«Aufgetischt»: Gribi’s Eat & Drink Bern Airport, Belp

Zwar sind wir ferienreif, doch die Ferienzeit ist bei uns noch nicht angebrochen. Als Ersatz dient uns ein Ausflug ins «Mösli».

Skywork-Gründer Alex Gribi in seinem Lokal am Belper Flughafen.

Skywork-Gründer Alex Gribi in seinem Lokal am Belper Flughafen. Bild: Adrian Moser

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Dort hat Berns Flugpionier, der Skywork-Gründer Alex Gribi, mit Ehefrau Yvette im Frühling 2016 das Propellerstübli übernommen und renoviert. Nun heisst das Beizli, das man vor lauter parkierten Velos fast übersieht, Gribi’s Eat & Drink Bern Airport. Zum Glück haben wir reserviert, denn die paar Tische auf dem Sitzplatz füllen sich rasch. Drinnen, im niedrigen Gastraum, der etwas an eine Schiffsbeiz erinnert, wäre genug Platz, doch bei dem sonnigen Wetter sitzen wir lieber draussen. Man bekommt so auch mehr vom Flugbetrieb mit.

Die Karte ist so bestückt, dass fast jeder das Passende findet, doch ist sie nicht völlig beliebig. Ein Sonntagsmenü gibts nicht, Tagesmenüs (Fr. 17.–/14.–) sind an Werktagen erhältlich. Die beste Begleiterin von allen ist gespannt auf den Nordischen Rauchbraten (Fr. 27.50/20.50). Er sei ähnlich wie Roastbeef, sagt die Bedienung, einfach aus Schweinefleisch. Wie sich herausstellt, wurde der Braten bereits verspeist, weshalb die Begleiterin gern auf Roastbeef (Fr. 26.50/23.50) umsteigt, das ebenfalls mit Salat, Pommes frites und Sauce Tatare serviert wird. Der Testesser wählt aus dem Fitnessteller-Sortiment die Lachstranche mit Zitronenbutter (Fr. 30.50), zu der er sich am sehr «anmächeligen» Büffet eine Portion Salat zusammenstellt. Er gibt sich Mühe beim Schöpfen – es sieht auch danach noch ordentlich aus. Nicht vergessen werden soll die Tagessuppe (Fr. 9.50/5.50), bei unserem Besuch eine Tomatensuppe mit viel Mark und einem neckischen Rahmhäubchen.

Die Roastbeef-Portion ist grosszügig bemessen, der Teller ist mit Früchten dekoriert. Der Testesser hätte zum Lachs gerne Reis gehabt, aber beim Fitnessteller heisst die Devise: Low Carb. Beim Essen startet im Hintergrund Flug GM 3024, eine Maschine der Germania nach Calvi auf Korsika. Dann stellt ein privater Flugzeugbesitzer seinen Maserati beim Hangar in den Schatten und lässt darauf die Propeller seines Flugzeugs warmlaufen. Einen Moment lang streichen uns Kerosindüfte um die Nase, aber das macht den Reiz dieses Etablissements direkt am Flughafenzaun aus. Getrunken haben wir einen typischen Westschweizer Weissen, einen St-Saphorin (Fr. 6.60/dl). Der Wein ist tadellos, doch die Begleiterin hätte – wenn es Alternativen gäbe – noch so gerne einen Sauvignon blanc oder einen Riesling bestellt.

Dessert? Aber immer. Man bringt uns eine konventionelle, illustrierte Glacekarte. Ob das Parfait Mocca (Fr. 9.50) mit Flugbenzin flambiert wird? Das würde sogar Wirt Gribi, dem eine gewisse Verwegenheit nie fremd war, trotz Kerosin in seinen Adern nicht zulassen. Die Begleiterin, kein grosser Glacefan, nimmt die Waffel mit Rahm (Fr. 6.50) – im Wissen, dass sich der Testesser um den Rest kümmert, wenn es ihr zu viel wird. Die Dessertteller – aus Glas und quadratisch – sind mit Früchten dekoriert, auch die Panna Cotta mit warmen Früchten (Fr. 9.50).

Wir sind mit dem Gebotenen insgesamt sehr zufrieden. Übrigens sind wir nicht die Einzigen, die essen. Das Flughafenbüsi, Nachfolgerin des legendären «Fritz the cat», trägt einen selbst gefangenen Sonntagsbraten in der Schnauze vor sich her. Die Katze ist das einzige Lebewesen, das trotz zunehmendem Security-Wahn unter dem Zaun durchschlüpfen darf. Auch den Steingarten nebenan darf es betreten, was Gästen untersagt ist.

Und wieder startet ein Flugzeug. Es ist so klein und so privat, dass auf dem Internetportal flightradar24.com nicht einmal seine Nummer verzeichnet ist, wie wir mit einem Blick aufs Handy feststellen. Frei nach Goethe sagen wir: Warte nur, balde fliegen wir auch. (Der Bund)

Erstellt: 24.07.2017, 06:54 Uhr

Infobox

Die Rechnung, bitte

Karte: Salate, «Schnipo» (wird so auf Karte geführt), Tatar bis zum Riz Casimir.

Preise: Mittlere Preislage, viele Gerichte sind gross und klein erhältlich. Werktags gibt es Mittagsmenüs (Fr. 17.–/14.–).
Kundschaft: Leute aus der Gegend, die gerne Starts und Landungen beobachten.

Öffnungszeiten: Mo–Sa 9–23, So 9–22 Uhr.

Adresse: Gribi’s Eat & Drink, Bern Airport, Yvette und Alex Gribi, Flugplatzstrasse 69, 3123 Belp, Telefon 031 961 47 47, E-Mail:
info@gribis.ch, www.gribis.ch

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