Aldi und Lidl bleiben im Spiel

Das Könizer Parlament will die Ladenfläche in der Überbauung Rappentöri nicht reduzieren. Somit bleibt das Projekt für Discounter attraktiv.

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Es war eine unerwartet knappe Entscheidung über die Zukunft von Köniz: Nur 90 Stimmberechtigte hätten im Mai ihr Kreuz bei Nein statt bei Ja setzen müssen, und die Überbauung Rappentöri wäre abgelehnt worden. Im Ortskern von Köniz, gleich gegenüber der grossen Migros-Filiale, soll ein siebenstöckiges Gebäude mit 60 Wohnungen und bis zu 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche ­gebaut werden.

Ein Grund, warum der Entscheid derart knapp ausgefallen war: die Angst vor Aldi und Lidl. Oder genauer vor dem Mehrverkehr, den die Billig-Discounter verursachen. Bereits heute fahren 17 000 Autos pro Tag durch das Zentrum von Köniz, eine enorme Verkehrsbelastung.

«Einen Volksentscheid noch einmal zu diskutieren, ist ein No-Go.»Beat Haari, FDP-Parlamentarier Köniz

Die Angst vor einem Billigladen – wenn man sich denn vor den Discountern überhaupt fürchten muss – ist begründet: «Wir prüfen ständig potenzielle Standorte zur weiteren Verdichtung unseres Filialnetzes im Kanton Bern», schreibt Aldi Suisse auf Anfrage. Ähnlich klingt es bei Lidl. «Die Stadt Bern sowie die Agglomerationsgemeinden stehen für die Errichtung neuer Filialen im ­Fokus», heisst es auf Anfrage.

Ladenfläche bleibt gross

Gestern hat das Könizer Lokalparlament nun entschieden, dass es die Regeln der von den Stimmberechtigten genehmigten Überbauung Rappentöri nicht noch einmal ändern will. Auf die Volksabstimmung zurückkommen, weil diese derart knapp ausgefallen war, wollte die BDP. Die Partei hatte eine entsprechende ­Motion eingereicht. Die Billig-Discounter sollten aus der Überbauung Rappentöri ausgesperrt werden. Und zwar indem die erlaubte Verkaufsfläche reduziert würde. Somit wäre der Standort für Aldi und Lidl unattraktiv geworden. Dies sollte zugunsten von zusätzlichen Alterswohnungen geschehen.

Die BDP bliebt mit ihrer Forderung jedoch alleine. Und musste sich viel Kritik von den andern Parteien anhören. Von einer «unklaren Forderung zum falschen Zeitpunkt» sprach FDP-Parlamentarier Beat Haari. «Einen Volksentscheid noch einmal zu diskutieren, ist ein No-Go.» Zudem habe es noch weitere Kritikpunkte am Bauprojekt gegeben, zum Beispiel die Grösse des Gebäudes. Diese Kritik werde aber von der BDP nicht aufgegriffen.

Discounter: Investor wählt aus

Die zuständige Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) freute sich über die Absage an die BDP. «Natürlich generiert man mit der geplanten Überbauung Mehrverkehr», sagte sie. Aber nie in dem Ausmass, wie es bei einem Neubau auf der grünen Wiese der Fall wäre. Zur Frage, ob sie sich in der Überbauung einen Discounter wünscht, äusserte sie sich nicht. Warum auch? Gestern war Sedlmayers letzte Parlamentssitzung. Ihr Nachfolger Christian Burren (SVP) wird die Verhandlungen mit möglichen Investoren führen müssen.

Da das Land der Gemeinde gehört, kann sich bewerben, wer die Überbauung realisieren will. Was ungefähr gebaut werden muss, ist durch die knappe Volksabstimmung bereits festgelegt. Eine Möglichkeit, die dem Investor offensteht: im Erdgeschoss Fläche für einen Discounter zu bauen. Wobei er dann auf andere Läden, die viel Verkehr generieren, verzichten müsste: Die durchschnittliche Anzahl Fahrten ist auf 1150 pro Tag begrenzt.

Eine Discounter-Filiale, die nicht auf der grünen Wiese, sondern im Zentrum von Köniz entsteht, wäre zumindest aus raumplanerischer Sicht besser. Dass Aldi und Lidl landschaftsschonend bauen, ist nicht oft der Fall: Eine kürzlich publizierte Studie der Universität Bern zeigt auf, dass nur 26 von 256 untersuchten Filialen im Zentrum entstanden sind. Viele sind darum nur schlecht mit dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuss erreichbar. Jeder fünfte Laden wurde zudem auf der grünen Wiese gebaut und trägt so zur Zersiedelung bei. (Der Bund)

Erstellt: 05.12.2017, 07:21 Uhr

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