Auf zu mehr Aufmüpfigkeit

Der Streit um den Aareweg in Muri zeigt: Widerspenstige Bürger sind ein Segen.

Der beliebte Aareweg in Muri bleibt wo er ist. Der Zivilcourage von engagierten Bürgern sei Dank.

Der beliebte Aareweg in Muri bleibt wo er ist. Der Zivilcourage von engagierten Bürgern sei Dank. Bild: Franziska Rothenbühler

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Tut uns leid, aber es geht nicht anders. So wird es einem gerne von Amtsstellen und Behörden beschieden. Der gutgläubige Bürger sagt: Die Fachleute wissen, was richtig ist. Der Skeptiker mit Hang zur Trägheit jammert über staatliche Arroganz und bleibt im Sessel sitzen. Zum Glück gibt es auch andere. Jene, die sich kümmern und wehren. In Muri haben engagierte Bürger soeben Erstaunliches bewirkt.

Der beliebte Aareweg bleibt, wo er ist, und wird mit Baumverbauungen gesichert, wie diese Woche bekannt wurde. Das Einlenken der Behörden war neckisch verpackt: Man habe gemeinsam mit der Bevölkerung eine «gute Lösung für alle finden wollen», sagte Regierungsrätin Barbara Egger. Die «gute Lösung» war aus Behördensicht bis vor kurzem weder sachlich richtig noch gesetzlich möglich: Weil der Aareweg erodiere, sei er ins Gelände zu verlegen. Die Sicherung des Ufers komme nicht infrage, weil mit dem Auenschutz unvereinbar.

Mehr «Muri» wäre gut

Was lernen wir? Die Autorität der Behörden schüchtert ein. Aber denken besorgte Bürger mit, ist die behördliche Lösung auf einmal nicht mehr die einzig mögliche. Im konkreten Fall hätte die Verlegung des Weges womöglich die nahe Trinkwasserfassung gefährdet und wohl ebenfalls rechtliche Vorgaben strapaziert.

Der widerspenstige Bürger ist der Schreck der Behörden. Aber wir verdanken ihm in manchen Fällen bessere Lösungen. Er zwingt die Amtsstellen zur Kreativität. Also dazu, die Welt nicht nur durch die Brille der Technokraten zu betrachten, sondern auch dafür zu sorgen, dass der Bürger König ist.

Die Schweiz könnte mehr von dem gebrauchen, wofür Muris Uferweg-Retter stehen. Egal, wie nervend sie sind: Beharrliche Bürger mit Zivilcourage sind ein Segen fürs Land – und ihre Siege das beste Mittel gegen Staatsverdrossenheit. Auf zu mehr Aufmüpfigkeit! (Der Bund)

Erstellt: 01.12.2017, 20:27 Uhr

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