Adria Airways bläst Expansionspläne ab

Nach der Rettung von Skywork lässt sich Adria Airways nicht auf einen Preiskampf ein. Tickets von und nach Bern-Belp waren am Mittwoch nicht mehr buchbar.

Kommt wohl doch nicht nach Bern: Die slowenische Adria Airways.

Kommt wohl doch nicht nach Bern: Die slowenische Adria Airways. Bild: Wikimedia Commons

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Nach dem vorübergehenden Grounding von Skywork kündigte Adria Airways umgehend Flüge ab Bern-Belp nach Wien, München, Berlin und Hamburg an. Doch nach der Rettung von Skywork waren die Angebote am Mittwoch nicht mehr aufgeschaltet. Die Fluggesellschaft verkündete auf ihrer Schweizer Homepage zwar weiterhin «Grüessech Bern», Flüge ab Belp waren aber nicht mehr buchbar, auch im Flugplan erschien die Destination nicht mehr. Eine Medienanfrage blieb unbeantwortet.

Am Abend gab Adria Airways dann den Rückzug bekannt. Die neue Sachlage habe Adria dazu veranlasst, die Flüge von Bern nach Berlin, Hamburg, München und Wien wieder aus dem Verkauf zu nehmen. Es sei das primäre Ziel gewesen, Bern wieder an wichtige europäische Metropolen anzubinden. «Unsere schnelle Handlungsfähigkeit war wichtig, um dem Markt die Gewissheit einer Kontinuität zu geben», wird CEO Arno Schuster in einer Pressemitteilung zitiert. Adria Airways spricht von einer «grossen Resonanz». Bern sei «ein überaus attraktiver Markt». Adria Airways will das Geschehen in Bern aufmerksam verfolgen. «Wir werden auch zukünftig Opportunitäten im Markt wahrnehmen», so Schuster.

Preiskampf wäre «ruinös»

Damit kommt es in Belp nicht zu einem Konkurrenzkampf. Für Aviatikkenner Rolf Ellwanger ist der umgehende Rückzug von Adria Airways die einzig sinnvolle Lösung. «Die Konkurrenz bei den Linienflügen würde zu einem ruinösen Preiskampf und zu einem Desaster führen.» Das habe sich bereits bei der BMI gezeigt: Die britische Fluggesellschaft zog sich nach knapp zwei Jahren Ende Dezember 2016 wieder von Belp zurück. Nach dem temporären Grounding müsse Skywork nun das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zurückgewinnen, sagt Ellwanger. Denn ein Grounding sei stets mit einem Imageschaden verbunden.

In den Online-Kommentarspalten waren auch viele Sympathiebekundungen zu lesen. Fraglich ist allerdings, ob sich ein allfälliger lokalpatriotischer Bonus auch in Tickets ummünzen lässt. Mit dem frischen Geld will Skywork weiterfliegen und auch eine Wachstumsstrategie finanzieren. Luftfahrtexperte Sepp Moser äusserte sich in einem «Bund»-Interview jedoch skeptisch zu den Plänen. Die Nachfrage ab Bern sei schlicht zu klein. Auch hinter die Expansion setzte Moser ein Fragezeichen: «Ich kann mir schwer vorstellen, dass diese Lösung funktioniert, wenn Bern der Mittelpunkt des Skywork-Netzes bleibt.»

Es braucht mehr Passagiere

Christian Wasserfallen, Präsident der Interessengemeinschaft Berner Luftverkehr (IGBL) und FDP-Nationalrat, zeigte sich über die Rettung «hocherfreut»: «Das ist ein grossartiges Zeichen für den Kanton Bern und die angrenzenden Regionen und sehr positiv für die Standortattraktivität.» Für Wasserfallen ist die geplante Strategie richtig. «Skywork benötigt mehr Passagiere und eine höhere Auslastung, so lassen sich die durchschnittlichen Kosten reduzieren.» Die heutige Grösse lasse solche positiven Skaleneffekte kaum zu. Zudem müsse Skywork unbedingt versuchen, das Potenzial für Passagiere aus der Westschweiz besser zu erschliessen.

Vor allem im Herbst und Winter wird der Nebel zum Problem – wegen beschränkter Sicht können Flugzeuge oft nicht in Belp landen und müssen auf einen anderen Flughafen ausweichen. Dies ist mit zusätzlichen Kosten für die Fluggesellschaft verbunden und bedeutet für die Passagiere Umtriebe und Zeitverlust. «Weiter brauchen wir tiefere Kosten, namentlich bei der Flugsicherung», sagt Wasserfallen. Die IGBL setze sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen ein.

Gemäss dem Bundesgesetz über die Luftfahrt müssen alle grossen Fluggesellschaften, zu denen auch Skywork gehört, dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) quartalsweise über ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Bericht erstatten. Bereits Ende Jahr wird Skywork deshalb dem Bazl neue Zahlen liefern müssen. Unter besonderer Beobachtung durch das Bazl steht die Berner Fluggesellschaft aber nun nicht mehr. (Der Bund)

Erstellt: 01.11.2017, 12:40 Uhr

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