«Absoluter Ausnahmefund» im Schloss Burgdorf

Bauarbeiten am Schloss haben Spuren aus der Bronzezeit zutage gefördert. Archäologe Armand Baeriswyl erklärt, was diese über die Besiedlung des Emmentals verraten.

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Herr Baeriswyl, Archäologen sind bei Bauarbeiten am Schloss Burgdorf auf einen historischen Fund gestossen. Worum handelt es sich?
Wir haben Reste früherer Besiedlungen gefunden. Spektakulär ist die Entdeckung von Spuren einer Landsiedlung aus der späten Bronzezeit, also aus der Zeit zwischen 1050 und 850 vor Christus. Auch eine Zisterne aus der Zähringerzeit um 1200 nach Christus haben wir entdeckt.

Welche Erkenntnisse liefern diese Funde?
Die Zisterne zeigt uns, dass das Schloss nicht nur über einen Sodbrunnen verfügte, sondern Dachwasser eingefangen und gelagert wurde. Die Gruben und die Keramik aus der Bronzezeit liefern neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte der Region.

Die Besiedlungsgeschichte des Emmentals?
Genau. Es ist eine der grossen Fragen im Kanton Bern: Wann haben sich im Emmental erstmals Menschen permanent niedergelassen? Im Frühmittelalter, in römischer Zeit oder noch früher? In einer Grube mit einem Durchmesser von vier Metern haben wir eine grosse Menge an Keramikresten gefunden. Jemand hat sehr viele Krüge hier hochgeschleppt und diese auch benutzt. Das zeigt, dass der Schlosshügel schon vor über dreitausend Jahren bewohnt war.

Burgdorf war also bereits zu dieser Zeit ein regionales Zentrum?
Das kann man wohl so sagen. Speziell daran ist, dass die meisten bekannten Siedlungen aus dieser Zeit sogenannte Pfahlbauersiedlungen sind. Diese befinden sich an den Seeufern, wo die Erhaltungsbedingungen unter Wasser besser sind. Die Landsiedlung auf dem Schlosshügel ist daher ein absoluter Ausnahmefund. Diese mit Keramik gefüllte Grube ist meines Wissens schweizweit einmalig.

Die Bauarbeiten am Schloss dauern noch ein weiteres Jahr an. Rechnen Sie mit weiteren Überraschungen?
Ich glaube, die grosse Wundertüte ist nun ausgeschöpft. Erst hatten wir noch die Hoffnung, auf der Südseite des Schlosses etwas zu finden. Auch da haben wir uns den Boden angeschaut. Unter dem Schlossboden kam aber lediglich der Fels zum Vorschein. Sieht aus, als hätten wir die grössten Schätze geborgen.

Nach den Bauarbeiten am Schloss soll dieses als Jugendherberge, Gastrobetrieb und Museum dienen. Bereitet Ihnen das nicht Kopfschmerzen?
Nein, ich finde das toll. Letztendlich können historische Gebäude nur überleben, wenn man eine passende Nutzung findet. Das Konzept ist in meinen Augen nachhaltig – das wird eine schöne Sache.

Der Archäologische Dienst des Kantons Bern organisiert am Donnerstag, 16. August, einen «Tag des offenen Bodens». Besucher können die Funde von 16 bis 20 Uhr im Schloss Burgdorf besichtigen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2018, 12:05 Uhr

Erst Höhensiedlung, dann Herrschaftssitz, bald Herberge

Das Schloss Burgdorf wird während zweier Jahre umgebaut. 2020 soll das nationale Baudenkmal dann erstmals in seiner Geschichte zum grössten Teil der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: Es wird künftig eine Jugendherberge, ein Museum, ein Restaurant und das städtische Trauungszimmer beherbergen. Bisher diente das Gebäude vor allem der Kantonsverwaltung.

Im Mittelalter war das Schloss im Besitz der Kyburger Grafen, wechselte 1384 in bernische Hände und wurde von da an von Schultheissen bewohnt. Der Kanton Bern hat das Gebäude im September 2017 der neuen Besitzerin, der Stiftung Schloss Burgdorf, übergeben. Die Stiftung leitet auch die Bauarbeiten.

Bereits im vergangenen Jahr sprachen Archäologen von «sensationellen Funden von historischem Wert». Damals hatten sie Wand- und Deckenmalereien aus dem 17. Jahrhundert wiederentdeckt. (gss)

Armand Baeriswyl

Leiter des Ressorts Mittelalterarchäologie und Bauforschung des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern.

(Bild: zvg)

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