Aareufer bei Muri ist gesichert

Mit Erfolg haben Anwohner gegen die Verlegung des Aarewegs gekämpft. Was auf die temporären Massnahmen folgt, ist offen.

Mit solchen Baumbuhnen wird die Strömung gegen die Mitte der Aare gelenkt.

Mit solchen Baumbuhnen wird die Strömung gegen die Mitte der Aare gelenkt. Bild: Franziska Scheidegger

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An fünf Stellen ragen mit Drahtseilen zusammengebundene Baumstämme in den Fluss hinaus. Sie sollen die Strömung vom Ufer weglenken und so die Erosion vermindern. Zudem wurden in einigen Bereichen grosse Blocksteine eingesetzt, um das Aareufer zu befestigen. Ausserdem haben die Arbeiter alte und unterspülte Verbauungen aus Beton entfernt. Der Kanton hat vor, den weiteren Prozess rund fünf Jahre lang zu beobachten.

Der Kredit von 475'000 Franken werde eingehalten respektive leicht unterschritten, teilte das kantonale Tiefbauamt auf Anfrage mit. Zwei Drittel der Kosten muss die Gemeinde Muri übernehmen.

«Wir sind froh, dass die Arbeiten ausgeführt sind», sagt Georg von Erlach, Sprecher der Petitionäre. «Der Protest hat sich gelohnt.» Bei einer Begehung habe man einen guten Eindruck gewonnen. Für die Petitionäre ist ein Etappenziel erreicht. Nun habe man ausreichend Zeit, um die weitere Entwicklung zu verfolgen, sagt von Erlach. Auch Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP) ist froh, dass der Weg fürs Erste saniert ist. «Später können wir eine Lösung zur Zufriedenheit aller finden, wobei ich nicht ausschliesse, dass der heutige Weg bestehen bleibt», sagt Hanke.

«Basisdemokratischer Druck»

In den letzten Jahren hatte die Aare das Ufer an mehreren Stellen stark abgetragen. Ursprünglich wollte der Kanton den Aaredamm, auf dem der Fussweg zwischen dem Parkplatz Wehrliau und dem Muribad verläuft, preisgeben und das Flussbett aufweiten.

Der Weg sollte stattdessen auf die andere Seite der Gonzenbachgiesse, die eigentlich ein Weiher mit stehendem Wasser ist, also an den Hang verlegt werden. Dagegen bildete sich grosser Widerstand in der Gemeinde Muri, aber auch darüber hinaus. Der Weg wurde zum Politikum. Eine Petition mit 3400 Unterschriften wurde eingereicht. Ziel der Petition war es, den viel begangenen Fussweg zu erhalten.

Geologe Nik Sieber, der die Petition unterstützt hatte, sagt, die Arbeiten seien «sehr solid und professionell» ausgeführt worden. «Für mich steht im Zentrum, dass das Grundwasser nicht gefährdet wird», sagt Sieber. «Der basisdemokratische Druck hat gewirkt und war notwendig.» Sieber hatte 1979 die Schutzzonen für die beiden Pumpwerke ausgearbeitet. Die Schutzzone S2 wäre durch die geplante Revitalisierung stark tangiert worden. Die Grundwasserfassung Wehrliau ist von überregionaler Bedeutung. Sieber glaubt, dass die Massnahmen auch länger als die angestrebten fünf Jahre halten könnten. Zur Frage einer Langzeitlösung sagte Thomas Wüthrich vom kantonalen Tiefbauamt in der «Berner Zeitung», der Marschhalt gebe Zeit, «gemeinsam Lösungsvarianten zu studieren».

Die angestrebte Wegverlegung hatte der Kanton damit begründet, dass die Verstärkung des Dammes in einem Auengebiet von nationaler Bedeutung nicht infrage komme. Naturschutz und Trinkwasserschutz stehen hier bis zu einem gewissen Punkt zueinander in Widerspruch.

Die Darstellung kontrastiert ausserdem recht stark mit dem Inhalt der erneuerten Konzession für die Trinkwasserentnahme, die der Kanton der Gemeinde Muri im Jahr 2012 ausstellte. Darin heisst es zwar, eine Aufweitung der Aare bis an den Hangfuss wäre «grundsätzlich erstrebenswert», die Einschränkung folgt aber umgehend: «Dies würde jedoch zu sehr ungünstigen hydraulischen Verhältnissen führen.» Eine Aufweitung sei darum «nicht möglich», der Hochwasserschutz könne nur mit Dammbauten sichergestellt werden.

Das Schutzziel beschränke sich «auf die Erhaltung und Förderung der auentypischen Pflanzen- und Tierwelt und ihrer ökologischen Voraussetzungen». Der Weiterbetrieb der Grundwasserfassung gefährde dieses Ziel nicht. Die Konzession hat eine Laufzeit von vierzig Jahren.

Offenbar hatte die Absprache zwischen den beteiligten Ämtern nicht einwandfrei funktioniert. Letztlich intervenierte Regierungsrätin Barbara Egger (SP). Sie äusserte die Ansicht, dass man die Bedenken der Bevölkerung ernst nehmen müsse, und beauftragte das Tiefbauamt, «umgehend die temporäre Ufersicherung» an die Hand zu nehmen.

Kiesbank bleibt bestehen

Noch offen ist, wie es mit der mächtigen Kiesbank weitergehen soll, die sich in den letzten Jahren gebildet hat. Zum Teil wird befürchtet, dass die Kiesbank eine dauerhafte Lösung verunmöglicht, weil dadurch der Flusslauf verengt und das Wasser gegen das Muriger Ufer gedrückt wird. Die Aare hat dort eine 4 bis 4,5 Meter tiefe Rinne gebildet, wie Messungen des Kantons gezeigt haben.

Die Tiefe soll in den nächsten Jahren regelmässig überprüft werden. Sie stelle aber keine Gefahr für das Trinkwasser dar, heisst es. Gemäss Angaben des Kantons sind im Bereich der Kiesinsel denn auch keine Massnahmen geplant. (Der Bund)

Erstellt: 13.03.2018, 07:16 Uhr

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