Alternativen zu Riedbach sind nicht in Sicht

Die SBB können der BLS bei den Plänen für Riedbach kaum aus der Patsche helfen.

Areal des geplanten BLS Werkhofs in Riedbach: Der Ort bleibt umstritten.

Areal des geplanten BLS Werkhofs in Riedbach: Der Ort bleibt umstritten.

(Bild: Valérie Chételat)

Simon Wälti

Der Standort Riedbach für die geplante BLS-Werkstätte ist umstritten. Der Bau auf der grünen Wiese im Westen von Bern wird von Anwohnern, Bauern und Landschaftsschützern bekämpft. Für die Werkstätte würden etwa 20 Hektaren Kulturland überbaut, zudem müsste ein als schützenswert eingestufter Bauernhof enteignet und abgerissen werden. Die Pläne sind Thema in der laufenden Session im Grossen Rat. So fordert die SVP mit einer Motion eine Zusammenarbeit der BLS beim Unterhalt von Schienenfahrzeugen mit der SBB «mit dem Ziel, dass kein zusätzliches Kulturland für den Neubau einer Werkstätte verloren geht».

Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen scheint naheliegend, ob sie Erfolg verspricht, ist unsicher. Mit der SBB habe man Gespräche über Standorte geführt, die infrage kämen, heisst es bei der BLS. Die SBB-Standorte lägen aber am Rand des BLS-Netzes, und die Kapazitäten seien zu klein. «Wir sehen derzeit keine andere Lösung innerhalb des S-Bahn-Perimeters und möglichst nah zum Knoten Bern als Ersatz für die S-Bahn-Werkstätte Aebimatt», sagt BLS-Mediensprecherin Helene Soltermann. Durch den Ausbau des Bahnhofs Bern wird ab 2020 die Aebimatt wegfallen oder nur noch sehr eingeschränkt nutzbar sein. «Für uns ist Riedbach weiterhin der bestmögliche Standort», sagt Soltermann. Man wolle aber die Werkstätte an einem Standort bauen, der von der Bevölkerung breit akzeptiert werde. Deshalb sei auch die Begleitgruppe ins Leben gerufen worden.

Beschränkte Möglichkeiten

Stellt sich die Frage, ob die SBB überhaupt über Ersatzflächen verfügen. «Im Perimeter Bern haben wir keine alternativen Flächen oder Werkstätten, die wir anbieten könnten», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Kürzlich gaben die SBB einen Ausbau für den Fahrzeugunterhalt in Biel bekannt, künftig werden dort alle Intercity-Neigezüge gewartet. Dieser Standort war für die BLS aber zu dezentral. Ein anderes SBB-Bauprojekt besteht in Ostermundigen, dabei handelt es sich aber um ein Interventionszentrum und nicht um eine Werkstätte. Von Ostermundigen aus sollen in Zukunft Equipen bei Pannen oder Störungen im Bahnbetrieb ausrücken.

Die SBB verfügen über weitere Standorte für den Unterhalt, wobei das Unternehmen zwischen Werkstätten für die schwere und solche für die leichte Instandhaltung unterscheidet. Bei der schweren Instandhaltung, die in Olten und Yverdon angesiedelt ist, werden zum Beispiel Motoren ausgebaut und revidiert oder ganze Triebzüge umgebaut. Bei der leichten Instandhaltung geht es unter anderem um Wartung, Reinigung und das Auswechseln von Polstern oder auch von Fahrgestellen. Diese Art der Instandhaltung wird an den Standorten Oberwinterthur, Zürich-Herdern, Luzern, Genf und Basel ausgeführt. «Unsere Serviceanlagen betreiben wir nahe am Geschehen», erklärt Ginsig. Im Raum Bern haben die SBB den Betrieb der S-Bahn an die BLS abgetreten.

Eine rund 30 Personen umfassende Begleitgruppe unter der Leitung des langjährigen SP-Grossrats Bernhard Antener sondiert derzeit Kompromissmöglichkeiten und Alternativvarianten. Das breit abgestützte Gremium hat die Arbeit Ende August aufgenommen. Das Klima sei gut und konstruktiv, hält Antener auf Anfrage fest. Bisher fanden drei Sitzungen statt. Detailliertere Information stellt der Anwalt und Gemeindepräsident von Langnau für Anfang 2016 in Aussicht. Ergebnisse sind aber erst Mitte 2016 zu erwarten.

Der Bund

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