Zweites Verkehrshaus im Bernapark geplant

Bei der Überbauung sollen Oldtimer-Ausstellungen und ein Verkehrsforum entstehen.

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Bald acht Jahre ist es her, seit die Kartonfabrik Deisswil, in der Gemeinde Stettlen am östlichen Rand der Stadt Bern, zum Bernapark wurde. Damals kaufte der Credit-Suisse-Banker Hans-Ulrich Müller das brachliegende Industrieareal mit dem Ziel, daraus ein Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsquartier zu machen (siehe Text rechts). Auf den ersten Blick scheint das Ziel noch lange nicht erreicht: Bei einem Besuch des Areals fallen zunächst verwahrloste Fabrikhallen ins Auge, die mit ihren hohen, kaputten Fensterscheiben an zerbombte Kathedralen erinnern.

Doch das Bild täuscht: Mittlerweile haben sich bereits 40 Gewerbe eingemietet, wie etwa der Skihersteller Fischer oder der Solarpanelspezialist Crea Energy. Am Mittwochmorgen strömen viele Menschen zum Bernapark. Über 100 Gäste sind zur Vorstellung der nächsten Etappe in der Entwicklung des Areals geladen. Oft steigen sie aus Ferraris oder Vintage-Porsches aus; viele sind Männer in Tweedjacken und bunten Manchesterhosen in einem gewissen Alter: Es sind Automobil-Liebhaber.

Zusammen mit Verkehrshaus

«Liebe Freunde der Mobilität und vor allem der Motorfahrzeuge», begrüsst Hans-Ulrich Müller die Menge. Enthusiastisch breitet er seine Pläne für ein schweizweit bekanntes «Mobilitätszentrum» im Bernapark aus. Dieses soll ein Forum werden für verschiedene Anbieter in der Mobilitätsbranche: innovative Start-ups, Berater zur Fahrzeugversicherung, Vertreter der Verkehrsbehörden Mechaniker oder auch Auktionäre. Zudem sollen in enger Zusammenarbeit mit dem Verkehrshaus der Schweiz in Luzern Ausstellungen entwickelt werden.

Als erster Schritt entsteht jedoch ein «House of Fame», in dem ab 2020 ungewöhnliche Fahrzeuge – von Oldtimern bis Flugzeugen – gezeigt werden sollen. Hier kommen die Autoliebhaber im Publikum ins Spiel: Müller will ihnen Ausstellungsfläche für ihre Sammlerstücke bieten und damit ein Zentrum für das «Kulturgut Fahrzeug» schaffen. «In 50 Jahren wird sich die Mobilität stark verändert haben», sagt Müller. «Dann wissen viele nicht mehr, wie ein Benzinmotor funktioniert. Das wollen wir weitergeben.» Bescheidener formuliert es Beat Roos, Mitinitiant des Projekts: «Wir Sammler werden langsam alt und müssen uns fragen, was wir mit den Autos machen», sagt er schmunzelnd. «Hier hat es Platz für unser Gerümpel.»

Doch nicht nur private Sammler werden hier Stücke zeigen können, die sonst in einem Lager verstauben würden. «Das ist eine Win-Win-Situation», sagt Olivier Burger, Sprecher des Verkehrshauses der Schweiz. «Wir können Exponate aus der Sammlung, die wir aus Platzmangel in Luzern nicht zeigen, in Stettlen präsentieren und der Bernapark erhält von uns professionelle Unterstützung.» Eine allmähliche Konkurrenzierung durch den Bernapark befürchtet er nicht. «Das Verkehrshaus ist einzigartig und bleibt das meistbesuchte Museum der Schweiz.» Die Zusammenarbeit mit dem Bernapark könne helfen, mehr Besucher nach Luzern zu locken.

Auch anwesend ist Lorenz Hess, BDP-Nationalrat und Gemeindepräsident von Stettlen. Zwar erwartet er nach der Eröffnung des Mobilitätszentrums keine Touristenströme nach Deisswil. «Es dient in erster Linie dazu, dass der Bernapark blüht.» Ein blühender Bernapark sei aber wiederum gut für die Gemeinde. «Als die Kartonfabrik schloss, war für uns ein schwarzer Tag.» Die Überbauung des ehemaligen Fabrikareals trage wesentlich zur Entwicklung des Dorfes bei. «So können wir in moderaten Schritten weiterwachsen, ohne Grünflächen oder Landwirtschaftszonen zu bebauen.»

Kein politisches Statement

Die Zustimmung unter den Autonarren im Saal ist gross. «Ich bin sehr beeindruckt vom Konzept», sagt einer. «Das hat definitiv Zukunft», ein anderer. «Ich werde sicher etwas aus meiner Kollektion da ausstellen», sagt Sammler Ulrich Knuchel, der wegen langjähriger Motorenlärmexposition nicht mehr so gut hört. «In ein paar Jahren dürfen wir wohl mit unseren historischen Fahrzeugen nicht mehr auf der Strasse fahren», meint er. «Deswegen müssen wir mit solchen Projekten lobbyieren.»

Ob das Mobilitätszentrum also ein motorfreundliches Statement am Rande der rot-grünen Velostadt Bern ist? Hans-Ulrich Müller winkt ab. «Die Oldtimer fahren so oder so nicht mehr viel.» Im Zentrum soll es auch Platz haben für E-Bikes und Elektroautos: «Also auch ‹Newtimer›, nicht nur Oldtimer», sagt Müller. «So tragen wir auch etwas zum Standort Schweiz in der Verkehrsbranche bei.» An Investoren ist er aber nicht interessiert. «Das Projekt will ich nicht aus der Hand geben», sagt er. «Ich will den Bernapark zum Leben erwecken.» (Der Bund)

Erstellt: 22.03.2018, 06:42 Uhr

Bernaparks Zukunft

Müller hat grosse Pläne

In der Ortschaft Deisswil in der Gemeinde Stettlen stand fast 140 Jahre lang eine Kartonfabrik. 2010 kündete jedoch der österreichische Eigentümer Mayr-Melnhof nach Schwierigkeiten im Markt die Schliessung an. Der Entscheid wurde während den Betriebsferien der Fabrik gefällt. Von einem Tag auf den anderen fanden sich die 253 Angestellten ohne Job.

Darauf intervenierte der Banker Hans-Ulrich Müller. Er kaufte das Gelände und half den entlassenen Mitarbeitenden, neue Anstellungen zu finden. In der Zwischenzeit bot er ihnen einen Arbeitsvertrag zu den gleichen Grundbedingungen an. «Als ich über die Schliessung las, wusste ich, dass ich etwas tun muss», sagte er damals. Das Industrieareal wurde zum Eigentum der neuen Bernapark AG. Das Gelände soll zu einem betriebsamen Wohn- und Gewerbeviertel werden. Müllers Pläne wurden vom Stettler Stimmvolk gebilligt: Bei einer Abstimmung über die Umzonung der Fabrik 2016 gab es keine einzige Gegenstimme. Christoph Lerch, der Regierungsstatthalter Bern-Mittelland, hat im Februar dieses Jahres die Zonenänderung in einem Schnellverfahren bewilligt. «Das grosse Entwicklungspotenzial» des Areals hatte ihn dazu bewogen.


Markthalle und Public Viewing
Dies ist bereits ein Stück weit gelungen: Im Bernapark arbeiten heute wieder rund 300 Personen, die AG hat über 120 Mieter. Müller hat aber noch Grosses vor. Nebst dem Mobilitätszentrum sollen eine Markthalle mit Gastronomie, eine Kita, ein «Dorfplatz» mit Public Viewing, ein Gesundheitszentrum und mehrere Wohnungen entstehen. Angebote für jedes Preissegment werden angestrebt: «Ich will einen guten Mix aus Jung und Alt, auch Familien», sagt Müller. «Es soll ein Community-Gefühl geben.» Ursprünglich habe man etwa 50 Prozent Wohnungen und 50 Prozent Gewerbe geplant, sagt Müller. «Die Gemeinde wünschte sich mehr Wohnungen, das werden wir machen.» Insgesamt sollen 500 Arbeitsplätze und Wohnungen für 260 Personen geschaffen werden. Im Mai werden die Aufträge für den Bau vergeben, bezugsbereit sollen die ersten 170 Wohnungen im Jahr 2020 sein. (mck)

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