Appell an den unbekannten Gegner

Der Ostermundiger Gemeinderat rührt die Werbetrommel für das 100-Meter-Hochhaus, das auf dem Bärenareal gebaut werden soll.

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Lisa Stalder

Es sei ein «Leuchtturmprojekt», ein «Wahrzeichen für die ganze Region» und ein «Symbol für die innere Verdichtung». Die Mitglieder des Ostermundiger Gemeinderats wählten grosse Worte, als sie am Dienstag an einer gemeinsamen Medienkonferenz über das geplante Hochhaus auf dem Bärenareal sprachen. Für den Gemeinderat ist klar, dass das 100 Meter hohe Gebäude dringend nötig ist, um die Weiterentwicklung der Gemeinde voranzutreiben. Mit dem gemeinsamen Auftritt am Bahnhof Ostermundigen weibelten sechs der sieben Exekutivmitglieder – Aliki Panayides (SVP) musste kurzfristig absagen – für ein Ja zur neuen Überbauungsordnung Bären. Über diese stimmt die Bevölkerung am 29. November ab.

Die Lösung für viele Probleme

Seit über 20 Jahren versuche die Gemeinde, das Gebiet rund um den Bahnhof baulich zu entwickeln und aufzuwerten, sagte Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos). Bisher sei in dieser Hinsicht aber nur sehr wenig passiert. Mit dem Hochhaus könnten nun gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die Gemeinde würde gegen innen wachsen, was der Philosophie von Bund und Kanton entspreche. Es würden zudem neue Wohnungen geschaffen, die gute Steuerzahler in die Gemeinde locken. Und zu guter Letzt könnten dank des Hochhauses rund 200 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Nicht zuletzt dank der geplanten 100 Hotelzimmer würde auch die Stadt Bern vom Hochhaus profitieren, sagte Iten. Das Bärenareal liege an einem Verkehrsknotenpunkt, sei also schon heute bestens erschlossen.

Gegner haben sich nicht formiert

Das schon fast leidenschaftliche Bekenntnis des Gemeinderats zum Hochhaus mag im ersten Moment erstaunen, fand doch die Vorlage Anfang Juli im Parlament bereits eine grosse Mehrheit. Nur ein Parlamentsmitglied lehnte das Vorhaben damals ab. Dass die politische Behörde und die Bevölkerung nicht immer gleicher Meinung sind, hat allerdings die Abstimmung zum Tram Region Bern im September 2014 gezeigt. Auch damals war lediglich ein Parlamentsmitglied gegen das Tram. Das Projekt wurde aber von der Stimmbevölkerung deutlich abgelehnt.

Auch am Hochhaus-Projekt finden nicht alle Gefallen. So wird von verschiedener Seite befürchtet, dass das Hochhaus Mehrverkehr generieren wird. Auch die Höhe und der damit verbundene Schattenwurf bereitet etlichen Bauchschmerzen. Anders als beim Tram haben sich die Gegner bisher aber noch nicht zu einem Abstimmungs-Komitee formiert. Neben dem Quartierverein Burgfeld, dessen Mitglieder in der Stadt Bern stimmberechtigt sind, wehrt sich bisher einzig die Facebook-Gruppe «Hochhaus Ostermundigen Nein!» gegen die Pläne. Derzeit zählt sie rund 120 Mitglieder. Es sei zwar erfreulich, dass sich der Widerstand bisher in Grenzen halte, sagte Iten, die Abstimmung sei deswegen aber noch nicht gewonnen.

Wohnungen, Hotel und Läden

Auf dem Areal des jetzigen Gasthofs Bären plant die Zürcher Halter AG ein 33-stöckiges Hochhaus. Dieses soll neben neuen Wohnungen auch ein Panorama-Restaurant, Läden und Praxen enthalten, vor dem Gebäude ist ein grosszügiger öffentlicher Platz geplant. In einem Nebenbau soll zudem ein Hotel mit rund 100 Zimmern entstehen. Derzeit wird geprüft, ob in diesem auch ein neuer Gemeinde- und Vereinssaal für rund 350 Personen untergebracht werden könnte. Die Planer gehen von einem Investitionsvolumen von 130 Millionen Franken aus. Mit dem Bau kann im besten Fall 2017 begonnen werden. Das Hochhaus wäre frühestens 2019 bezugsbereit.

Der Bund

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