erneuerungswahlen somit nicht einlösen.

Er wolle jedoch an seinem Ziel festhalten, betonte Feurer. «Effizienz soll künftig die Arbeitskultur in der Abteilung Soziales prägen», so der Gemeinderat. Um dieses Credo umzusetzen, hat er sich nach personellen Turbulenzen vor gut einem Jahr Thomas Michel als neuen Chefbeamten an Bord geholt. Offenbar hat dieser die Reorganisationen zügig an die Hand genommen und konnte am Dienstag Ergebnisse präsentieren.

So wurde zum Beispiel ein internes Revisorat aufgebaut, das sich bei Verdacht auf Sozialhilfemissbrauch einschaltet. «Aufmerksame Sozialarbeitende wurden bisher mit Mehrarbeit bestraft, wenn sie Missbrauchsfällen nachgegangen sind», sagte Michel, «diesen Fehlanreiz haben wir mit dem neuen Controlling beseitigt». Neu erhalten die Sozialarbeitenden auch eine administrative Assistenz zur Seite.

Die Fachleute könnten sich somit mehr um ihre Klienten kümmern und bräuchten weniger Zeit für administrative Arbeiten. Weiter wurden die rund 4000 Dossiers neu kategorisiert. Die Ressourcen werden künftig gezielt dort eingesetzt, wo die Chancen auf eine Reintegration in den Arbeitsmarkt am grössten sind.

Ziel: Besser als der Durchschnitt

Beat Feurer und sein Abteilungsleiter hüten sich davor, die angestrebte Senkung der Sozialhilfequote zu quantifizieren. «Da spielen Faktoren wie etwa die Konjunktur eine Rolle, die wir nicht beeinflussen können», so Feurer. Konkrete Ziele wurden dennoch definiert.

Bisher sei man bei den Kennzahlen «jenseits» des kantonalen Durchschnitts gewesen. Neu will man zum Beispiel bei der Falldauer, der Rückfallquote oder der Missbrauchsbekämpfung besser sein als der Durchschnitt. Daran wird sich Feurer in einigen Jahren – wenn er dann noch im Amt ist – messen lassen müssen.

Politisch ist der Bieler Sozialdirektor weiterhin harter Kritik ausgesetzt. Während ihm bisher vor allem Untätigkeit vorgeworfen worden war, kritisiert ihn die Linke jetzt als Hardliner: Die kürzlich erfolgte Senkung der Mietzinslimiten für Sozialhilfebezüger sei «menschenunwürdig» und verfolge lediglich das Ziel, «sozial Schwache aus der Stadt zu vertreiben», schreibt das Wahlbündnis der linken Parteien. Feurer reagiert gelassen. Die Senkung der Limiten sei bei sinkenden Hypothekarzinsen vertretbar. Wahltag ist am 25. September.

Der Bund

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