Zwei Weihnachtskinder in drei Jahren

Für Chantal Imsand und Martin Lüthi aus Münsingen ist es ein glücklicher Zufall, dass ihre beiden Töchter am 24. und 25. Dezember zur Welt gekommen sind.

Weihnachtskinder gibt es ganz selten, noch seltener im Doppel: Familie Lüthi mit Hebamme Katharina Jenzer.

Weihnachtskinder gibt es ganz selten, noch seltener im Doppel: Familie Lüthi mit Hebamme Katharina Jenzer. Bild: Adrian Moser

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Katharina Jenzer parkiert ihren grauen Skoda Kombi vor der kürzlich erstellten Neubausiedlung Dorfmattweg in Münsingen. Die freiberufliche Hebamme nimmt ihren schweren roten Koffer und eine blaue Tasche mit der Babywaage aus dem Auto. Sie besucht Chantal Imsand im Wochenbett. Die 35-Jährige hat am Heiligabend ihre zweite Tochter geboren. Doch die neugeborene Mailin ist nicht nur die zweite Tochter von Chantal Imsand und Martin Lüthi, sie ist auch das zweite Weihnachtskind in der Familie, denn schon ihre Schwester Lia ist vor drei Jahren am 25. Dezember zur Welt gekommen.

Martin Lüthi begrüsst die Hebamme herzlich. Auch Lia kommt hinzu. Stolz führt sie Katharina Jenzer zur Mama. Diese sitzt auf dem Sofa und stillt das Neugeborene. «Ich habe mir schon lange eine Weihnachtsgeburt gewünscht», sagt die 50-jährige Hebamme, die das Paar als Beleghebamme im Spital Thun schon während der Geburt betreut hat. Sie habe noch nie eine erlebt. «Es gibt nur wenig Weihnachtskinder», sagt sie. Hingegen gebe es unmittelbar nach den Festtagen viele Geburten. «Es ist, als würden sich die Frauen die Geburt bis nach den Feiertagen verklemmen.»

«Wir hatten die Familie zur Weihnachtsfeier in die neue Wohnung eingeladen und waren am Kochen, als die Wehen begannen», erzählt Chantal Imsand. Der Besuch sei zwar trotzdem gekommen, sagt Martin Lüthi. «Bloss haben wir die Gäste nicht gesehen», sagt er und lacht verschmitzt. Das Paar genoss sein Weihnachtsessen im Familienzimmer im Spital, während die Gäste zu Hause die vorbereiteten Speisen verzehrten und die dreijährige Lia hüteten.

Stolze Schwester

«Dass Lia an diesem Abend nicht bei uns sein konnte, war schon etwas eigenartig», sagt Martin Lüthi. Doch das kleine Mädchen hätte nicht mit seinen Eltern und der neugeborenen Schwester im Spital übernachten können. «So holte ich sie früh am nächsten Morgen», erzählt Lüthi. Stolz habe sie der kleinen Schwester ein «Nuschi» und ein Köfferchen mit den ersten Kleidchen gebracht. Denn Chantal Imsand wollte das Spital bereits wieder verlassen. Schliesslich wollte sie zu Hause Lias dritten Geburtstag feiern.

Die Mutter löst den Säugling von der Brust, denn die Hebamme will den Bauchnabel kontrollieren und muss Blut nehmen. Dazu will sie die Füsschen des Kindchens in warmem Wasser ein wenig einweichen. «Hast du Geschenke erhalten?», fragt Katharina Jenzer die Dreijährige. «Ja, drei», sagt das Mädchen und streckt drei Fingerchen in die Luft. Nun nimmt die Hebamme das nackte Neugeborene und wägt es. Dem sonst ruhigen Baby passt es gar nicht, auf der kühlen Unterlage zu liegen und es zeigt, dass es eine kräftige Stimme hat. Aber schon bald darf es wieder an Mutters Brust trinken und muckt nicht einmal auf, als es von der Hebamme in die kleine Ferse gestochen wird.

Heiliger Moment bei jeder Geburt

Weihnachten sei für ihn vor allem ein Familienfest, sagt Martin Lüthi. «Nun wird das Familienfest einfach noch grösser», ergänzt seine Frau. Dass ihre beiden Töchter an Weihnachten auf die Welt gekommen sind, bezeichnen die Eltern als glücklichen Zufall. «Den Geburtstermin des zweiten Kindes kann man noch weniger planen als den des ersten», sagt Lüthi. Eine spirituelle Bedeutung hat Weihnachten für sie jedoch nicht. «Wir sind nicht religiös», sagt Martin Lüthi.

Dies ist bei der Hebamme Katharina Jenzer anders. «Der christliche Glauben ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens», sagt sie. Unter anderem deshalb freut sie sich besonders über das frischgeborene Weihnachtskind. Allerdings habe jede Geburt etwas Weihnächtliches, findet Jenzer.

«Bei jeder Geburt gibt es einen heiligen Moment.» Bei einer ruhigen Geburt wie der von Mailin sei dieser Moment besonders gut spürbar. Sie sehe ihn vor allem im Gesicht der Eltern. «Ausserdem habe ich grosse Ehrfurcht vor dem Leben, das auf die Welt kommt», sagt Jenzer.

Sie hat der Mutter das Baby abgenommen und wiegt es in den Armen. «Dich werde ich nicht vergessen», sagt die Hebamme zu der kleinen Mailin. Diese blickt wach und zufrieden um sich. (Der Bund)

Erstellt: 29.12.2015, 09:54 Uhr

Geschenke

«Geprellte» Geburtstagskinder

Kinder, die am 24. oder 25. Dezember Geburtstag haben, finden dies meistens nicht besonders toll. «Ich habe erst den 50. an meinem eigentlichen Geburtstag gefeiert», sagt etwa der Berner Jazzmusiker Stewy von Wattenwyl. Denn an Weihnachten sei immer viel los gewesen. Schulfreunde konnte er kaum einladen, da diese ebenfalls mit Weihnachten beschäftigt waren. Deshalb hätten die Eltern seinen Geburtstag gewissermassen auf den 25. November vorverlegt. «Dieser Tag ist noch heute mein besonderer Tag», erzählt von Wattenwyl.

Ähnlich ist es Larissa Gehrig ergangen. «An der grossen Familienfeier gabs meinen Geburtstagskuchen zum Dessert», erzählt sie. Auch Geschenke habe sie nur einmal im Jahr erhalten. «Dafür etwas grössere», sagt sie.

Martin Lüthi und Chantal Imsand sind sich des Problems bewusst. «Irgendwann wird es ein Thema, dass die Geburtstagsgeschenke nicht im Weihnachtspapier verpackt sind», sagt Lüthi. Für Lia haben die Eltern darum schon im letzten Sommer ein Kinderfest organisiert. (nj)

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