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Lieber verdichten als Grünflächen zubetonieren

Mit ihren Ortsplanungsrevisionen bremsen die Gemeinden Köniz und Zollikofen den Kanton aus.

Am Thomasweg im Liebefeld wird eine Siedlung erneuert – und verdichtet.
Am Thomasweg im Liebefeld wird eine Siedlung erneuert – und verdichtet.
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Es sind Gegensätze: Im Oberland klagen viele Gemeinden darüber, dass sie sich nicht mehr entwickeln könnten. Sie wurden sogar beim Regierungsrat vorstellig, weil sie kein Bauland mehr einzonen dürfen. Verantwortlich dafür sind die Auswirkungen des neuen Raumplanungsgesetzes auf nationaler Ebene. Anders läuft es in der Region Bern. Hier können die meisten Gemeinden zwar weiterhin einzonen. Sie wollen aber nicht so viele Grünflächen überbauen, wie ihnen der Kanton erlaubt. Sie wollen lieber verdichten. Bestes Beispiel dafür ist die Gemeinde Köniz. Sie dürfte in der laufenden Ortsplanungsrevision mehr Land einzonen, verzichtet aber freiwillig darauf. Köniz hat sich selbst ein Bauzonenmoratorium verschrieben: Wenn eingezont wird, muss anderswo ausgezont werden. «Aufgrund des Moratoriums können wir nicht unendlich nach aussen bauen», sagte Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) vor den Medien. Die Ortsplanungsrevision ist ab dem 5. April öffentlich aufgelegt (siehe Box).

Köniz ist eine der ersten Kommunen im Kanton Bern, welche die Ortsplanung unter den neuen Rahmenbedingungen überarbeitet. Am 1. April tritt das revidierte Baugesetz auf Kantonsebene in Kraft, seit letztem Jahr gilt ein neuer Richtplan. Dadurch soll die Zersiedelung gebremst und die Siedlungsentwicklung nach innen vorangetrieben werden. Zudem soll der Kanton Bern primär in urbanen Gebieten und entlang der Verkehrsachsen wachsen. In der Stadt Bern, Köniz oder Ostermundigen soll die Bevölkerung stärker zunehmen als in Guttannen, Eggiwil oder Rohrbach. In Köniz rechnet der Kanton mit einem Wachstum von 11 Prozent bis 2030. Demnach stiege die Einwohnerzahl von heute 42'000 auf über 46'000. In diese Richtung wird es auch gehen, wie Studer sagte. Er betonte aber: «Wir wollen wachsen, aber nur moderat.»

Einen Schritt weiter ist Zollikofen. Dort kommt die Ortsplanungsrevision Ende April ins Parlament. Auch Zollikofen dürfte bis 2030 um 11 Prozent wachsen. Die Gemeinde strebt aber nur ein Wachstum von 8 Prozent bis 2040 an. Zollikofen nimmt zudem praktisch keine Neueinzonungen vor. Wie Köniz könnte die Gemeinde mehr Landwirtschaftsflächen überbauen. «Die Leute in der Agglomeration wollen das nicht», sagt Zollikofens Bauverwalter Beat Baumann auf Anfrage. In mehreren Gemeinden rund um Bern sind in den letzten Jahren Ortsplanungsrevisionen vom Volk abgelehnt worden. Laut Baumann hat sich Zollikofen für einen Mittelweg entschieden, weil ein zu starkes Wachstum auch negative Folgen haben könnte. «Bei der Infrastruktur, insbesondere bei den Schulen, kämen wir an den Anschlag.»

Gemeinden sind autonom

Nebst Köniz und Zollikofen haben auch Muri oder Worb restriktivere Wachstumspläne als der Kanton. Dies könnte dazu führen, dass die kantonale Strategie in der Raumplanung nicht aufgeht. Der Könizer Gemeindepräsident Studer hält trotzdem am eingeschlagenen Weg fest: «Unsere Haltung hat sich bewährt.» Im Übrigen gelte im Kanton Bern immer noch die Gemeindeautonomie.

Beim Kanton ist man sich dessen bewusst. «Wir können nur den Rahmen setzen», sagt Daniel Wachter, Chef des Amts für Gemeinden und Raumordnung (AGR). Er plädiert dafür, der neuen Strategie Zeit zu geben. So unternehme die Stadt Bern beim Wohnungsbau sehr viel. Er weist zudem darauf hin, dass der Kanton beim Wachstum keine Zielvorgaben mache, sondern Grenzwerte festlege, die nicht überschritten werden dürften.

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