Aufgetischt: «Hüt Abe» bei den jungen Schnäuzen

Ein Testessen in Meikirch, wo sich der Gasthof Bären zum Geheimtipp auf dem Land gemausert hat.

Anita Bachmann@anita_bachmann

Wenn man nicht aufpasst, ist man aus Meikirch raus, ehe man sichs versieht. Auch kulinarisch würde man hier nichts Spezielles erwarten, selbst der Name der einzigen Beiz im Dorf, Gasthof Bären, verspricht nichts Besonderes. Es hat sich aber bereits ein bisschen herumgesprochen, dass der Bären ein Geheimtipp auf dem Land ist. Die Betreiber nennen ihr Unternehmen Jungschnouz Gastro GmbH. Dieser Name verrät zumindest, dass hier junge und kreative Leute am Werk sind. Unbekannt sind sie aber auch in der Stadt nicht: Samuel Messini und David Bäumlin führen im Sommer auch das Bistro im Liebefeld Park in Köniz.

Bier aus Kallnach und Rind vom Biobauer

Vom Dorfbeiz-Mief ist nichts übrig­geblieben, es war das erklärte Ziel der Junggastronomen, den Gasthof aufzufrischen. Auch wenn sie nun schon ein paar Jahre hier wirten, wirkt alles noch wie frisch gestrichen. Das Interieur ist rustikal und modern zugleich. Da die Karte klein und übersichtlich ist, verliert man wenig Zeit mit dem Menüsuchen und hat stattdessen Zeit, das Aare-Bier (Stange Fr. 3.50) zu geniessen. Das schmackhafte Bier wird im nahen Kallnach hergestellt.

Das aktuelle Menü «hüt Abe» präsentiert Bäumlin auf einer Schiefertafel. Das grillierte Rindspaillard vom Biobauer an mediterranen Ofenkartoffeln mit Limettenbutter (Fr. 32.50) hört sich so überzeugend an, dass sich die Testesserin nicht weiter in die Karte vertiefen mag. Die Begleitung entscheidet sich ab der Karte für das grillierte Schweinsmedaillon auf Rahmsauerkraut mit Grünpfeffersauce und gebratenen Speckkartoffelgnocchi (Fr. 33.50).

Vorab wird als Amuse-Bouche ein mit Brie überbackenes Crostino mit Oliventapenade serviert. Dann kommen die georderten Vorspeisen. Die grünen Oliven (Fr. 4.50) sind mit ein paar Bröckelchen Parmesan angereichert und der gemischte Blattsalat mit Meaux-Senf-Honigsauce (Fr. 8.50) schmeckt der Begleitung hervor­ragend. Währenddessen wird in der Küche hörbar gearbeitet. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Koch gerade das Paillard dünn klopft.

Zu volle Bäuche für das Dessert

Auch wenn es keine separate Menükarte für Kinder gibt, können auch kleine Gäste im Gasthof Bären glücklich werden. Auf der «Kleinen Karte» gibt es etwa eine Kalbsbratwurst mit Pommes frites (Fr. 12.–), wozu im Saucenkännchen eine feine Kräuter­mayonnaise serviert wird. Die grossen Hauptspeisen erfüllen die Erwartungen: Das Rindspaillard ist dünn und zart und das Rahmsauerkraut mit Pfeffersauce ein Geschmackserlebnis. Einziger Makel, den man an dieser Stelle anbringen kann: Die Speisen dürften ein Quäntchen wärmer sein. Zumal man sich ja nicht wie die Gallier über das Essen hermacht.

Leider sind unsere Bäuche danach so voll, dass wir auf das Dessert verzichten müssen. Obwohl wir vom Nachbartisch eine sehr verlockende Auswahl an Süssspeisen vernehmen: Schokoladenkuchen (wenn man Schokolade gerne habe, liege man damit richtig, sagt der Kellner), Crema catalana oder Orangen-Dattel-Salat. Mit der Bedienung ist man nicht nur Duzis, es ist auch sonst sehr ungezwungen. David Bäumlin lässt sich mit seinen Gästen gerne in kurze Unterhaltungen verwickeln und gibt bereitwillig Auskunft. Etwa darüber, wo er das Biofleisch bezieht. Es stammt, und das passt gut zum Konzept, vom Bio-Pionier und Metzger Res Bärtschi aus Schüpfen. Verabschiedet werden wir schliesslich mit dem ehrlich gemeinten Satz: «Ich hoffe, es hat euch bei uns gefallen.» – Ja, es hat uns bei euch gefallen.

Der Bund

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